Rechtfertigung 22

180 Wer recht redet, muss auch selbst gleichsam von Gott die Worte erhalten. Denn die Wahrheit ist nicht Sache des Redenden, sondern des wirkenden Gottes.

181 Von welchen du nicht das Zugeständnis des Gehorsams hast, mit denen streite nicht, wenn sie sich der Wahrheit widersetzen - damit du nicht Hass erregst, wie die Schrift sagt.

182 Wer einen Untergebenen gewähren lässt, wenn er widerspricht, wo es nicht recht ist, der führt ihn in dieser Angelegenheit in die Irre und arbeitet darauf hin, die Übereinkunft des Gehorsams unwirksam zu machen.

183 Wer in Gottesfurcht den Sünder zurechtweist oder erzieht, der verschafft sich selbst die Tugend, welche dessen Vergehen entgegensteht. Doch wer voll Groll ist und böswillig tadelt, verfällt gemäß dem geistigen Gesetz derselben Leidenschaft.

184 Wer das Gesetz gut verstanden hat, fürchtet den Gesetzgeber. Und da er ihn fürchtet, meidet er alles Böse.

185 Werde nicht doppelzüngig, indem du anders im Wort und anders im Gewissen geartet bist. Einen solchen nämlich stellt die Schrift unter Fluch.

186 Es kommt, wie der Apostel sagt, vor, dass jemand die Wahrheit sagt und von Unverständigen gehasst wird. Und es kommt vor, dass ein Heuchler wegen seiner Heuchelei geliebt wird. Dennoch behält keine dieser Vergeltungen lange Bestand. Denn der Herr vergilt zur rechten Zeit jedem, was ihm zukommt.

187 Wer das kommende Ungemach beseitigen möchte, der muss das gegenwärtige gern erdulden. Wenn er nämlich auf diese Weise geistig die Verhältnisse gegenseitig austauscht, wird er durch geringe Leiden großen Züchtigungen entgehen.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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