Rechtfertigung 25

198 Hat sich eine Versuchung eingestellt, frage nicht, weswegen oder wodurch sie gekommen ist. Trachte vielmehr danach, sie dankbar, ohne Betrübnis und ohne Groll zu ertragen.

199 Eine fremde Untat bringt für uns keine weitere Sünde, wenn wir sie nicht mit bösen Überlegungen aufnehmen.

200 Wenn man nicht leicht jemanden finden kann, der ohne Versuchungen Gott wohlgefällig war, müssen wir Gott für jedes Ereignis danken.

201 Wäre Petrus nicht um den nächtlichen Fang gekommen, hätte er jenen bei Tage nicht gemacht. Wäre Paulus nicht mit den sinnlichen Augen erblindet, hätte er geistig das Augenlicht nicht erlangt. Und wäre Stephanus nicht als Gotteslästerer verleumdet worden, hätte er Gott nicht geschaut, nachdem sich ihm der Himmel geöffnet hatte.

202 Wie das gottgefällige Tun Tugend genannt wird, so heißt auch die wider Erwarten stattfindende Bedrängnis Versuchung.

203 Gott stellte den Abraham auf die Probe - d. h. er bedrängte ihn zu seinem Vorteil -, nicht um zu erfahren, wie es um ihn stehe; er kannte ihn ja, er, der alles kennt, noch ehe es entsteht. Er tat es vielmehr, um ihm Gelegenheit zu geben zum vollkommenen Glauben.

204 Jede Bedrängnis macht die Neigung des Willens offenbar, ob er nach rechts oder ob er nach links neigt. Darum wird die plötzlich auftretende Bedrängnis Versuchung genannt, welche dann dem, der sie erfährt, Kenntnis seiner verborgenen Gelüste verleiht.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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