Leseempfehlung

"Keine Macht den Doofen" von Michael Schmidt-Salomon. Leseauszug:

 

Das religiotische Syndrom

Brechen wir an dieser Stelle die Untersuchung ab: Wir haben uns im Schnelldurchlauf drei der unzähligen religiösen Heilsgeschichten angeschaut, die sich Homo demens im Laufe der Jahrhunderte eingebildet hat. Dabei ist - wie ich hoffe - deutlich geworden, dass keine dieser Geschichten auch nur annähernd einer kritischen Überprüfung standhält. Tatsächlich zeichnen sich die grundlegenden Mythen des Judentums, des Christentums, des Islam (auf die ganz besonderen Verrücktheiten des Hinduismus oder des tibetischen Buddhismus will ich hier gar nicht erst eingehen) durch eine geradezu mitleiderregende Dämlichkeit aus. Trotzdem - und allein dies zeigt schon, wie verkehrt es ist, in Bezug auf unsere Spezies von Homo sapiens zu sprechen - nehmen noch immer Milliarden von Menschen diese Unsinnserzählungen für bare Münze. Und das hat natürlich Konsequenzen: Um sich die Folgen dieses Wahns vor Augen zu führen, genügt es, wenn man aus der Fülle der Meldungen, die Tag für Tag über die Nachrichtenticker laufen, einige symptomatische Fälle herausgreift ...

Meldung 1: Ultraorthodoxe Juden. bewerfen Touristen in Jerusalem mit Steinen, weil diese zur falschen Zeit ihre Handys benutzen. (Das Motiv für diesen vergleichsweise harmlosen Vorgang ist klar: Fromme Juden glauben, dass elektrischer Strom eine Art »Feuer« sei - und Feuermachen ist nach den eingebildeten Geboten ihres eingebildeten Gottes am Sabbat untersagt.)

Meldung 2: Die katholische Kirche bildet Jahr für Jahr neue Teufelsaustreiber aus, um der »dämonischen Gefahr« entgegenzuwirken! (Mitunter reichen dazu offenbar auch Überreste eines prominenten »Seligen« aus - jetzt, da ich dies schreibe, wird das Blut des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. durch mexikanische Bistümer gereicht mit dem offiziellen Auftrag, den dortigen Drogenkrieg zu beenden. Kein Witz, so meldete es Radio Vatikan.?! Wie soll man so etwas noch kommentieren? Vielleicht mit den Worten Karlheinz Deschners: "Je größer der Dachschaden, desto schöner der Ausblick zum Himmel."

 

Meldung 3: Evangelikale-Christen.in Kenia und Nigeria verstoßen, foltern, töten-ihre-eigenen Kinder, weil sie sie für »Hexen« halten. (Eine der schlimmsten Homo-demens-Erscheinungen unserer Zeit: Auf dem afrikanischen Kontinent findet seit gut einem Jahrzehnt - angeheizt von westlichen Predigern und getreu der biblischen Forderung »Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen!« - eine neue Hexenverfolgung statt, der bereits Zehntausende Kinder zum Opfer gefallen sind.)

Meldung 4: Palästinensische Frauen berichten voller Stolz, dass sie ihre Söhne schon im Kleinkindalter auf ein ruhmreiches Ableben als Sprengstoffattentäter vorbereiten. (Glauben Sie nicht, dass diese jungen Frauen ihre Kinder nicht lieben würden. Das Gegenteil ist der Fall: Sie wollen, wie alle guten Mütter, »nur das Beste für ihr Kind« - und etwas Besseres als Allahs Belohnung für einen Märtyrertod können sie sich einfach nicht vorstellen.)

 

In den Medien wird dieser alltägliche Glaubenswahn mit dem Begriff »Religion« umschrieben, Doch ist es gerechtfertigt, die Meisterleistungen, die im religiösen Kontext erfolgt sind (denken Sie nur an die wunderbaren Schöpfungen auf dem Gebiet der Musik, der Bildenden Kunst, der Architektur), mit dem unerträglichen Stuss in einen Topf zu werfen, der heute milliardenfach die Hirne vernebelt? Sollen wir wirklich die großen Mystiker der Weltreligionen (Zen-Buddhisten, Advaita-Hinduisten, islamische Sufis, christliche Mystiker wie Meister Eckhart usw.) mit jenen debilen Spinnern gleichsetzen, die auf der Basis veralteter Texte über unsere Gegenwart und Zukunft bestimmen wollen? Nein! Wir sollten lernen, zwischen der mystischen Verschmelzung mit dem Weltganzen’” und dem durch spinnerte Dogmen hervorgerufenen Durchbrennen aller Sicherungen im Oberstübchen zu unterscheiden. Religiöse Gefühle sind - so fair sollte man sein - nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit religiöser Idiotie, auch wenn das eine mit dem anderen häufig einhergeht.

 

Es geht im Buch aber nicht nur um Religioten, sondern auch um Ökonomioten und Politioten. Gut lesbare, kurze und treffende Überlegungen (denen man natürlich auch nicht in allen Details zustimmen muss), die man gut mal mitdenken kann.

 

Hier noch ein Audioausschnitt:

 

http://www.keine-macht-den-doofen.de/media/2012/01/KMdD-Homo_demens.mp3

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Kommentare: 2
  • #1

    C. (Donnerstag, 23 Dezember 2021 16:26)

    Ich las zum Beispiel erstmals im bekannten Zusammenhang mit mit Antibiotika vollgepumpten Schweinen (präventiv, obwohl es verboten ist), dass den Schweinen in ihrer kurzen Lebensspanne auf engstem Raum auch Psychopharmaka verabreicht werden müssen, weil sie sonst gar nicht die sechs Monate leben würden, die ihnen vor der Schlachtung bleiben. Kotz!

  • #2

    C. (Donnerstag, 23 Dezember 2021 16:38)

    http://www.keine-macht-den-doofen.de/
    Mit Link zur Homepage des Autors und runterladbarem Buchvorwort.