Lachen

Um sieben Ecken hatte der Teufel gehört, dass im Bethaus von Schargorod gar oft eine, naja, besondere Stimmung herrsche.

Wiederum aus erster Hand wusste der Schuft, dass es dort viel Leid durch die weltliche Ausgrenzung und Verachtung gab. Dazu auch Schwierigkeiten durch die Spaltung unter der Juden selbst und wegen der Unzulänglichkeiten jedes Einzelnen.

Unter "besonderer Stimmung" verstand er bedrückende Stille, sorgenvolle Gespräche, Klagen und Flüssen von Tränen.

Diesmal hatte er für sich ersonnen, als Wohltäter und Kümmerer einen großen Auftritt in der Gemeinde hinzulegen. Mit einer Riesenladung Taschentücher, die er großzügig unter den Leuten verteilen wollte, kam der falsche Trostspender in das Städtchen und ging schnurstracks zum Bethaus.

Schon von weitem vernahm er aber unangenehm berührt lautes und fröhliches Gelächter.

Seinen Ohren immer noch nicht trauend stürmte der Teufel in das kleine Häuschen. Zu seinem teuflischen Grausen erblickte er folgendes Bild: Der Rabbi Jakov erzählte lauter lustige Geschichten über sich selbst und verschonte neckisch auch manch anderen nicht. Die Gemeindemitglieder taten es ihm gleich. Es wurden krumm und kugelig Flüsse von Tränen gelacht. Es herrschte eine besondere Stimmung - fröhlich und ausgelassen.

Dabei hatte zuerst keiner den Teufel bemerkt. Aber als die Leute ihn da mit seiner ungläubigen Miene und mit dem Riesenstapel Taschentücher entdeckten, gab es kein Halten mehr.

Die Taschentücher wurden schnell herumgereicht und noch schneller von den Tränen, die man  lachte, so durchnässt, dass einige sie sogar auswringen mussten.

So hatten die Chassiden dem Teufel ein Schnippchen geschlagen, denn die Tränen, die man lacht, muss man nicht weinen.

(Ruth Finder)

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