Geheimnis

Man schaut nach ihm und sieht ihn nicht:

Sein Name ist: Gleich.

Man horcht nach ihm und hört ihn nicht:

Sein Name ist: Fein.

Man faßt nach ihm und ergreift ihn nicht:

Sein Name ist: Klein.

 

Diese drei kann man nicht trennen,

sie sind vermischt und bilden Eines.

 

Sein Oberes ist nicht klarer,

sein Unteres ist nicht trüber.

Grenzenlos quellend,

man kann ihn nicht nennen,

er reicht zurück ins Nicht-Wesen.

 

Das ist es, das gestaltlose Gestalt heißt,

und das bildloses Bild heißt.

Das ist es, das Unsichtbarkeit heißt:

Ihm entgegenkommend sieht man nicht sein Antlitz,

ihm folgend sieht man nicht seine Rückseite.

 

Wer erfaßt den SINN des Alten,

kann damit beherrschen das Sein des Heute

und kann die Uranfänge erkennen:

Das ist des SINNS durchgehender Faden.

 

(Tao Te King 14)

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Kommentare: 1
  • #1

    Lao Tse (Dienstag, 13 Juli 2021 19:01)

    Die vor alters tüchtig waren als Meister,
    waren im Verborgenen eins mit den unsichtbaren Kräften.

    Tief waren sie, so daß man sie nicht kennen kann.

    Weil man sie nicht kennen kann,
    darum kann man nur mit Mühe ihr Äußeres beschreiben.

    Zögernd, wie wer im Winter einen Fluß durchschreitet,
    vorsichtig, wie wer von allen Seiten Nachbarn fürchtet,
    zurückhaltend, wie Gäste,
    einfach, wie unbearbeiteter Stoff,
    weit waren sie, wie die Tiefe,
    undurchsichtig waren sie, wie das Trübe.

    Wer kann wie sie das Trübe durch Stille allmählich klären?
    Wer kann wie sie die Ruhe durch Dauer allmählich erzeugen?

    Wer diesen SINN bewahrt,
    begehrt nicht Fülle.
    Denn nur weil er keine Fülle hat,
    darum kann er gering sein,
    das Neue meiden
    und die Vollendung erreichen.

    (Tao Te King 15)