Wahr - 12. September 2015

 

Ohnehin mit zurück! (unbeachtete große Wahrheit)

 

Kommentare: 3

 

#1

Clemens Satorius (Samstag, 12 September 2015 10:52)

Und was sind die Implikationen?

 

#2

Jonas Hochreiter (Dienstag, 15 September 2015 13:38)

Ich versuch´s einmal und ziehe den verkürzten Ausspruch unter Verwendung der darin

enthaltenen Worte in die Länge, vielleicht treffe ich damit ja einen Teilaspekt der Wahrheit:

Ohne die Erfahrung des Getrenntseins und der Individualisierung gehen wir hin(ein) in die

Welten der Trennung und kehren mit einem Rucksack an Erfahrungen zurück ins ewige

Sein.

 

#3

Ruth Finder (Mittwoch, 16 September 2015 10:57)

OHNEHIN wird jeder von uns den Weg der Erlösung gehen müssen: es gibt nur diesen

einen Weg - MIT allen Anderen ZURÜCK zu unserem Ursprung, zu unseren Wurzeln, zu

unserem Selbst. Dann lasst uns aber diesen Weg ausgerichtet, bewusst und gestaltend gehen!

Der wird dann trotz aller Widrigkeiten ein kürzerer sein, als ein Weg des Nicht-Wissen-

Wollens, des Widerstandes, der Verleugnung - zum großen Teil von negativem Karma

geplagt.

 

 

Wenn Liebe fehlt - 19. September 2015

 

Verzweifelung entsteht, wenn die menschliche Kälte

wie eine Woge über unsere Sinne fährt.

Diese Kälte nimmt uns den Glauben an uns selbst.

Doch die Kälte vergeht, wenn der Mensch das Vergeben lernt,

welches wie eine Woge unsere einstigen Tränen fortwäscht.

 

Entäuschung entsteht, wenn der Mensch etwas von jemandem erwartet

und der versagt.

Diese Erwartungen nehmen uns die klare Sicht.

Doch die Trübung vergeht, wenn der Mensch das Vergeben lernt,

welches jede Erwartung überflüssig macht.

 

Krieg entsteht, wenn die Menschen einander nicht kennenlernen.

Diese Kämpfe nehmen uns den Sinn des Lebens.

Doch der Kampf vergeht, wenn der Mensch das Vergeben lernt,

welches die Waffen fallen und die Menschen einander grüßen lässt.

 

Neid entsteht, wenn der Mensch glaubt,

Besitz sei nötig wie die Luft zum Atmen.

 

Dieses Unverständnis nimmt uns die Chance zum Glück.

Doch Unverständnis vergeht, wenn der Mensch das Vergeben lernt,

welches die Reichen wie die Besitzlosen einander gleich macht.

 

Liebe entsteht, wenn der Mensch sich seines Menschseins besinnt.

Diese Liebe nimmt uns die Notwendigkeit zum Vergeben.

Denn lieben heißt, das Gute geben und das Schlechte verstehen.

 

(Bruder Silvio)

 

 

Ein Jahr - 21. September 2015

 

Ich erinnere mich nach den Gesprächen im gestrigen Circle, dass Bruder Laterne einmal einem

Menschen, der sich immer über Nachrichten, Zeitungen und Zeitschriften aufregte, sich Sorgen

machte, in Unruhe geriet, sich trotzdem ständig damit beschäftigte, geraten haben soll, sich

vorzustellen, wie es wäre, wenn er jetzt die Nachrichten etc. von vor einem Jahr hören oder lesen

würde. Was dann bei ihm innerlich passieren würde. Und sich dann vorzustellen, was die aktuellen

"News" in einem Jahr bei ihm auslösen würden. Der Mensch soll in Frequenz und Amplitude seiner

Beschäftigung mit Nachrichten kurzfristig drastisch eingebrochen sein. Er hat den Ratschlag nicht

als intellektuelles Spielchen gesehen, sondern ist tatsächlich so verfahren!

 

Kommentare: 2

#1

Jonas Hochreiter (Dienstag, 22 September 2015 15:40)

Ich kann das sehr gut nachvollziehen, da ich leider auch so gestrickt bin und mich ins

aktuelle Tagesgeschehen oftmals stark involvieren lasse. Dabei geht viel ätherische Vitalität

drauf, die man besser verwenden könnte, ganz zu schweigen vom Verlust an Lebensqualität.

Danke für die Anregung, ich werde versuchen, das einmal einige Zeit zu verwirklichen.

 

#2

Ruth Finder (Dienstag, 22 September 2015 17:11)

Im ersten Teil des Beitrages habe ich mich zu meinem Entsetzen entdeckt. Im zweiten Teil

muss ich mich noch finden.

 

 

Elias und Esther - 24. September 2015

 

Elias fragte Esther:

Sag, was ist mein Geist?

Esther sprach zu Elias:

Sieh, das was trennt.

Elias fragte Esther:

Sag, was ist mein Körper?

Esther sprach zu Elias:

Sieh, das was getrennt wird.

Elias fragte Esther:

Sag, was ist meine Seele?

Esther sprach zu Elias:

Sieh, das was darunter leidet.

 

(Bruder Silvio)

 

 

Formulieren - 26. September 2015

 

Im Wort "formuliert" liegt auch schon das ganze Problem - mit dem Du Dich zweifellos auch

herumschlägst. Irgendwann hörte ich mal eine Zen-Geschichte, in der der Meister (nehmen wir mal

einen echten Meister an) eine Lehrrede vor seinen Mönchen hielt. Abschließend wurde von ihm

gesagt, "er habe aus Gnade eine peinliche Szene gemacht". Die peinliche Szene bestand eben darin, dass er mit Worten zu formulieren versuchte, was eben jenseits von Form nur durch

Schau/Erfahrung/Sein zu begreifen (wieder so ein formbezogenes Wort) ist.

 

Die reine Lehre (irgendein Wort muss man ja wieder benutzen) lässt sich nur sein, nicht in Worte

fassen. Nur durch Sein erreicht man minimal wenige, die aber verstehen. Durch Worte viele, von

denen nur wenige verstehen. Dazwischen gibt es viele Abstufungen von immer klareren Worten,

mit denen man wiederum mehr Leute abschreckt, aber doch auch Verständige findet - unterm Strich bleiben vielleicht bei allen Herangehensweisen genau gleich viele Verstehende übrig.

 

(aus einem Brief)

 

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#1

Ruth Finder (Sonntag, 27 September 2015 05:16)

Um es im Voraus zu sagen: ich denke, dass ich schon verstehe, worum es im Beitrag geht.

Trotzdem möchte ich mir hier erlauben, etwas, sagen wir, provozierend zu formulieren.

Um die reine Lehre ohne Worte und nur durch Schau/Erweckung/Eingebung/Erfahrung/Sein

zu begreifen, braucht es aber auch eine große Portion der Gnade Gottes. Ob der liebe Gott

dabei auch eine peinliche Szene macht. ^^ Es ist eher so, dass jeder eben seine eigene

Lehrmethode hat: der Meister redet und Gott schweigt.

