Altes Testament

Lese gerade "Gott - Eine Biographie" von Jack Miles, der das AT als literarisches Kunstwerk liest und untersucht. Und dabei vor allem den Hauptprotagonisten im Visier hat.

 

Eine Sache, die ich schon am Anfang recht abgefahren fand und die mir völlig unbewusst war, ist, dass das christliche AT und die hebräische Bibel zwar aus den gleichen Büchern bestehen, aber sich in der Anordnung unterscheiden.

 

Die hebräische Bibel ordnet an den Anfang die "Bücher des Handelns". Gott erschafft die Welt, leitet sein Volk, gibt Gebote, vernichtet Feinde etc. Danach kommen "Bücher der Rede" - die Propheten sprechen über Gott. Er spricht manchmal selbst, oder er wird direkt angesprochen. Danach, im Buch Hiob, wo Gott nochmals zu Wort kommt, wird er schließlich quasi von Hiob zum Schweigen gebracht und spricht danach nicht mehr. Es folgen die "Bücher des Schweigens" in denen Gott immer weniger auch nur erwähnt wird. Im Buch Ester kommt er gar nicht vor.

 

Das christliche AT hingegen schiebt die prophetischen Sammlungen (Jesaja, Jeremia, Hesekiel und die 12 kleinen Propheten ans Ende und lässt die "Bücher des Schweigens" in der Mitte. Ändert also die Reihenfolge zu Handeln, Schweigen, Reden.

 

Literarisch (und auch sonst?) gesehen schon ein wesentlicher Unterschied.

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