Verzicht und Blick auf das Nahe

Was noch in Ruhe ist, kann man leicht behandeln.

 

Was noch unentschieden ist, kann man leicht bedenken.

 

Was noch saftig ist, kann man leicht brechen.

 

Was noch winzig ist, kann man leicht zerstreuen.

 

Man muss wirken auf das, was noch nicht da ist.

 

Man muss ordnen, was noch nicht in Verwirrung ist.

 

Ein Baum von zwei Klafter Umfang wächst aus einem haarfeinen Sprössling.

 

Ein Turm von neun Stockwerken entsteht aus einem Erdhaufen.

 

Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Wer handelt, verdirbt es.

 

Wer festhält, verliert es.

 

Also auch der Berufene:

 

Er handelt nicht, so verdirbt er nichts.

 

Er hält nicht fest, so verliert er nichts.

 

Die Leute gehen an ihre Sachen:

 

Und immer wenn sie fast fertig sind,

so verderben sie es.

 

Das Ende ebenso in Acht nehmen wie den Anfang:

 

Dann gibt es keine verdorbenen Sachen.

 

Also auch der Berufene:

 

Er wünscht Wunschlosigkeit.

 

Er hält nicht wert schwer zu erlangende Güter.

 

Er lernt das Nichtlernen.

 

Er wendet sich zu dem zurück, an dem die Menge vorübergeht.

 

Dadurch fördert er den natürlichen Lauf der Dinge.

 

Und wagt nicht zu handeln.

 

(Tao Te King 64)

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Kommentare: 1
  • #1

    C. (Donnerstag, 30 Dezember 2021 18:41)

    Recht gut anzuwenden bezogen auf den Umgang mit Superkomplexitäten.