Rechtfertigung 18

150 Wer die Wahrheit erkannt hat, widersetzt sich nicht den bedrängenden Ereignissen. Denn er weiß, daß sie den Menschen zur Furcht Gottes führen.

151 Wurden die einstigen Sünden bildlich ins Gedächtnis zurückgerufen, schaden sie dem, der voll guter Hoffnung ist. Sind sie nämlich unter Betrübnis emporgestiegen, bringen sie ihn von der Hoffnung ab. Wurden sie dagegen ohne Betrübnis zu Bildern ausgeformt, legen sie ihren alten Schmutz hinein.

152 Wenn der Geist durch die Verleugnung seiner selbst die einfache Hoffnung erlangt, dann führt ihm der Feind unter dem Vorwand des Bekenntnisses seine früheren bösen Taten bildhaft vor Augen. Er möchte dadurch die durch die Gnade Gottes vergessenen Leidenschaften wieder aufleben lassen und dem Menschen unbemerkt schaden. Dann wird dieser nämlich - ist er doch entschlossen und haßt er die Leidenschaften - notwendigerweise in Dunkel gehüllt werden, da er aufgebracht ist wegen seiner Taten. Und ist er noch umnebelt und genußsüchtig, wird er auf alle Fälle bei den Eingebungen verweilen und sich mit ihnen leidenschaftlich abgeben, so daß sich die so geartete Erinnerung als eingesessene Regung zeigt, nicht als Bekenntnis.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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Kommentare: 1
  • #1

    C. (Donnerstag, 25 November 2021 19:04)

    151 - auf den Punkt!