Rechtfertigung 10

87 Anmaßung und Stolz sind die Ursache der Gotteslästerung, doch Habsucht und eitle Ehrsucht jene der Herzlosigkeit und Heuchelei.

88 Wenn der Teufel sieht, daß der Geist von Herzen zu beten begonnen hat, dann bereitet er ihm gewaltige und arglistige Versuchungen. Kleine Tugenden nämlich möchte er nicht mit großen Angriffen aus dem Wege räumen.

89 Ein Gedanke, welcher lange Zeit währt, offenbart die Leidenschaftlichkeit des Menschen. Wird er aber rasch beseitigt, zeigt dies Kampf und Widerstand.

90 Drei geistige Orte gibt es, an die der Geist aufgrund einer Sinnesänderung gelangen kann: sie sind natürlich, übernatürlich und widernatürlich. Gelangt er an den natürlichen, findet er, daß er selbst an den bösen Gedanken schuld ist, und er bekennt Gott seine Sünden, da er die Ursachen der Leidenschaften genau erkennt. Wenn er aber an den widernatürlichen Ort gerät, vergißt er die Gerechtigkeit Gottes und kämpft gegen die Menschen, als ob sie ihm Unrecht zufügten. Wird er aber an den übernatürlichen Ort geführt, findet er die Früchte des Heiligen Geistes, von denen der Apostel sprach, nämlich Liebe, Freude, Friede usw. Und er sieht, daß er, wenn er den körperlichen Sorgen den Vorzug gibt, dort nicht bleiben kann. Und wer sich von jenem Ort zurückzieht, verfällt der Sünde und den furchtbaren Ereignissen, die sie begleiten - wenn nicht sofort, dann zur gegebenen Zeit, wie es die Gerechtigkeit Gottes zu fügen versteht.

91 Die Erkenntnis eines jeden ist insofern wahr, als sie Sanftmut, Demut und Liebe bekräftigen.

92 Jeder im rechten Glauben Getaufte empfing auf mystische Weise jegliche Gnade. Die volle Gewißheit der Gnade erlangt er künftighin jedoch entsprechend der Verwirklichung der Gebote.

93 Wird ein Gebot Christi nach dem Gewissen erfüllt, schenkt es Trost entsprechend der Menge der Qualen des Herzens. Jedoch stellt sich das eine wie das andere jeweils zum rechten Zeitpunkt ein.

94 Habe bei jeder Angelegenheit beständiges Gebet in dir, damit du nichts ausführst ohne den Beistand Gottes.

 

(aus Markos der Asket, 226 Kapitel über jene, die meinen, aus Werken gerechtfertigt zu werden)

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