Alttestamentarisch - 18. Oktober 2014

Im alttestamentarisch harten Kontext bedeutet der Spruch: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten." (Bibel, AT, Hosea 8,7) genau das, was wir gemeinhin darunter verstehen: Wer einen kleinen Verstoß begeht, wird dafür mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Oder weniger drastisch: Kleine Sünde - schwere Strafe.

 

Auf das Wirken des Karmagesetzes hier auf der Erde bezogen ist das natürlich Unsinn. Wäre dem so, so stünde hier schon lange kein Stein auf dem anderen. Nur wenn man den Spruch positiv versteht, macht er karmisch Sinn. Also: Wer ein klein wenig Gutes tut, bekommt dafür eine volle Portion Segen!

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Kommentare: 6
  • #1

    Susanne (Samstag, 04 April 2020 20:42)

    Nun, man könnte es mit dem AT relativieren, wenn man die Sätze weiter ausführt: „Ja, Wind säen sie, und Sturm ernten sie. Ein Halm, der nicht sprosst, bringt kein Mehl. Selbst wenn er (etwas) brächte, würden Fremde es verschlingen.“ (Hosea 8, Vers 7 Elberfelder Bibel).
    Gehen wir davon aus, dass auch gerade zur damaligen Zeit die Menschen (noch viel) unwissend(er) agierten und sich ihrer unguten Handlungen nicht bewusst waren (was ihre Handlungen nicht entschuldigt), ist das, was sie im Außen empfingen (was äußerlich wirkte), aus ihrer Perspektive gesehen/empfunden wahrscheinlich ein Sturm gewesen.

  • #2

    R.G. (Sonntag, 05 April 2020 06:48)

    Als Ergänzung zu #1:
    Aus Sicht der AP scheint doch die Reaktion der Anderen oder der Umwelt fast immer ein Sturm und somit völlig unangemessen zu sein, während sie selbst nur - wenn überhaupt - ein Windchen gesät hat.

  • #3

    Susanne (Sonntag, 05 April 2020 14:28)

    Wie wahr, wie wahr - der liebe Schein^^.
    Ganz lieben Dank für die Ergänzung! Sowas mag ich sehr, weil es mich zu weiteren Gedanken anregt und neue Ideen bringt. Du hast es schön formuliert mit "scheint". Ja, aus dieser Sicht scheint es so. Bei der lieben AP erscheint vieles als Schein^^. Dazu fiel mir etwas ein:
    Wenn man die AP als vollkommenen Ausdruck des HS in den Trennungswelten betrachtet, was mir ein guter Lehrer beigebracht hat^^, dann würde ich meinen, dass sie recht selten bis gar nicht völlig unangemessen handelt. An was gemessen unangemessen? Ich meine damit nicht offensichtlich unangemessen wie: Jemand reißt mir die Tasche vom Leib und ich bedanke mich herzlich dafür, gebe ihm ein Bussi und verabschiede mich brav. Obwohl, was wäre daran unangemessen, wenn ICH es angemessen finde?^^ Nein, für mich wäre es in dem Fall nicht angemessen. Die darauffolgende Reaktion wäre jedoch spannend. Das Gegenüber erwartet ja regelrecht eine bestimmte Haltung.
    Wenn ich diesen Kreislauf durchbreche und ihn aus seinen gewohnheitsmäßigen Mustern jage, vielleicht noch erkennen konnte, was er wirklich braucht und geschickt darauf eingehe, habe ich zumindest schon einmal etwas unterbrochen, was sonst seinen bekannten Lauf genommen hätte und die darauffolgenden Reaktionen können erstaunlich sein. Funktioniert in der Regel.
    Da fällt mir gerade eine Geschichte dazu von Jack Kornfield ein (vielleicht kennst Du sie):
    "[Es] erzählt die Geschichte von Phil, einem New Yorker, der sich jahrelang in der Praxis der liebenden Güte übte. Eines Abends traf er in einer schmalen, dunklen Seitenstraße im Vergnügungsviertel Soho auf einen verstrubbelten, bärtigen Mann mit schmutzig-blondem Haar. Dieser richtete eine Pistole auf Phil und verlangte sein Geld. Phil trug mehr als 600 Dollar bei sich. Diese händigte er dem Mann aus. Doch der Mann ließ die Pistole vor Phils Nase auf und ab tanzen und wollte mehr. Phil, der Zeit gewinnen wollte, gab ihm seine Kreditkarten, dann seine gesamte Brieftasche. Der Mann sah aus, als stünde er unter Drogen. Mit schwerer Zunge lallte er: "Ich knall dich ab, Mann." Phil sagte: "Nein, warte. Hier ist meine Uhr. Es ist wirklich eine sehr teure Uhr." Damit reichte er dem Mann die Uhr. Dieser wedelte mit der Pistole und sagte nochmals: "Ich knall Dich ab, Mann." Irgendwie schaffte Phil es, ihn voll liebender Güte anzusehen. Dann sagte er: "Du musst mich nicht abknallen. Du hast einen Superjob gemacht. Du hast fast 700 Dollar erbeutet, ein paar Kreditkarten und eine sehr teure Uhr. Du musst mich nicht erschießen. Du hast deine Sache gut gemacht." Verwirrt sah ihn der andere an und ließ langsam die Pistole sinken. "Ich habe es gut gemacht?", fragte er ungläubig nach. "Ja, wirklich super. Geh und erzähl deinen Freunden, dass du es toll hingekriegt hast." Verwirrt schüttelte der Straßenräuber den Kopf und ging davon, wobei er leise vor sich hin sagte: "Ich habe es gut gemacht.""
    Was wäre, wenn die Reaktion das ist, was man aussendet oder unbewusst einfach die Erwartung des anderen "erfüllt"? Schwingt auf irgendeiner Ebene der AP nicht doch als Wind etwas mit, dass sich dann in Form eines Sturmes, individuell verschieden nach der Art des jeweiligen Menschen, als Reaktion ergibt? So unangemessen das erscheinen mag.
    Es tut sich mir hier aus eigener Erfahrung auf, die natürlich subjektiv ist. Ich würde meinen, das zu bekommen, was ich tatsächlich aussende. In früheren Jahren war das nicht immer das, was man sich erhofft oder gewünscht hat, aber was nötig war und gebraucht wurde. Ist es jetzt auch, aber im Positiven das, was benötigt wird. WIE es zurückkam, dass ist nicht unsere Verantwortung. Also was ein anderer sagt und tut, ist seine Verantwortung mit allen Konsequenzen. Das "Unangemessene" wäre in dem Fall sein Thema, sofern er es überhaupt so empfindet. Aber das, WAS es mit mir macht, wenn es was mit mir macht und so lange es etwas mit mir macht, in welcher Form auch immer, ist ausschließlich MEIN Thema und Verantwortung.
    Nach dem, was und in welcher Form mir mittlerweile "Dinge" begegnen, kann ich für mich sagen, dass ich tatsächlich im Negativen früher selbst gesät habe und dafür die Ernte empfing, auch wenn man GLAUBTE, etwas gutes gesagt oder getan zu haben.
    Wenn mir heute scheinbar unangemessene Reaktionen begegnen sollten, ordne ich diese Reaktionen in den Kontext der Art des Menschen ein und belasse sie dort, weil es nichts mit mir macht und demnach auch nichts mit mir zu tun hat. Ein Widerspruch zum oben Gesagten? Nein, nur nicht die Sichtweise und Aktion der AP, bei der diese Reaktionen, glaube ich, schon einen Sinn machen.
    Ausgeschlossen wären für mich die Reaktionen von Psychopathen oder Soziopathen. Da spielt die "Saat" eine untergeordnete Rolle. Das ist keine Wertung, sondern ernst zu nehmende Krankheiten.