 

 

Dostojewski: - 29. September 2015

 

In unserem Jahrhundert isoliert sich jeder, verbirgt sich einer vor dem anderen und verbirgt, was er

hat, und endet damit, die Menschen abzustoßen und von ihnen abgestoßen zu werden. Er scharrt

Kapital zusammen und denkt: "Wie stark bin ich, jetzt bin ich gesichert", und der Unsinnige weiß

nicht einmal, daß er in umso größere Ohnmacht verfällt, je mehr er ansammelt, denn er hat sich

daran gewöhnt, nur auf sich selbst zu hoffen. Er hat sich vom Ganzen abgetrennt und zittert nur

davor, sein Geld und die durch dasselbe erworbenen Rechte zu verlieren. Der Menschengeist will

heutzutage nicht einsehen, daß wahre Sicherheit des Individuums nicht in seiner persönlichen Kraft

besteht, sondern im Zusammenhang mit der Menschheit. Aber die Stunde wird kommen, wo diese

furchtbare Isolierung aufhört und alle plötzlich begreifen werden, wie unnatürlich sie gewesen ist.

 

Der Geist der Zeit wird ein anderer sein, und man wird an ihm erkennen, wie lange man in der

Finsternis gelebt hat, ohne das Licht zu erblicken. Dann wird auch das Zeichen des

Menschensohnes am Himmel erscheinen... Bis dahin aber muß dieses Zeichen behütet werden, und wenn es nicht anders geht, muß von Zeit zu Zeit wenigstens ein Mensch durch sein Beispiel die Seele aus ihrer Einsamkeit erlösen und ihr den Weg zu allgemeiner Bruderliebe zeigen - wenn er auch als Geistesschwacher verschrien wird - damit der große Gedanke nicht stirbt!

 

('Die Brüder Karamasoff')

 

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#1

Ruth Finder (Mittwoch, 30 September 2015 09:44)

Es war das 19. Jahrhundert, als Dostojevski diesen Roman, diese Zeilen geschrieben hat. Sie

sind immer noch aktuell. Es gab aber in allen Zeiten und an allen Orten die Worte der Wahrheit. Diese erstaunlichen Zeugnisse des hohen Geistes werden von der Masse der Menschen ignoriert.

Hat vielleicht Israel ben Eliser (der Baal-schem-tov) Recht mit seiner Antwort auf die Frage: "Was bedeutet das, was die Leute sagen: Die Wahrheit geht über die ganze Welt?" - "Es bedeutet, dass sie von Ort zu Ort verstoßen wird und weiterwandern muss."

 

 

Dostojewski II: - 30. September 2015

 

Alles ist gut...alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist. Das ist

alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick.

 

(aus 'Dämonen')

 

 

Dostojewski III: - 01. Oktober 2015

 

Denn wisset, meine Lieben, jeder von uns ist schuldig für alle und alles auf der Welt, das ist unanfechtbar - und nicht nur durch die allgemeine Weltschuld, sondern jeder einzelne für alle Menschen auf Erden. Diese Erkenntnis ist die Krone des Lebens sowohl jedes Einsiedlers wie jedes Menschen. Denn erst, wenn alle es verstanden haben, wird sich unser Herz in dieser unendlichen, allumfassenden Liebe, die keine Sättigung, also auch keinen Tod kennt, weiten. Dann wird jeder von euch die Kraft haben, die ganze Welt durch seine Liebe zu erkaufen und die Sünden der Welt mit seinen Tränen abzuwaschen. ... Jeder gehe seinem Herzen nach, jeder beichte sich selbst unermüdlich.

 

(Der Staretz in 'Die Brüder Karamasoff')

 

 

Normativ - 02. Oktober 2015

 

Spiritualität kann immer nur nach innen normativ sein - also dem Einzelnen als Richtschnur für sein

Verhalten dienen und Entwicklungsausblick sein. Sobald sie nach außen normativ zu sein versucht -  sei es im Kleinsten in der Familie oder im Größten zwischen Volksgruppen oder Staaten - kann sie zwar für einen nach innen abgegrenzten Kreis scheinnormativ (denn das zwei Menschen dasselbeglauben ist logisch unmöglich) sein und zu Religion werden, wird aber als Preis für diese Illusionwiederum nach außerhalb dieses Kreises zum Gegenstand von Entzweiung bis hin zu Mord und Krieg.

 

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#1

Ruth Finder (Samstag, 03 Oktober 2015 05:37)

Als ich "Normativ" beim ersten Mal zu Ende gelesen habe, dachte ich nur: "Hä?" Dann habe ich mich Satz für Satz zum Verstehen "durchgekämpft", um dann den ganzen Text als eine Einheit erfassen zu können. Nun, dachte ich, ich zahle dem Verfasser mit der gleichen Münze zurück. ;-)

Man sagte einmal zu Rabbi Mendel von Kozk von einem bestimmten Menschen, er sei größer als ein anderer, den man ebenfalls beim Namen nannte.

Rabbi Mendel erwiderte: "Bin ich ich, weil ich ich bin, und du bist du, weil du du bist, dann bin ich ich und du bist du. Bin ich hingegen ich, weil du du bist, und du bist du, weil ich ich bin, dann bin ich nicht ich und du bist nicht du."

 

 

Dostojewski V: - 05. Oktober 2015

 

Es gibt unter den Mönchen viele Müßiggänger, Tagediebe, Wollüstlinge und gewöhnliche

 

Landstreicher. Auf diese weisen die gebildeten Weltlichen hin. "Ihr seid Faulenzer und unnütze

 

Glieder der Gesellschaft", sagen sie, "Ihr lebt von fremder Arbeit und seid schamlose Bettler!"

 

Indessen gibt es doch viele unter den Mönchen, die, fromm und demütig, die Einsamkeit suchen

 

und nach Stille und Gebet verlangen. Auf diese weist man nicht hin, sondern übergeht sie mit

 

Schweigen.

 

 

 

(Dostojewski in 'Die Brüder Karamasoff')

 

 

 

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#1

 

Clemens Satorius (Montag, 05 Oktober 2015 09:44)

 

Einerseits müssen wir "Mönche" als allgemeinen Begriff lesen. Als "Menschen, die

 

irgendwo im religiös-spirituellen Raum angesiedelt sind". Dann fasst es doch mehr die

 

Realität, in der WIR leben.

 

Zum anderen gilt das Bedenken, das L. bei Worten wie "sehr", "viele" und "oft" oder

 

"meistens" formuliert, indem er sagt, das seien "starke Worte". Klar, wenn unter einer

 

Million "Mönche" fünftausend ein spirituell ausgerichtetes Leben führen, dann kann man

 

fünftausend auf einem Haufen schon als "viele" bezeichnen, aber im Vergleich zur Million

 

sind es doch wenige...

 

Auf jene wenigen kommt es jedoch viel an! Und sie und diese Tatsache werden von den

 

nicht-spirituellen Menschen in der Tat gern übergangen. Was in der Natur der Sache liegt!

 

 

 

 

 

Unterscheidung - 06. Oktober 2015

 

 

 

Bei 1. Korinther 6, 12 lesen wir: "Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist

 

mir erlaubt, aber es soll mich nicht gefangen nehmen." Kannst Du, bevor Du weiterliest, die

 

Aussage ganz erfassen? Was damit gemeint ist?

 

 

(Superbia enim inductus vel deos lacessivit. Cum enim Mors, filia Erebi et Noctis, iussa esset

 

Sisyphum in Tartarum deportare, ei contigit, ut Mortem vinceret et catenis vinciret. Quo factum est,

 

ut nemo mori posset, priusquam Mars Mortem e catenis liberavisset.) Dieser lateinische Einschub

 

hat hoffentlich für eine kleine Gedankenpause gesorgt, bevor wir das eigentlich Offensichtliche

 

sagen: Uns ist alles erlaubt. Auch das, was nicht "zum Guten dient" - also nicht gut ist. Auch

 

Schlechtes oder gar Böses. Das ist eine Konsequenz des höchsten Prinzips der Freiheit. Wäre nicht alles erlaubt, gäbe es die Freiheit nicht.

