Geistiges Gesetz 11

87 Jeder Gedanke hat bei Gott Maß und Gewicht. Man kann nämlich ein und dasselbe leidenschaftlich erregt oder nüchtern erwägen.

88 Wer ein Gebot erfüllt hat, der warte auf die dafür eintretende Versuchung. Die Liebe zu Christus wird nämlich durch Widerwärtigkeiten geprüft.

89 Werde niemals übermütig durch Nachlässigkeit der Gedanken. Bei keiner Erwägung nämlich kann Gott vergessen werden.

90 Merkst du, daß dir ein Gedanke menschlichen Ruhm anempfiehlt, dann erkenne klar, daß er dir Schande verschafft.

91 Der Feind kennt die Gerechtigkeit des geistigen Gesetzes und sucht nur die Zustimmung im Geiste. So wird er nämlich den, den er in seiner Gewalt hat, entweder den Mühen der Umkehr unterwerfen oder, wenn er nicht umkehren will, ihm durch unliebsame Angriffe Schmerz bereiten. Manchmal bringt er ihn auch dazu, sich den Angriffen zu widersetzen, um hier auf Erden seine Schmerzen zu vergrößern und ihn bei seinem Tod vor Gott als treulos hinzustellen wegen seiner fehlenden Standhaftigkeit.

92 Schon viele haben sich heftig dem widersetzt, was auf sie zukam. Doch ohne Gebet und Umkehr ist noch niemand einer Gefahr entronnen.

93 Beim Bösen bekommt eines Kraft vom andern; genauso wird das Gute gegenseitig gefördert. Und den, der daran Anteil hat, bringt es immer mehr vorwärts.

94 Die geringen Sünden verharmlost der Teufel. Anders nämlich kann er einen nicht zu größeren Missetaten führen.

 

(aus Markos der Asket, Zweihundert Kapitel über das geistige Gesetz)

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Kommentare: 5
  • #1

    R.G. (Donnerstag, 01 Juli 2021 16:05)

    Was sagt ihr zu #91?

  • #2

    R.G. (Freitag, 02 Juli 2021 06:49)

    #91
    Vielleicht spricht er hier von dem Zwiespalt, der entsteht, wenn die innere Wandlung der äußeren nicht entspricht, also die Wandlung sozusagen nur im Äußeren stattfindet. So wie wir es oft bei religiösen Menschen sehen können.

  • #3

    C. (Freitag, 02 Juli 2021 10:32)

    #91: Münzen wir das mal auf das Karmagesetz... und auf den in der Philokalie angesprochenen Mechanismus, dass gute Taten weitere gute Taten nach sich ziehen und schlechte Taten weitere schlechte Taten.

    Übersetzungsvorschlag: Der Feind kennt die Mechanismen im Spannungsbogen AP/HS/Gott, darum sucht er nur Zustimmung im Geiste, denn er weiß, dass damit in der Regel auch die Emotion und die Tat quasi automatisch folgen. Der, den er geistig im Griff hat, muss entweder die "Mühen der Umkehr" auf sich nehmen - also den Geist disziplinieren und das Durchsickern der negativen Elementale via Emotion zur Tat vermeiden - oder er wird ihn, wenn er nicht umkehrt und ins negative Tun einsteigt (fällt), dem Mechanismus des "schlechtere Taten folgen schlechten Taten" aussetzen und damit auch dem karmischen Gegenwind - ihm durch unliebsame Angriffe Schmerz bereiten (die der Feind noch nicht einmal selbst ausführen muss). Er bringt sein Opfer weiterhin noch gelegentlich dazu, sich den aufweckend, mahnend, zur Rückbesinnung aufrüttelnden karmischen Konsequenzen seines Tuns auch noch zusätzlich zu widersetzen (bockig zu werden), statt sie demütig auf sich zu nehmen und von seinem üblen Tun abzulassen. Dadurch schlägt der Feind zwei Fliegen mit einer Klappe: Er vermehrt die Schmerzen seines Opfers auf Erden (da sich der karmische Druck ja weiter erhöhen wird) und kann es dann nach dem Tod vor Gott zudem noch als (doppelt) treulos hinstellen, da er dem mahnenden Leid gegenüber weder standhaft war, noch eben bereit, den mahnenden Charakter zu erkennen und als Chance zu ergreifen.

  • #4

    R.G. (Freitag, 02 Juli 2021 10:43)

    Sehr hilfreiche Deutung!!!

  • #5

    Ruth Finder (Freitag, 02 Juli 2021 17:09)

    #2 und #3 sind aus meiner Sicht treffend und ergänzen einander gut. Ich möchte aber etwas bemerken.

    Es kann nicht im Interesse des Feindes (AP) sein, dass jemand sich auf den Weg der Umkehr begibt. Es kann aber passieren, dass einer das unter bestimmten Umständen doch macht. Nun ist die AP für ihre Integrationsfähigkeit - oder eher ihr "Einverleiben" des Geschehens - "bekannt". Um einen weiterhin in seiner Gewalt zuhaben, "verkopft" (nur bloße Erkenntnis, nur Gedanken) der Feind das Ganze. Dabei wird das Herz vernachlässigt, das für Leichtigkeit, Freude, Zuversicht, Vertrauen, Demut, Glaube steht (dass die Erkenntnis UND das Herz zusammen gehören, zieht sich als roter Faden durch das Werk des Markos des Asketen. Man könnte sagen, dass dem geistigen Gesetz eine gerechte/ausgewogene Zusammenwirkung des Herzens und des Versandes innewohnt). Als Resultat hat man das Gefühl, die Umkehr unfreiwillig mitzumachen (sich dieser unterwerfen zu müssen) und hat meistens nur die Mühen des Weges (die es klar gibt) im Blick. Schwermut ist die Folge. Da hat der Feind einen nun wirklich "im Griff".

    Dazu eine Geschichte:

    Frei von

    Einmal fragte man Rabbi Jakov ben Katz, welche Stufen des Dienstes es gäbe.
    Er antwortete: "Ich weiß von dreien davon. 'Ich muss' - das ist die Stufe der Lehre - ist die erste. 'Ich will' - das ist die Stufe der Erkenntnis - ist die zweite. Die dritte Stufe enthält weder 'muss' noch 'will', sie ist frei davon. Das ist die Stufe des Einsseins des Dienenden mit dem Bedienten und mit dem Dienstherren."
    "Welche Merkmale haben die jeweiligen Ebenen?" kam die nächste Frage.
    Der Rabbi gab zur Antwort: "Die erste Ebene ist die Ebene der inneren Kämpfe. Angst und Hoffnung, Zwang und Aufbruch, Sich-Auflehnen und Sich-Fügen, Unwissen und Verständnis sind einige ihrer Bestandsteile. Die Zweite ist von Entschlossenheit und Inspiration begleitet, man hat begriffen und ist ergriffen. Die dritte Ebene ist voller Freude - der stillen Freude eines befreiten Dienenden."