Das (berühmte) Tanzen der Meister (so wie ich es verstehe)

Den Begriff des "Tanzens der Meister" hat, denke ich, Clemens ins Spiel gebracht. Das haben wir im Kreis übernommen. Der Begriff ist, aus unserer Sicht, eine passende Umschreibung, wie die Meister in der Welt agieren. So gesehen, könnte man "berühmt" als Bewunderung verstehen.

"Das Tanzen" wäre dann die Fähigkeit, in (fast?) jeder Situation zur jeder Zeit das Richtige/ das Angemessene aus der umfassenden Schau zu tun. Hier ist auch die Geschicktheit der Mittel sehr ausgeprägt: Zum Beispiel in einer ähnlichen Situation unterschiedlich vorzugehen oder in unterschiedlichen Situationen ähnlich ("Dann ist es sogar möglich, dass der äußere Weg kreuz und quer beliebig verläuft, weil jetzt tiefste Zusammenhänge ihre Berücksichtigung finden." - Rudi)

Wie könnte dieser "Tanz" aussehen:

- unmittelbar, aber nicht chaotisch
- anpassungsfähig, aber ohne die eigene Identität zu verlieren
- führend, aber nicht dominant/herrschend
- mit Leichtigkeit, aber nicht leichtsinnig
...und noch vieles vieles mehr

Man könnte sich fragen, ob z.B. auch "das Jonglieren" für den Begriff taugen könnte - sieht auch sehr geschickt aus. Nur, das Tanzen ist viel dynamischer, komplexer. Das Tanzen nutzt viel mehr den Raum aus, ist interaktiv und baut Beziehungen auf. Und Tanzen ist Freude. Alle Meister sind zu jeder Zeit voller Freude.

Letzendlich tanzen die Meister nicht - sie sind der Tanz selbst.

Wer schon einmal die Meisterschaften der Profitänzer gesehen hat (ich habe das eine Weile auf der Tube mit Begeisterung gemacht), der könnte sich in der Analogie den Unterschied zwischen den tanzenden Meistern und Schülern vorstellen. Die Schüler treten sich beim "Tanzen" auf die Füße, stoßen sich gegenseitig mit den Köpfen, verlieren den Rhythmus und einander aus den Augen usw. Also - sie sind noch tolpatschig und ungeschickt. Ja, die Geschicktheit der Mittel/ das Tanzen muss gelernt werden. Die Verschmelzung der Erkenntnis mit dem Sein muss noch erlangt werden.

Aber immerhin, haben wir uns auf die Tanzfläche getraut!

 

(Ruth Finder)

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Kommentare: 2
  • #1

    Rudi (Montag, 20 April 2020 18:53)

    Liebe Ruth,
    danke für die Erklärung. Jetzt verstehe ich deinen Beitrag noch besser.

  • #2

    Blog (Dienstag, 21 April 2020 20:33)

    Tanz - 18. März 2015

    Für den Meister gibt es nichts Schöneres, als zu sehen, wie der Schüler nach langen vergeblichen Mühen endlich beginnt zu tanzen. Auch für den wahrhaft strebenden Schüler gibt es nichts Schöneres. Objektiv betrachtet ist es anfangs ein unbeholfener, unendlich langsamer Tanz.