 

 

Leider begreifen wir die Erlaubnis oft tatsächlich als solche. Eigentlich ist sie aber eine klare

 

Aufforderung zur Unterscheidung. Die schöne Frage: "Warum leckt sich der Hund die Eier?" und

 

die kurze Antwort: "Weil er es kann!" beschreiben bedauerlich genau die Handlungsmaxime, die

 

die meisten Menschen aus der scheinbaren Generalerlaubnis ziehen.

 

 

Das Ganze geht aber noch weiter. Selbst das, was "zum Guten dient", soll mich nicht gefangen

 

nehmen. Hier liegt die Freiheit, die mit der Freiheit eigentlich gemeint ist - auf die unsere

 

Entwicklung zielt. Es geht um innere Freiheit, Freiheit sich selbst gegenüber. Selbst wenn wir

 

außen Gutes tun, aber davon gefangen sind, sind wir nicht frei und machen damit etwas falsch,

 

obwohl wir Richtiges tun!

 

 

 

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#1

 

Ruth Finder (Mittwoch, 07 Oktober 2015)

 

Ja, uns ist alles erlaubt und wir sind frei zu tun und zu lassen, was und wie wir es wollen -

 

subjektiv gesehen. Objektiv betrachtet, lässt Gott unser Handeln kurz oder lang gewähren.

 

Dabei benutzt er die ganze Zeit ein Korrektiv - das Karma. Vielleicht könnte man das mit

 

einer Hecke vergleichen, die zwar immer wieder in alle Richtungen wächst, aber hin und

 

wieder in Form gebracht wird. Der Mensch wird immer wieder erinnert, wofür er da ist.

 

#2

 

Jonas Hochreiter (Mittwoch, 07 Oktober 2015 18:55)

 

Hallo Ruth Finder, interessante Gedankengänge!

 

Was hindert uns eigentlich daran, nicht all das zu tun, was wir als AP impulsiv wollen? Die

 

meisten Menschen würden möglicherweise zügellos den Begierden ihres Egos nachgeben,

 

wenn sie nicht Angst vor den damit verbundenen (staatlich verhängten) Strafen hätten. Gut

 

zu beobachten ist das im Fall von Katastrophen, wo die staatliche Ordnung nicht mehr

 

gegeben ist. Auf Haiti z.B. starben mehr Menschen an Schussverletzungen als durch das

 

vorangegangene Erdbeben.

 

Von uns Weg-Arbeitern wird glaube ich erwartet, aus Einsicht heraus zu handeln und nicht

 

aus Angst vor den karmischen Konsequenzen (oder staatlichen Strafen). Wenn bei uns - um

 

Deinen Heckenvergleich zu nutzen - Triebe in die falsche Richtung wachsen, dann werden

 

die meiner Erfahrung nach unmittelbar und kräftig zurückgestutzt. Das ist mitunter sehr

 

unangenehm, erspart aber größeren Schmerz, da der abgeschnittene Zweig noch klein ist.

 

Wir erfahren durch die Weg-Arbeit aber andererseits viel Unterstützung, durch die unsere

 

guten Zweige prächtig gedeihen. Unser Gärtner versorgt uns halt mit viel Substral^^.

 

#3

 

Ruth Finder (Donnerstag, 08 Oktober 2015 10:27)

 

Hallo Jonas!

 

Und es stimmt, was du schreibst. Aus der höheren Warte gesehen, ist uns nämlich nicht alles

 

erlaubt, zumindest nicht ohne Weiteres. Gerade dieses Wissen um das Karmagesetzt richtig

 

verstanden, also - nicht religiös-ängstlich ob eines strafenden Gottes, sondern einsichtig in

 

die eigene Verantwortung - denke ich, macht uns nach und nach freier in unserem Handeln.

 

 

 

 

 

Porete - 11. Oktober 2015

 

 

 

Ein Link, auf den mich Ruth Gabriel hingewiesen hat:

 

http://www.bzw-weiterdenken.de/2010/04/im-nichts-befestigt/

 

 

 

Kommentare: 2

 

#1

 

Ruth Finder (Montag, 12 Oktober 2015 18:15)

 

Ein interessanter Beitrag! Das Buch werde ich demnächst auch lesen.

 

#2

 

Jonas Hochreiter (Mittwoch, 14 Oktober 2015 15:51)

 

Marguerite Porete trifft mich beim Lesen immer tief ins Herz und erinnert mich dadurch

 

daran, dass Gedankenlastigkeit auch eine Form von Unausgewogenheit ist.

 

 

 

 

 

Frei - 13. Oktober 2015

 

 

 

Deine Person ist Geist, Gefühl und Leib.

 

Teile diese hundert Prozent durch drei,

 

und es bleibt ein unendlich kleiner Rest.

 

Dies ist das unendlich Kleine in dir,

 

das das unendlich Große berührt.

 

Mache es zur Mitte deines Seins,

 

und die Verwechslung wird schwinden.

 

Lebe aus ihm, frei von dir selbst,

 

und dein Sein wird zu seiner Mitte.

 

 

 

 

 

Kulturpessimismus - 14. Oktober 2015

 

 

 

Was gemacht werden kann, wird auch gemacht – außer sich zu bescheiden.

 

 

 

 

 

Tugenden - 16. Oktober 2015

 

 

 

Im Buddhismus werden sechs oder zehn zu übende Tugenden aufgezählt, die zur Erleuchtung

 

führen. Bleiben wir einmal bei den sechs Tugenden des Theravada. Die ersten fünf sind APTugenden, die geübt und stufenweise erlernt werden können. Es sind Freigiebigkeit/ Großzügigkeit, ethische Integrität, Geduld/Akzeptierfähigkeit, Enthusiasmus/energisches Bemühen und Meditation.

 

Die sechste Tugend ist Weisheit/Erkenntnis. Sie kann wohl ebenfalls stufenweise erlangt werden,

 

ist aber nicht übbar, sondern entsteht als Produkt der ersten fünf Tugenden und anderer Aspekte.

 

Herr von Allmen zitiert in einer seiner Lehrreden einen Krishnamurti (nicht Jiddu, vielleicht U.G.),

 

der gesagt haben soll, dass Erleuchtung ein Unfall sei und nicht das Resultat von Meditation - das

 

aber Meditation die Anfälligkeit für diese Art Unfall erhöhe. So müssen wir auch das Erlangen von

 

Weisheit durch die ersten fünf Tugenden sehen.

 

Denken wir bei den Tugenden auch an die "nahen und fernen Feinde". Der ferne Feind ist natürlich

 

immer das Gegenteil. Also zum Beispiel von Geduld eben Ungeduld.

 

Das Gegenteil von Freigiebigkeit ist natürlich Knauserigkeit, Geiz. Interessanterweise nicht nur

 

gegenüber anderen Wesen/Leuten, sondern auch sich selbst gegenüber. Aber was wäre der nahe

 

Feind von Freigiebigkeit? Gedankenlose Verschwendung, zwanghaftes Kaufen, Konsumrausch.

 

Dann natürlich wie alle nahen Feinde wo möglich immer gern unter dem Deckmäntelchen der

 

Tugend.

 

Wie und wo sich einer in Bezug auf die Tugenden befindet, muss jeder für sich herausfinden.

