Rechtfertigung 19

153 Willst du Gott ein tadelloses Bekenntnis darbringen, so denke nicht bildhaft an deine Versäumnisse, sondern ertrage wacker ihre Angriffe.

154 Die Trübsal kommt durch die früher begangenen Sünden auf, da sie herbeiführt, was jedem Vergehen von Natur aus eigen ist.

155 Wer einsichtsvoll ist und die Wahrheit kennt, legt vor Gott nicht durch das Gedenken seiner Taten ein Bekenntnis ab, sondern durch das Erdulden dessen, was an ihn herankommt.

156 Hast du Mühe und Schmach abgeworfen, dann verkünde nicht, du vollzögest die Umkehr durch andere Tugenden. Der eitlen Ehrsucht nämlich und dem Trachten nach Schmerzlosigkeit ist es von Natur aus eigen, auch durch begrüßenswerte Dinge der Sünde zu dienen.

157 Wie nämlich Mühen und Schmähungen die Tugenden, so bringen gewöhnlich auch Annehmlichkeiten und eitle Ehrsucht die Laster hervor.

 

158 Jede Fleischeslust stammt von der bereits vorhandenen Schlaffheit. Schlaffheit jedoch wird von Mißtrauen Gott gegenüber erzeugt.

159 Wer sich in der Gewalt der Sünde befindet, der kann allein nicht Herr über die fleischliche Gesinnung werden. Darum ist für ihn der Reiz unauslöschlich und befindet sich in seinen Gliedern.

160 Jene, die vor Leidenschaften brennen, müssen beten und sich unterordnen. Denn selbst mit Hilfe anderer ist es nur mit Mühe möglich, gegen die eingesessenen Regungen Krieg zu führen.

161 Wer in Unterwürfigkeit und Gebet mit dem Willen ringt, ist ein Athlet mit einer guten Technik, da er den geistigen Ringkampf offenkundig durch das Absterben von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen an den Tag legt.

162 Wer den eigenen Willen nicht mit Gott aussöhnt, kommt durch die eigenen Unternehmungen zu Fall und gerät in die Hände seiner Gegner.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0