Der Mond

Als es für Rabbi Jakov ben Katz ans Sterben ging, legte er sich in sein Bett und empfing in den Tagen vor seinem Hinübergehen alle, die ihn noch einmal sehen wollten.

So kam auch sein Schüler Moische an sein Lager und sprach zum Rebben: "Die Chassidim sind unter den Jehudim umstritten, und unter den Chassidim seid Ihr umstritten. Wie können wir damit leben?"

Der Zaddik war schon durchscheinend geworden, aber er blickte Moische geradeheraus an, als er leise sprach: "Wir sind alle wie Frösche in einem Teich, aber die von uns, die auf einem Seerosenblatt sitzen und zum Mond hinaufschauen, müssen nicht mit den anderen Fröschen über sein Spiegelbild im Wasser streiten."

Der Schüler schwieg nachdenklich.

Jakov ben Katz fügte hinzu: "Teiche und Spiegelbilder gibt es viele - Frösche und Meinungen zu den Spiegelungen noch mehr. Wenn wir jedoch den Mond im Auge behalten, dann wird uns unser Kommen und Gehen von Teich zu Teich nicht mehr in große Unruhe versetzen. Der Mond bleibt in unserem Wandeln stets derselbe."

Nun glomm im Schüler Verstehen auf und er nickte dem Scheidenden zu, während er sich Abschied nehmend erhob. Wie auf dem Mond ließ der Rabbi seinen Blick weiter auf Moische ruhen, als der rückwärts gehend und sich verbeugend das Zimmer verließ.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Finder (Samstag, 25 Dezember 2021 14:52)

    Santideva:

    (...) Wenn mein Geist fest entschlossen
    und glücklich von der Wahrheit überzeugt ist,
    sich gefestigt, respektvoll und höflich verhält,
    wenn er Selbstwürde in Bezug auf Moral und Furcht besitzt
    zur Ruhe gekommen ist
    und danach strebt, andere glücklich zu machen,
    und da mein Geist sich niemals
    von den widersprüchlichen Launen kindlicher Leute entmutigen lässt,
    weil er begreift, dass diese Launen deshalb entstehen,
    weil die Leute störende Emotionen in ihrem Geist entwickelt haben,
    entfaltet er ihnen gegenüber ein Gefühl des Wohlwollens.