 

Interessanterweise können Außenstehenden die Tatsachen oft offensichtlich sein, wo man selbst

 

völlig blind scheint und selbst bei deutlichen Hinweisen immer wieder in diese Blindheit

 

hineinrutscht, wenn man nicht sowieso einfach mit Abwehr reagiert.

 

Wir haben hier wieder so einen für den logischen, linearen Verstand schwer auszuhaltenden

 

rückbezüglichen Mechanismus, bei dem scheinbar das Endergebnis gebraucht wird, um die

 

Vorbedingungen optimal zu erfüllen, denn für die optimale Ausführung der ersten fünf Tugenden

 

braucht man umfassendes Unterscheidungsvermögen sich selbst gegenüber. Und

 

Unterscheidungsvermögen ist ein Ausdruck von Weisheit.

 

Wir wissen natürlich, dass einfach in allen Bereichen Weg-Arbeit erforderlich ist - wie es ja schon

 

oben anklingt. Die einzelnen Verwirklichungsniveaus können überall unterschiedlich sein. Das ist

 

schon innerhalb einer Person schwer durchschaubar. Vergleiche können wir uns erst recht

 

abschminken.

 

 

 

 

 

Pünktlein - 19. Oktober 2015

 

 

 

Es heißt, dass wir hin und wieder oder sogar oft Eingebungen, Informationen, Hinweise,

Erkenntnisse von "oben" erhalten. In den allermeisten Fällen werden sie nicht wahrgenommen und

verfehlen vorerst ihre Wirkung. Deshalb ist es sehr wichtig für diese Botschaften, bewusste

Aufmerksamkeit oder aufmerksame Bewusstheit zu entwickeln. Kontemplatives Lesen, tiefes

Nachdenken, Nachsinnen, Meditation, Aufmerksamkeit im Alltag - immer und immer wieder sich

auf das Ziel auszurichten - helfen z.B. dabei.

 

Die Frage im Studienkreis, ob man in der Woche irgendwelche spirituelle Erkenntnisse - auch wenn

sie noch so "unbedeutend" erscheinen - erlangt hat, ist deshalb keine so vermessene oder leichthin

gestellte Frage.

 

Mir ist gestern etwas hoch erfreuliches dieser Art passiert. Ich habe auf einmal große Heiterkeit

gespürt und mich aufgehoben gefühlt. Ich habe versucht, in dieser Situation aufmerksam zu bleiben, einfach in dieser Freude zu sein. Und dann, nach ungefähr einer Stunde, ist mir etwas aufgegangen.

 

Und zwar: ich habe die Bedeutung einer Geschichte von Rabbi Jizchak Meir von Ger verstanden.

 

Die Geschichte habe ich schon vor langer Zeit gelesen und noch mal gelesen und konnte doch nicht so richtig fassen, worum es dabei ging. Und trotzdem ist mir diese Geschichte in Erinnerung

geblieben.

 

 

Also, inmitten der oben beschriebenen, sehr wünschenswerten und erfreulichen Situation habe ich

 

mir gedacht: "Es handelt sich doch bei der Geschichte um die gleiche Sache wie im Blogbeitrag

 

"Frei" von Clemens." Hier ist die Geschichte:

 

 

 

Das Rad und das Pünktlein

 

Rabbi Jizchak Meir erzählte: "Wenn einer Führer wird, müssen alle nötigen Dinge da sein, ein

 

Lehrhaus und Zimmer und Tische und Stühle, und einer wird Verwalter, und einer wird Diener und

 

so fort. Und dann kommt der böse Widersacher und reißt das innerste Pünktlein heraus, aber alles

 

andere bleibt wie zuvor, und das Rad dreht sich weiter, nur das innerste Pünktlein fehlt." Der Rabbi

 

hob die Stimme: "Aber Gott helfe uns: man darf es nicht geschehen lassen!"

 

 

 

(Ruth Finder)

 

 

 

Kommentare: 2

 

#1

 

Ludwig (Dienstag, 20 Oktober 2015 09:42)

 

Eine schöne Beschreibung herabsteigender und gleichzeitig heraufsteigender Inspiration.

 

Und darüber hinaus noch Gelegenheit, die Fleißarbeit zu loben, die mit dem Abschreiben

 

und Umschreiben der Aussprüche und Denkanstöße der jüdischen Mystiker verbunden ist.

 

Die Auswahl zeugt von Geschick und Einsicht. Es sind viele Texte hoher Spiritualität

 

darunter. Geschrieben in einfachen Worten und Bildern. Vorlagen für tiefes Nachsinnen.

 

Einstiege zum Sein.

 

 

 

 

 

Negative Gefühle - 19. Oktober 2015

 

 

 

Negative Gefühle sind eine Realität. Wir können damit auf zweierlei Weisen umgehen. Die eine ist,

ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken, sie dadurch zu devitalisieren und sie dann durch

wünschenswerte Gefühle zu ersetzen. Dieser Ansatz entspringt der Annahme, dass wir Herren

unserer psychischen und noetischen Körper sind/sein sollten ebenso wie wir Herren unserer

grobstofflichen Körper sind. Es geht hier praktisch darum, unseren Emotionalkörper zu nutzen, wie

wir als höhere Selbste es wollen. Das muss trainiert werden.

 

Die andere Art damit umzugehen ist, die negativen (ebenso wie die positiven) Gefühle zu

akzeptieren, zu erkennen, dass sie vorübergehender Natur sind, und dass wir nicht mit ihnen

identisch sind - wir folglich unser Handeln nicht durch sie beeinträchtigen lassen müssen. Wir

können lernen, Gefühle wie sie sind auszuhalten, ohne auf sie einzusteigen. Auch hier erlangen wir

Handlungsfreiheit als höhere Selbste. Das muss trainiert werden.

 

Wie trainieren wir das? Sicher, in den Meditationsübungen! Aber das wichtigste Übungsfeld ist

natürlich der Alltag. Da wo negative Gefühle auftreten. Wir sind dann aber immer geneigt, die

negativen Gefühle zu verdrängen (nicht haben wollen), oder nach außen verlagert auszuagieren -

will sagen, den "Schuldigen" büßen zu lassen oder Übersprungshandlungen zu vollziehen und

jemand anderen stellvertretend anzugehen. Als Weg-Arbeiter müssen wir bei uns selbst bleiben und aufmerksam sein. Immer wieder zurückkehren zur Eigenverantwortlichkeit für die tatsächlich in uns stattfindenden Zustände. Und wieder, und wieder. Und es wirklich tun. Ersetzen und/oder

nicht beeinflussen lassen. Nicht nur nicken und dann weiter wie gehabt.

 

 

 

Kommentare: 1

 

#1

 

Jonas Hochreiter (Dienstag, 20 Oktober 2015 08:01)

 

Danke für Deine Betrachtung!

 

Die unbewusste Verdrängung negativer Gefühle ist eine ganz heimtückische Sache. Ich habe

 

an mir schon des Öfteren bemerkt, dass sich negative Gefühle bei Verdrängung erstaunlich

 

lange im psychischen Körper halten können. Ich registriere manchmal erst Stunden nach

 

dem auslösenden Ereignis, dass in mir ein negatives Gefühl vorhanden ist. Beim Erkennen

 

desselben weiß ich im ersten Moment oft gar nicht mehr, wodurch es ursprünglich ausgelöst

 

wurde. Erst durch Nachspüren/Hineingehen erkenne ich dann die Zusammenhänge, wobei

 

es dadurch meistens auch schon aufgelöst wird.

