Rechtfertigung 14

119 Wer die Leidenschaften haßt, räumt ihre Ursachen aus dem Weg. Wer aber auf die Ursachen erpicht ist, wird von den Leidenschaften selbst gegen seinen Willen bekriegt.

120 Wenn wir von den schlechten Gedanken getrieben werden, dann wollen wir uns und nicht der Erbsünde die Schuld daran geben.

121 Die Wurzeln der Gedanken sind die offenkundigen Laster. Sie verteidigen wir allemal mit Händen und Füßen und mit unserem Mund.

122 Man kann sich in Gedanken nicht mit der Leidenschaft abgeben, wenn man ihre Ursachen nicht liebt.

123 Denn wer gibt sich mit eitler Ehrsucht ab, wenn er Schande verachtet? Oder wer regt sich über Beleidigung auf, wenn er Geringschätzung liebt? Und wer billigt die Fleischeslust, wenn er ein zerschlagenes und verdemütigtes Herz besitzt? Oder wer sorgt sich oder kämpft um vergängliche Dinge, wenn er auf Christus vertraut?

124 Wer von jemand verworfen wird und weder mit Worten noch in Gedanken mit ihm streitet, der besitzt die wahre Erkenntnis und legt vor dem Herrn einen festen Glauben an den Tag.

125 Betrügerisch sind die Menschensöhne mit der Waage, um Unrecht zu tun, wo doch Gott jedem zukommen läßt, was recht ist.

126 Wenn weder der, welcher Unrecht tut, Überfluß, noch der, welcher Unrecht leidet, Mangel hat, dann lebt der Mensch fürwahr wie ein Schattenbild dahin und beunruhigt sich dazu vergebens.

127 Wenn du siehst, wie jemand bei vielen Beleidigungen betrübt wird, dann sollst du erkennen, daß er - mit Gedanken der eitlen Ehrsucht übersättigt - widerwillig die Garben erntet, die vom Samen seines Herzens herrühren.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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Kommentare: 4
  • #1

    C. (Freitag, 29 Oktober 2021 10:22)

    124 fällt uns sooo schwer! Und wir haben sooo viele Gründe dafür. Sooo gute Gründe!

    Und übrigens: Lässt sich die "wahre Erkenntnis" benennen?

  • #2

    R.G. (Samstag, 30 Oktober 2021 07:26)

    "Und übrigens: Lässt sich die "wahre Erkenntnis" benennen?"

    Schwer in Worte zu fassen, wenn man sie nicht hat. Ich versuche es mal so:
    Das Erkennen, dass alles, was uns auf unserem Entwicklungs-Weg "passiert" hilfreiche/notwendige Entwicklungsimpulse sind . Man muss das in Zusammenhang mit 125 sehen. Auf der persönlichen Ebene gibt es sehr wohl ungerechtes Verhalten, doch Gott in Seiner Weisheit, Allmacht und Liebe sorgt mit seinem göttlichen Plan dafür, dass all die vielen menschlichen Ungerechtigkeiten letztendlich absolut gerecht sind. Denn " er lässt jedem zukommen, was recht ist."

  • #3

    R.G. (Samstag, 30 Oktober 2021 07:40)

    Ergänzung zu #2:
    Das bezieht sich natürlich auch auf die Konsequenzen, die schlechtes Verhalten nach sich ziehen wird. Jeder von uns wird sich dafür an höchster Stelle verantworten müssen. Von daher dürfen wir uns nicht zum Richter über Andere machen. Wir KÖNNEN es gar nicht.

  • #4

    Ruth Finder (Sonntag, 31 Oktober 2021 09:07)

    zu 124:

    "Tatsächlich wollte die ursprüngliche Gemeinschaft, die uns den Sinn ihres Lebens, ihren Glaubens an Jesus Christus überliefert hat, weder überzeugen noch beweisen, sondern durch ihre Vitalität und Freude allein ein lebendiges Zeugnis ablegen. Wir wissen aus Fragmenten, dass der Geist Christi, der diese Gemeinschaft belebte, ihr eine solche Ehrfurcht einflößte, dass bei der Konfrontation mit anderen Ideologien keinerlei Bekehrungseifer festzustellen war. Christus existiert. Er ist lebendig, die Gemeinschaft existiert, sie lebt und wir wissen es. Wir bleiben frei." - Bruno Lagrange

    ( Aus dem Buch "50 Techniken der Meditation" von Marc de Smedt)