Rechtfertigung 16

137 Freue dich nicht, wenn du jemandem Gutes tust, sondern wenn du ohne Groll die deine Tat begleitende Anfeindung erträgst. Denn wie die Nacht auf den Tag, so folgt die Bosheit auf die gute Tat.

138 Eitle Ehrsucht, Habsucht und Sinnenlust lassen nicht zu, daß die Wohltat unbefleckt bleibt, wenn diese nicht vorher durch die Furcht Gottes zu Fall gekommen sind.

139 In den unfreiwilligen Schmerzen ist das Erbarmen Gottes verborgen. Wer sie erträgt, den zieht es zur Umkehr und befreit ihn von der ewigen Strafe.

140 Manche, die die Gebote ausführen, meinen, daß diese auf der Waage mit ihren Sünden das Gleichgewicht halten. Manche aber machen sich durch sie den zum Freund, der für unsere Sünden gestorben ist. Muß man fragen, wer von ihnen das rechte Verständnis besitzt?

141 Die Furcht vor der Hölle und die Sehnsucht nach dem Himmelreich bringen das Ertragen der Widerwärtigkeiten hervor. Und dies nicht aus sich selbst, sondern durch den, der unsere Gedanken erkennt.

142 Wer bezüglich der kommenden Dinge Vertrauen besitzt, hält sich von den hiesigen Genüssen fern, ohne Verordnungen zu benötigen. Wer aber kein Vertrauen hat, wird genußsüchtig und gefühllos.

143 Sag nicht: "Wie soll denn der Arme dem Vergnügen ergeben sein, da er doch die Voraussetzungen nicht besitzt?" Es kann jemand nämlich auch durch seine Gedanken noch jämmerlicher dem Vergnügen frönen.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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