 

Die Projektion nach außen, indem wir uns z.B. einen Sündenbock zum abreagieren suchen,

 

ist leider oftmals erst die erste Gelegenheit überhaupt zu registrieren, dass wir psychisch

 

negativ belastet sind. Als Wahrheitsforscher müssten spätestens hier bei uns die

 

Alarmglocken zu läuten beginnen und wir mit Innehalten und Innenschau Licht in das

 

Gefühl bringen.

 

 

 

 

 

Der Pfad - 21. Oktober 2015

 

 

 

Der Pfad führt die Menschen

 

mal auseinander mal zusammen,

 

doch innen bleiben immer sie verbunden,

 

nur in steter Bewegung kann der Mensch gesunden.

 

 

 

(Bruder Silvio)

 

 

 

 

 

Gleichgewicht... - 24. Oktober 2015

 

 

 

...ist idealerweise nur eine Phase, eigentlich ein kurzer Moment. So kurz, wie der Augenblick

zwischen einatmen und ausatmen, der weder das eine noch das andere ist. Gehen (das Beschreiten des Weges) ist kontrolliertes Vorwärtsfallen - immer wieder mit dem gerade nach vorne

geworfenen Fuß aufgefangen und in einem kurzen Moment des Gleichgewichts in den nächsten

Schritt übergehend. Einigermaßen anhaltendes Gleichgewicht haben nur Stehende, besser Sitzende, noch besser Liegende, perfekt Tote. "Er ist aus dem Gleichgewicht" ist eine recht zutreffende Beschreibung eines Voranschreitenden.

 

 

 

Kommentare: 4

 

#1

 

Ruth Gabriel (Dienstag, 27 Oktober 2015 14:32)

 

So gesehen ist Gleichgewicht wohl eine Art von Einrichten.

 

#2

 

Jonas Hochreiter (Donnerstag, 29 Oktober 2015 08:45)

 

Ja, dieses Einrichten als Gleichgewicht kann man vor allem bei älteren Personen sehr schön

 

sehen. Da fließt alles ohne wesentliche Veränderung oft jahrelang dahin, bis die Vorsehung

 

von außen eingreift und wieder für Ungleichgewicht (und damit Fortschritt) sorgt. Auch wir

 

selbst als spirituelle Gemeinschaft sind nicht gefeit davor. Clemens hat das in der letzten

 

Betrachtung grafisch in Form der permanenten Abweichung des Ausrichtungsstrahles gut

 

dargestellt, erst durch Ungleichgewichte können wir uns der perfekten Ausrichtung wieder

 

annähern.

 

#3

 

Ruth Gabriel (Donnerstag, 29 Oktober 2015 16:39)

 

Das war für mich eine ganz neue Erkenntnis. Bis dahin hielt ich Gleichgewicht für etwas

 

sehr Erstrebenswertes. Dass dann aber keine Bewegung mehr statt findet, war mir gar nicht

 

bewusst. Bei mir hat das eine Art erweiterten Blick auf das Leben und besonders auf die

 

schwierigen Situationen zur Folge. Das nimmt ein wenig die Abwehr und fördert die Freude

 

am Leben. Spürbar.

 

#4

 

Ruth Finder (Donnerstag, 29 Oktober 2015 19:23)

 

Erstrebenswert ist Gleichgewicht im Ungleichgewicht - das ist das berühmte Tanzen

 

der Meister.

 

Man könnte sich das Leben auch als einen Gang auf dem Seil vorstellen: man braucht

 

Ungleichgewicht, um vorwärts zu gehen, und gleichzeitig braucht man Gleichgewicht,

 

um nicht vom Seil zu fallen.

 

 

 

 

 

Die Entscheidung - 26. Oktober 2015

 

 

 

Der größten Fortschritt, den ein Mensch erreichen kann,

 

ist das Eis zu brechen.

 

Das größte Glück, das ein Mensch haben kann,

 

ist dieses zu erkennen.

 

Die größte Chance, die dem Menschen zukommt,

 

ist die Fähigkeit zu erkennen.

 

 

 

Steckt der Mensch in tiefen Kämpfen,

 

so bedarf es letztendlich nur einer wahren Entscheidung,

 

um die Schwerter fallen zu lassen und den Sieg zu erringen.

 

Nichts in der Macht des Menschen ist so groß,

 

wie eine totale Entscheidung.

 

Sie allein befreit und schafft Neues.

 

Totale Entscheidung ist aus der Erkenntnis erwachsen.

 

Der Mensch ist bereit, zum Aufbruch in die Fremde, in das Neue.

 

 

 

Das Vereinen der Gegensätze geschieht durch die Entscheidung.

 

Der Mensch ist frei und kann sich so vor der Entscheidung drücken.

 

Und das Mysterium der Entscheidung bleibt es,

 

dass der Lohn einer Entscheidung erst nach der Entscheidung

 

erhalten und als solcher erkannt wird.

 

Am Lohn kann man messen, ob die zugrundeliegende Entscheidung

 

eine tatsächliche war,

 

denn der Mensch täuscht sich gern mit seiner Entscheidung,

 

denn ein eigentlich freies Wesen will sich kaum eingestehen,

 

gefangen von der Mutlosigkeit zu sein,

 

da es dem Neuen mit Angst begegnet.

 

Hier bedarf es der ersten Entscheidung, die ein Mensch treffen muss:

 

 

 

Die Entscheidung, Neuem zu begegnen, aufzubrechen,

 

totale Entscheidungen zu treffen,

 

das Eis zu brechen.

 

 

 

(Bruder Silvio)

 

 

 

Kommentare: 2

 

#1

 

Ruth Finder (Montag, 26 Oktober 2015 22:12)

 

Ich finde fast alle Silvios Gedichte richtig gut und lese sie gerne. Auch diesmal.

 

#2

 

Ruth Gabriel (Dienstag, 27 Oktober 2015 14:22)

 

Ja, das geht mir auch so. Wobei mich manche mehr berühren als andere. Dieses gehört zu

 

denen, die mich sehr berühren.

 

 

 

 

 

Zwei Richtungen - 28. Oktober 2015

 

 

 

Wenn wir darüber nachdenken, was für Tun aus dem Beschreiten des spirituellen Pfades erwächst,

 

dann lassen wir uns ganz gerne ein paar plausible Tipps geben. Besonders, wenn sie nicht so weh

 

tun. ^^ Schwieriger wird es manchmal, wenn es darum geht, das Falsche nicht zu tun. Noch

 

schwieriger wird es, das Falsche zu lassen. Hinter Nicht-Tun kann man sich noch verstecken.

 

Hinter Lassen kaum.

 

 

 

Kommentare: 2

 

#1

 

Jonas Hochreiter (Donnerstag, 29 Oktober 2015 12:11)

 

Eine kleine Facette noch dazu: Wie hast Du einmal so schön gesagt (kein Zitat): Um etwas

 

bewusst nicht zu tun, muss man es erst einmal tun können.^^

 

#2

 

Ruth Gabriel (Donnerstag, 29 Oktober 2015 16:24)

 

Seit gestern habe ich auf dem Blogeintrag "rumgekaut" und keinen Ansatz des Begreifens

 

für mich gefunden. Jetzt habe ich einen. Danke für die "Facette" :o)

 

 

 

 

 

Blindheit - 29. Oktober 2015

 

 

 

Zur Unwissenheit gehört Blindheit. Wir durchdringen die Wirklichkeit nicht, wir überdecken die

 

wahre Natur der Erfahrung. Sie fördert unheilsame Formen der Aufmerksamkeit und dadurch

 

illusionsbehaftetes Handeln.

