Vertrauen

"Glauben und Vertrauen gehören zusammen", sagte Rabbi Jakov ben Katz bei einer Lehrstunde, um dann unterschwellig mehrdeutig nachzuschieben: "Gewiss, gewiss..."

Ein Schüler erkannte die verdeckte Einladung, das Gesagte zu hinterfragen. Da aber alle anderen um ihn herum dem Rabbi zustimmend zunickten, traute er sich vorerst nicht, das auszusprechen, was im in den Sinn kam und auf der Zunge lag. Dem Rabbi entging das nicht und er verlängerte die gemeinsame Sitzung eine Weile, in der Erwartung, dass dieser Schüler sich doch melden würde.

Und tatsächlich platzte dem Schüler nach einiger Zeit seine Frage heraus: "Rabbi, wir glauben an unseren Herren, aber worauf sollten wir vertrauen? Lag doch in deinem 'Gewiss, gewiss...' eine diesbezügliche Andeutung, stimmt's?"

Sein Sitznachbar stieß ihm seinen Ellenbogen in die Rippen und sagte etwas ruppig: "Na, worauf denn? - Dass es alles gut wird!"

"Nein, das ist des Teufels!" hielt der Rabbi dem entgegen. Nun war die Verwirrung groß.

Der Rabbi aber fing an, eine Geschichte zu erzählen:

"Der Teufel ist gar sehr erpicht, die vielen armen Seelen einzusammeln. Dabei ist ihm jede List recht. So hatte er einmal einem frommen Juden eingeredet, dass das Vertrauen bedeutet, dass alles gut wird. Nun aber kam im Leben des Juden ein Elend nach dem anderen. Nichts wurde gut und nur wenig besser. Der Arme verlor dabei mit der Zeit nicht nur sein Vertrauen, sondern auch seinen Glauben. So trug das sich zu", beendete der Rabbi seine Geschichte.

Dann sagte er diesen Satz: "Wir müssen vertrauen, dass alles zu unserem Guten war, ist und sein wird. So hat der Teufel keinen Zugriff auf unsere Seele."

 

(Ruth Finder)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0