Rechtfertigung 21

170 Man kann weder die bösen Gedanken ohne ihre Ursachen noch die Ursachen ohne die Gedanken jemals besiegen, wenn man gegen sie Krieg führt: Haben wir nämlich das eine allein für sich von uns geworfen, werden wir nach nicht langer Zeit durch das andere in beide verwickelt.

171 Wer aus Furcht vor Drangsal und Beleidigung mit den Menschen kämpft, erfährt entweder hier in besonderer Weise durch Bedrängnisse Ungemach, oder er wird in der kommenden Zeit unbarmherzig gestraft.

172 Wer jeden bösen Angriff ausschließen will, muß durch das Gebet seine Angelegenheiten mit Gott in Verbindung bringen. Und er muß einerseits geistig an der auf ihn gerichteten Hoffnung festhalten und andererseits die Sorge um die sinnlich wahrnehmbaren Dinge nach Kräften unbeachtet lassen.

173 Wenn der Teufel merkt, daß sich jemand ohne Notwendigkeit mit den körperlichen Dingen beschäftigt, raubt er ihm zuerst den Siegeskranz der Erkenntnis. Darauf schlägt er ihm dann als das Haupt die Hoffnung auf Gott ab.

174 Findest du einmal einen festen Ort des reinen Gebetes, dann nimm die Erkenntnis der Dinge, wenn der Feind letztere in diesem Augenblick in dir aufsteigen läßt, nicht in dich auf, damit du nicht das Größere verlierst. Denn es ist besser, ihn mit den Pfeilen des Gebetes niederzuschießen, solange er irgendwo unten eingeschlossen ist, als dich mit ihm abzugeben, wenn er Schlechtes herbeibringt und darauf aus ist, uns vom Beten abzubringen, welches gegen ihn gerichtet ist.

175 Die Erkenntnis der Dinge nützt dem Menschen zur Zeit der Versuchung und Unlust. Zur Zeit des Gebetes aber schadet sie ihm gewöhnlich.

176 Hast du die Aufgabe erhalten, andere im Herrn zu unterrichten, und hört man nicht auf dich, dann laß es zu, daß du geistig mitgenommen wirst, doch laß dich nicht merklich in Erregung versetzen. Wenn du nämlich mitgenommen wirst, wirst du nicht zusammen mit dem Ungehorsamen verurteilt werden. Regst du dich jedoch auf, wirst du in derselben Angelegenheit versucht werden.

177 Im Augenblick der Darlegung verbirg nicht, was die Anwesenden angeht. Besprich das Gefällige genauer und das Harte in Rätsel gekleidet.

178 Ist dir jemand nicht unterstellt, so mache ihn nicht auf seinen Fehler aufmerksam. Dies ist nämlich mehr Aufgabe der Autorität als des Ratschlages.

179 Was in der Mehrzahl gesagt wird, gereicht allen zum Nutzen, da es jedem nach seinem Gewissen deutlich macht, was ihn betrifft.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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Kommentare: 2
  • #1

    R.G. (Sonntag, 12 Dezember 2021 07:55)

    Zu #174
    Hierzu ist der "Brief" der "Wolke des Nichtwissens" sehr hilfreich.

  • #2

    C. (Sonntag, 12 Dezember 2021 16:35)

    177 !?!