 

 

 

(Visuddhimagga)

 

 

 

 

 

Leder - 30. Oktober 2015

 

 

 

Es gibt drei Grundhaltungen unter den Menschen. Im einzelnen Individuum finden sie sich in

vielfältigen Kombinationen und unterschiedlich starken Ausprägungen. Zudem beginnen alle

Menschen ihr Leben ganz in der ersten Haltung und erlangen graduell erst nach und nach reifere

Haltungen.

 

Die erste Haltung ist, dass andere einem alle Gefahren und Mühen aus dem Weg räumen. In einem schönen Bild wird davon gesprochen, dass man vor allen Dornen, scharfen Kanten und spitzen Steinen der Welt geschützt werden möchte, indem sie von anderen für einen komplett mit weichem Leder ausgelegt wird.

 

Die zweite Haltung ist, zu versuchen, selbst alle Orte mit Leder auszulegen, die man beschreitet.

 

Die dritte ist, sich aus einem Stück Leder Schuhe anzufertigen.

 

 

 

 

 

Mehr Leder - 31. Oktober 2015

 

 

 

Das gestern beschriebene Bild in dem Text über die drei Grundhaltungen hat einen etwas anderen

Ursprung. Es stammt aus dem buddhistischen Kontext und beschreibt schlicht die zwei

verschiedenen möglichen Herangehensweisen der Menschen an die Tatsache, das Leid eine

Lebensrealität ist. Die ersteren "normalen" Menschen versuchen die Ursachen für Leid in der Welt

zu bekämpfen, die Dinge für sich selbst besser zu machen, das Äußere zu modifizieren. Die zweite

Gruppe sind die Schüler des buddhistischen Weges, die die inneren, persönlichen Ursachen für Leid überwinden, indem sie Anhaftungen und Widerstände abbauen.

 

 

 

Kommentare: 5

 

#1

 

R.G. (Montag, 02 November 2015 14:28)

 

Dann sind wohl die mit der dritten Herangehensweise diejenigen, die den Weg beschreiten,

 

weil es nichts zu überwinden gibt.

 

#2

 

Clemens Satorius (Dienstag, 03 November 2015 17:27)

 

Die Meister tanzen barfuß und treten trotzdem nicht in die Dornen?

 

#3

 

Ruth Gabriel (Mittwoch, 04 November 2015 08:32)

 

Vielleicht treten sie rein und tanzen weiter. "Es sind nur Dornen..."

 

#4

 

Clemens Satorius (Mittwoch, 04 November 2015 10:36)

 

Sie treten rein, um sie aufzusammeln... ^^

 

#5

 

Ruth Gabriel (Donnerstag, 05 November 2015 08:44)

 

:o)

 

Das ist ganz schön schön.

 

 

 

 

 

Wie der Weltenmutter... - 02. November 2015

 

 

 

...welche den Schmerz der Welt in ihrem Herzen trägt, wurde die Gesamtheit des Leidens auch dir

 

anvertraut, und es ist deine Aufgabe, sie anzunehmen voller Mitgefühl und Freude statt in tiefem

 

Selbstmitleid.

 

 

 

(Pir Vilayat Khan)

 

 

 

 

 

Zwei Mängel beim "Erwachen" - 03. November 2015

 

 

 

Zwei mehr oder weniger stark (aber fast überall eben stark) ausgeprägte Mängel springen mir bei

den Skype-Mitschnitten von Erwachenslehrenden und bei Besuchen ihrer Webseiten ins Auge. Hier wird "Spiritualität" verkauft und fast nirgends wird auch nur ansatzweise auf die "drei Säulen"

hingewiesen. Für mich beides Kriterien, die Angebote und die Anbieter spirituell nicht sehr ernst zu

nehmen. Trotzdem durchaus inspirierende Blickwinkel dabei...

 

 

 

Kommentare: 1

 

#1

 

Thomas von Bremerhaven (Dienstag, 03 November 2015 14:04)

 

Gefischt wird überall. Zumindest an den guten Stellen. Es beißen nur nicht viele.

 

Übrigens: Schön, dass sich hier jetzt mehr bewegt. Ein Aspirant alleine macht eben noch

 

keinen Frühling. Ein paar mehr und schön blüht was.

 

 

 

 

 

Was ist der Lohn? - 04. November 2015

 

 

 

Wenn du den Weg des Glaubens gehst, erlangst du Liebe und Wissen.

 

Liebe zum Geschöpf, Wissen um das Ende des Leides.

 

Wenn du den Weg des Wissens gehst, erlangst du Liebe und Glauben.

 

Liebe zum Geschöpf, Glauben an das Unermessliche.

 

Wenn du den Weg der Liebe gehst, erlangst du Wissen und Glauben.

 

Wissen um das Ende des Leides, Glauben an das Unerschöpfliche.

 

 

 

(Bruder Silvio)

 

 

 

 

 

Taten - 06. November 2015

 

 

 

Habe ein interessantes Zitat von Shunryu Suzuki gelesen, das die Frage der Erleuchtung in eine

 

scheinbar andere Richtung lenkt. Zumindest ist es ein aufschlussreicher Blickwinkel. Leute, die

 

rumlaufen und behaupten, sie seien erleuchtet oder erwacht, sind mir in ihrer Statik und

 

Hundertprozentigkeit irgendwie suspekt. Der einzige, den ich persönlich kenne und der mir schon

 

ziemlich fortgeschritten scheint, betont immer, er sei selbst ein Schüler. Suzi sagte, dass es

 

eigentlich gar keine erleuchteten Menschen gäbe - nur erleuchtetes Handeln. Das lenkt den Fokus

 

deutlich weg von der "Person" auf die Tat.

 

 

 

 

 

Nicht-Trennung - 07. November 2015

 

 

 

Wie ein flackerndes Licht bin ich, im Wind der Gefühle

 

Wie eine schäumende Gischt bin ich, in der Brandung der Sehnsucht

 

Wie ein schwingender Ton bin ich, auf der Laute der Liebe

 

Nicht unterscheid ich, nicht zertrenn ich,

 

was in Gottes Einheit sich befindet.

 

Die Wolke treibt dahin.

 

 

 

(Bruder Silvio)

 

 

 

 

 

Harmonie - 08. November 2015

 

 

 

Die Harmonie ist die Ahnung von der den Gegensätzen innewohnenden Einheit.

 

Der Rhythmus ist die Ahnung von der Einheit im Wandel.

 

 

 

Der Musiker schafft ein harmonisches Werk,

 

wenn er sowohl mit dem Ton, als auch mit der Stille komponiert.

 

 

 

Und der harmonische Mensch ist der,

 

der sowohl nimmt, als auch gibt, der sowohl schafft, als auch ruht.

 

 

 

Aber der, bei dem Nehmen gleich Geben, Schaffen gleich Ruhen ist,

 

der ist der leidlose Mensch, dessen Dasein uns eine Freude ist.

 

 

 

Der, dessen Gleichmut vom Wandel unberührt bleibt,

 

der ist der verehrungswürdige Mensch, dessen Dasein uns eine Hilfe ist.

 

 

 

Wenn wir in der Harmonie den Rhythmus sehen

 

und in dem Rhythmus die Einheit suchen,

 

dann sind wir der einen Erkenntnis nahe.

 

 

 

Wenn wir das im Wandel Bleibende werden,

 

keine Harmonie erkennen, weil wir die Einheit sehen,

 

dann haben wir die Erkenntnis gewonnen.