  • #4

    R.G. (Dienstag, 07 April 2020 11:06)

    Die AP ist der DERZEITIGE Ausdruck des HS in den Trennungswelten, von Vollkommenheit weit entfernt. Durch Ausrichtung und dem Prozess des steten Bemühens dieser Ausrichtung zu folgen (Weg-Arbeit), wird unser Ausdruck (AP) dem HS immer etwas mehr entsprechen.
    Nur weil ich genau weiß, wie ein vollkommener Handstand aussieht, bin ich noch lange nicht in der Lage, diesen auch genauso vollkommen umsetzen, also zum Ausdruck bringen zu können. Das gelingt nur durch kontinuierliche Übung und Aufmerksamkeit.

  • #5

    R.G. (Dienstag, 07 April 2020 11:16)

    Und was das "herausreißen" aus alten Mustern angeht:
    Da haben wir wohl genug damit zu tun, bei uns selbst die alten Muster zu erkennen und uns daraus zu befreien.^^ Von daher hätte die Reaktion des Anderen insofern auch mit uns etwas zu tun, als dass wir sie als Hinweis nutzen können, in uns selbst zu forschen. Und da ist ja immer Luft nach oben...
    Mal ganz abgesehen davon, dass wir nie sicher wissen, was der Andere denn erwartet und was er gerade für seine Entwicklung benötigt...

  • #6

    Simon (Dienstag, 07 April 2020 14:33)

    "Wer Wind sät, wird Sturm ernten."
    Diesen Satz in einem gängigen Alttestamentarischen Sinne zu verstehen, erscheint mir (auch) unrichtig.
    Multikausalität, Nichtlinearität, Relativität, dies sind Begriffe, die mir dazu einfallen.
    Die Konsequenzen unseres Handelns entwickeln bzw. verwickeln sich zu einer unüberschaubaren Vielfalt.
    Ursache und Wirkung lässt sich nur in einem kleinen Kontext nachvollziehen.
    Ob es ein Sturm im Wasserglas oder einen Tsunami verursacht, wissen wir häufig nicht.
    Was wir tun können, ist daran zu arbeiten, welchen Inhalt der Wind sät.
    Den Rest regelt der Cheff

    „ Mein Gott, es ist voller Sterne.“
    (2001, Stanley Kubrick)