Rechtfertigung 17

144 Etwas anderes ist die Kenntnis der Dinge und etwas anderes die Erkenntnis der Wahrheit. In dem Maß, wie sich die Sonne vom Mond unterscheidet, so sehr ist die zweite nützlicher als die erste.

145 Die Kenntnis der Dinge wird einem entsprechend der Verwirklichung der Gebote zuteil, doch die Erkenntnis der Wahrheit nach Maßgabe der Hoffnung auf Christus.

146 Willst du gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, dann versuche, stets das sinnlich Wahrnehmbare zu übergehen und allein durch die Hoffnung Gott anzuhangen. Denn wenn du dich auf diese Weise gegen deinen Willen abwendest, wirst du zwar merken, wie Fürsten und Gewalten dich durch ihre Angriffe bekriegen. Doch wenn du diese durch Gebet besiegst und voll guter Hoffnung bleibst, wirst du die Gnade Gottes besitzen, welche dich vor dem kommenden Zorn rettet.

147 Wer begreift, was vom heiligen Paulus in geheimnisvoller Weise gemeint ist, wenn er sagt, daß sich unser Kampf gegen die bösen Geister richtet, der wird auch das Gleichnis des Herrn verstehen, womit er sagen wollte, daß man allezeit beten und nicht nachlassen soll.

148 Das Gesetz gebietet bildhaft, sechs Tage lang zu arbeiten und am siebten zu ruhen. Denn die Arbeit der Seele besteht in der Wohltätigkeit durch Geld, das heißt Vermögen. Ihre Untätigkeit und Ruhe aber bedeutet, gemäß dem Wort des Herrn alles zu verkaufen und den Armen zu geben und, indem man durch die Besitzlosigkeit zur Ruhe gelangt ist, für die geistige Hoffnung frei zu sein. In diese Ruhe also mit eifrigem Streben einzugehen, dazu fordert uns auch Paulus auf, wenn er sagt: "Laßt uns eifrig danach streben, in jene Ruhe einzugehen!"

149 Doch wollten wir mit diesen Worten nicht die Zukunft ausschließen, noch wollten wir erklären, daß sich hier auf Erden die umfassende Vergeltung verwirklicht. Vielmehr meinten wir, daß man zuerst die Gnade des Heiligen Geistes im Herzen wirksam besitzen und auf diese Weise dementsprechend in das Himmelreich eingehen muß. Das tat auch der Herr kund, als er sprach: "Das Himmelreich ist in euch." Dies sagte auch der Apostel: "Der Glaube ist die Grundlage dessen, was man erhofft." Und wiederum: "Lauft so, daß ihr den Siegespreis gewinnt"; und abermals: "Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben steht. Oder habt ihr nicht erkannt, daß Jesus Christus in euch wohnt? Sonst hättet ihr als Gläubige versagt."

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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