 

 

 

Denn dort, wo Harmonie ist, ist Rhythmus,

 

wo Rhythmus ist, ist Wandel

 

und wo Wandel ist, ist der Mensch,

 

der gefangen ist im Kreislauf des Werdens und Vergehens,

 

bis da der Tag kommt, an dem die Erkenntnis in ihm aufblüht

 

und die Harmonie in der Einheit aufgeht.

 

 

 

(Bruder Silvio)

 

 

 

 

 

Sufi - 09. November 2015

 

 

 

Was ist ein Sufi?

 

Jemand der sich selbst nicht trennt von Anderen durch Meinung oder Dogma; der das Herz erkennt

 

als den Schrein Gottes.

 

Was ersehnt der Sufi?

 

Das falsche Selbst zu entfernen und Gott im Inneren zu erkennen.

 

Was lehrt der Sufi?

 

Glücklich zu sein.

 

Was sucht der Sufi?

 

Erleuchtung.

 

Was sieht der Sufi?

 

Harmonie.

 

Was gibt der Sufi?

 

Liebe allem Geschaffenen.

 

Was erhält der Sufi?

 

Mehr Kraft zu lieben.

 

Was findet der Sufi?

 

GOTT.

 

Und er verliert?

 

Sich selbst.

 

 

 

(Hazrat Inayat Khan)

 

 

 

 

 

Teehaus - 12. November 2015

 

 

 

In ein "Teehaus" - ein Treffpunkt von Derwischen - tritt ein Mönch ein und verkündet:

 

»Mein Meister hat mich gelehrt zu verbreiten, daß die Menschheit so lange nicht das Stadium der

Vollkommenheit erreichen wird, bis derjenige, dem kein Unrecht geschah, über ein Unrecht

genauso empört ist, wie derjenige, dem Unrecht geschah.«

 

Für einen Augenblick ist die ganze Versammlung beeindruckt. Dann spricht Nasrudin:

 

»Mein Lehrer lehrte mich, daß überhaupt niemand über irgend etwas empört sein sollte, ehe er nicht sicher ist, daß das vermeintliche Übel auch tatsächlich ein Übel ist - und nicht eine verkleidete Segnung!«

 

 

 

(Nasrudin-Erzählungen)

 

 

 

Kommentare: 2

 

#1

 

Ruth Gabriel (Freitag, 13 November 2015 19:15)

 

Meister Eckhart sagt, dass Gottes Wirken stets auf das Beste abzielt. Und da kein Ding der

 

Welt außerhalb der Einheit Gottes gesetzt ist (Martin Buber, Unterweisung), können wir

 

davon ausgehen, dass wohl JEDES vermeintliche Übel eine verkleidete Segnung ist.

 

Das bedeutet nicht, dass wir sie büßerhaft ertragen sollen, sondern dass wir sie als Chance

 

für unsere weitere Entwicklung wahr nehmen.

 

#2

 

Ruth Gabriel (Sonntag, 15 November 2015 11:54)

 

Ergänzend zu meinem vorigen Kommentar:

 

Wir müssen uns die Frage stellen, WORIN denn in diesem jeweils vermeintlichen Übel

 

unsere ganz persönliche Chance für Wachstum liegt.

 

 

 

 

 

Wenn... - 13. November 2015

 

 

 

Wenn du schweigst und innen eine Stimme hörst,

 

diese Stimme dich mit Liebe erfüllt,

 

folge ihr, denn es ist die eines Meisters.

 

 

 

Wenn du außen schweigst und innen sprichst,

 

diese Stimme dich mit Liebe erfüllt,

 

so ist dies deine Eitelkeit.

 

 

 

Wenn du außen sprichst und innen schweigst,

 

diese Stimme dich mit Liebe erfüllt,

 

bist du ein Narr, stolz auf deine Unwissenheit.

 

 

 

Wenn du innen und außen sprichst,

 

diese Stimme dich mit Liebe erfüllt,

 

bist du verloren im Strom der Worte.

 

 

 

Wenn du außen schweigst und innen sprechen läßt,

 

diese Stimme dich mit Liebe erfüllt,

 

lerne von ihr, meditierend lauschst du Gott.

 

 

 

Wenn du innen und außen sprechen läßt,

 

diese Stimme dich mit Liebe erfüllt,

 

bist du ein Meister und kennst Gott.

 

 

 

Wenn du eins bist mit den Worten, innen wie außen,

 

bist du die Liebe, die erfüllt,

 

denn du bist die Stimme, bist Gott.

 

 

 

(Bruder Silvio)

 

 

 

 

 

Erkennen - 16. November 2015

 

 

 

Das Erkennen setzt Gleichartigkeit voraus im Erkennenden und Erkannten. Schon das sinnliche

 

Wahrnehmen bedeutet eine reale Vereinigung zwischen dem Wahrnehmenden und dem

 

Wahrgenommenem.

 

 

 

(Meister Eckehardt)

 

 

 

 

 

Paulusmäßig - 16. November 2015

 

 

 

Ich kann mich nicht mehr an die Herkunft des Zitates erinnern. War es aus dem Neuen Testament?

 

Woher auch immer. Sinngemäß ging es so: "Es gibt viele, die eine Form von Glauben haben, sich

 

aber hinsichtlich seiner Kraft als falsch erweisen." (Hört sich jedenfalls recht paulusmäßig an...)

 

gar nicht so einfach zu fassen, was gemeint ist, oder? Ich habe das einmal mit T.v.B. diskutiert. Für

 

mich hat das seitdem eine bestimmte Bedeutung, aber andere sind denkbar. Denkt doch mal. Es

 

meint ja wohl nicht nur dieses "Glaube kann Berge versetzen" Ding.

 

 

 

Kommentare: 4

 

#1

 

Ruth Finder (Dienstag, 17 November 2015 04:51)

 

Es hat richtig Spaß gemacht, über "Paulusmäßig" nachzudenken. Es war aber auch

 

anstrengend. Ich konnte förmlich spüren, wie sich die graue Masse ganz zäh in die...

 

orthodoxe Richtung bewegte. Bis der Gedanke: "Denk unorthodox!" kam und die Masse,

 

wie von selbst, in die andere Richtung floss. Wie, wenn das Wort "viele" nicht "Menschen"

 

sondern "Wege" bedeutet und die Kraft des Glaubens überschätzt wird? Der Glaube ist

 

passiv und orientiert sich am Äußeren: man glaubt an jemand oder an etwas, an dies und

 

jenes. Man glaubt, weil es gesagt, geschrieben, vorgegeben, gepredigt war oder ist. Daraus

 

könnte blinder, unterschiedsloser, form-behafteter Glaube entstehen. Das ist nicht nur falsch

 

sondern auch oft gefährlich. Man könnte erwidern, was denn z.B. so falsch sei, an sich zu

 

glauben. Dazu würde ich aber fragen: "An welches "Ich"? Glaubt man nicht meistens an die

 

AP - an eine Illusion, die unser Äußeres repräsentiert?

 

Was wirklich Kraft hat, ist unmittelbares Wissen der höheren geistigen Zusammenhänge, die

 

unmittelbare Erkenntnis der Wahrheit, die unmittelbare spirituelle Erfahrung. Das ist die

 

Kraft der Zuversicht und diese Kraft ist aktiv. Sie kommt aus dem Inneren und ist hoch zu

 

schätzen. Man könnte den Satz aus dem Beitrag so umschreiben: "Es gibt viele, die wahre

 

Erkenntnis und unmittelbare Erfahrung haben und sich hinsichtlich ihrer Kraft als richtig

 

erweisen."

 

#2

 

Jonas Hochreiter (Donnerstag, 19 November 2015 07:48)

 

Um echtes Wissen überhaupt erlangen zu können, ist es notwendig, vorher die eigenen

 

Glaubenssätze aufzugeben, oder zumindest beweglich zu halten. Starrer Glauben verhindert

 

echte Erkenntnis, lässt diese Art des Erlangens von Wissen nicht zu. Uns wird dadurch der

 

Zugang zur Wahrheit verwehrt. Die erstarrte, festgelegte Form des Glaubens, die in vielen

 

Religionsgemeinschaften vorzufinden ist, hat wahrlich keine Kraft, uns zur Quelle

 

hinzuführen. Ob Paulus das auch so gesehen hätte?

 

#3

 

Ruth Gabriel (Sonntag, 22 November 2015 22:37)

 

Man kann davon überzeugt sein, eine Ausrichtung zu haben. Der Grad der Verwirklichung

 

(Kraft des Glaubens) zeigt, ob man sich geirrt hat (sich als falsch erweist).

 

#4

 

Thomas von Bremerhaven (Montag, 23 November 2015 14:45)

 

Die Kraft des Glaubens ist das, was uns im Alltag trägt. Was uns im Alltag trägt, macht uns

 

den Alltag leicht und begleitet uns in jedem Moment. Alles Denken, Reden und Tun

 

erwächst daraus.

 

 

 

 

 

Jubel und Tanz - 19. November 2015

 

 

 

Einige Chassidim betonen stark die absolute Individualität und Selbstverantwortung des Einzelnen 

und warnen vor dem (Selbst-)Vergleichen und dem Nacheifern. Das ist schön, wahr und hilfreich.

 

Ja, es lädt ein zu Jubel und Tanz, aber wie immer kann es die AP auch hier schaffen, aus dem 

Richtigen ein Falsches zu machen, indem sie die Wahrheit auf sich selbst bezieht und zu ihrer 

Rechtfertigung benutzt. Sie sieht sich mit ihren Fähigkeiten als so-schon-richtig und segnet 

obendrein damit ihre Defizite ab, wenn sie sie nicht sowieso verdrängt.

 

Die Talente und Fähigkeiten der AP (nebst ihren Defiziten) zu erkennen, bedeutet, ihre 

Ausgangsposition auf dem Weg zu erkennen. Um den spirituellen Weg aber beschreiten zu können, müssen wir untersuchen, in wessen Dienst wir unsere Fähigkeiten stellen. Sonst beschreiten wir den Weg entweder gar nicht, oder wir neigen dazu, von ihm abzukommen. Und nochmals: Zwar gut rechnen, aber nicht gut schwimmen zu können befreit nicht grundsätzlich davon, seine Schwimmfähigkeit zu trainieren.

 

 

 

 

 

Hurra - 23. November 2015

 

 

 

...Ruth Gabriel hat das gesuchte "Paulusmäßige" wiedergefunden:

 

"In 2. Timotheus 3:1-5 finden wir eine Beschreibung der Zeit des Endes:

 

Wisse dies, dass in den letzten Tagen kritische Zeiten dasein werden mit denen man schwer fertig

 

wird. Die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den

 

Eltern ungehorsam, undankbar, nicht loyal, ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft

 

zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter,

 

unbesonnen, aufgeblasen vor Stolz, die Vergnügungen mehr lieben als Gott, die eine Form der

 

Gottergebenheit haben sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen. Von diesen

 

wende dich weg."

 

Wobei Gottergebenheit und "Glaube" wie in meiner Erinnerung auch nicht leichthin als das Gleiche

 

angesehen werden können. Aber sei`s drum.

 

 

 

Kommentare: 5

 

#1

 

Ruth Gabriel (Montag, 23 November 2015 10:31)

 

Dann hier noch einmal meine Überlegung dazu:

 

Man kann davon überzeugt sein, eine Ausrichtung zu haben. Der Grad der Verwirklichung

 

(Kraft des Glaubens) zeigt, ob man sich geirrt hat (sich als falsch erweist).

 

#2

 

Ruth Finder (Montag, 23 November 2015 17:05)

 

Bei so vielen Lasten ist es erstaunlich, dass diejenigen überhaupt irgendwelche

 

Gottergebenheit haben. (Ironie aus) Anderseits, das ist so`ne Sache mit Ergebenheit.

 

Bedeutet, unter anderem, auch Unterwürfigkeit, Gehorsam, Untertänigkeit. Das setzt einen

 

strengen, furchteinflössenden, strafenden Gott voraus. Ich wähle Hingabe. Hört sich

 

polemisch an? Hatte aber Lust dazu...

 

#3

 

Clemens Satorius (Montag, 23 November 2015 17:05)

 

Kürzer und bündiger hätte Thomas mich unter "Paulusmäßig" nicht spoilern können. Klar ist

 

natürlich, dass Glauben hier nicht für eine oberflächliche, austauschbare Meinung steht,

 

sondern für etwas, das aus sorgfältiger Untersuchung und langjährigen Erfahrungen

 

erwächst. Ansonsten könnte er garkeine Kraft haben. Er ist aber selbst dann nicht die Kraft

 

selbst. Erst durch Training entsteht Kraft. Durch Übung. Wir müssen lernen, unsere innere

 

Überzeugung nach und nach dauerhaft als Hintergrund unserer Aktivitäten in den

 

Trennungswelten bewusst zu halten. Nein besser noch, sie zur natürlichen Grundlage

 

unserer Aktivitäten werden zu lassen. Erst wenn wir beides haben - geprüften Glauben und

 

anhaltenden Glauben - haben wir nicht mehr eine "Form" von Glauben, sondern einen

 

Glaubensinhalt, der zudem noch "kräftig" ist.

 

#4

 

Thomas von Bremerhaven (Dienstag, 24 November 2015 10:36)

 

Du hast das von mir kurz Gefasste geschickt weiter gefasst, aber einen Punkt haben wir

 

beide noch nicht erwähnt. Man könnte es zwar aus deinem letzten Satz ableiten, aber das

 

geschieht nicht selbstverständlich. Die beiden zusammenhängenden Regler Glaubensform

 

und Glaubenskraft lassen sich leider unabhängig bewegen. Man kann sie einzeln bis zum

 

Anschlag hochdrehen.

 

Was bedeutet das? Nicht beide Varianten sind in der Konsequenz gleich, aber beide sind

 

tragisch. Die eine Variante wäre, dass man einen hochgradig richtigen, guten Glauben hat,

 

aber kaum Ansporn und Kraft zum Tun (oder Lassen) daraus zieht. Die andere Variante

 

wäre, dass man einen sehr falschen Glauben haben kann, ihn aber mit großer Konsequenz

 

und Opferbereitschaft (sowohl sich als auch andere betreffend) verfolgt. Offensichtlich die

 

noch schlimmere Fehlausprägung.

 

Davor warnt eines der zehn Gebote in der besonders schönen Form der von Dir hier zitierten

 

Buberbibel: "Trage nicht SEINEN deines Gottes Namen auf das Wahnhafte. Denn nicht

 

straffrei läßt ER ihn, der seinen Namen auf das Wahnhafte trägt."

 

Seinen deines Gottes Namen auf das Wahnhafte tragen - herrlich und eindeutig gesagt!

 

#5

 

Clemens Satorius (Dienstag, 24 November 2015 10:43)

 

Mit "davor" meint Thomas übrigens BEIDE Fehlausprägungen - was auch nicht sofort ins

 

Auge springt. Aber: Wie abgefahren ist das denn?