Sehr nützliche Kapitel V

Unverdorben wurde der Mensch gebildet und ohne leidenschaftliche Körpersäfte, so wie er auch auferstehen wird; nicht unwandelbar jedoch und andererseits auch nicht wandelbar, denn er besaß die Kraft der willentlichen Haltung, sich zu wandeln oder nicht. Der Wille nämlich bewirkt für die Natur keine vollständige Unwandelbarkeit. Diese ist ja der Siegespreis der künftigen unwandelbaren Vergöttlichung.

 

(Gregorios der Sinaite, "Sehr nützliche Kapitel", Kapitel 8)

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Kommentare: 4
  • #1

    Clemens (Donnerstag, 02 April 2020)

    Unverdorben sind wir erstmals zum Erlangen der Zusatzqualifikation Mensch in die Trennungswelten eingetreten - zwar schon mit "Körpersäften", aber ohne, dass diese schon durch Leidenschaften (!) entzündet waren. Ebenso werden wir einst unsere Zusatzqualifikation Mensch erlangen: Wieder unverdorben in den Trennungswelten wandeln könnend und ohne von leidenschaffendem Ergreifen aus der Bahn geworfen werdend.

    Bis dahin sind wir eben NICHT unwandelbar. Wir fallen und steigen auf durch den anfangs "verderbenden" Prozess der Ver-Wicklung und der Ent-wicklung. Gleichzeitig sind wir aber ob unserer göttlichen Wesensnatur UNwandelbar. BEIDES können wir sein, aufgrund unseres freien Willens. Ja, sogar beides gleichzeitig in gradueller Mischung. Der Wille erst macht den Fall aus der anfänglichen Unverdorbenheit möglich. Er macht uns frei und wegen unseres Unwissens neigt er dazu, uns zu verderben. Der Wille unterscheidet uns vom Tier. Das Tier kann nicht verdorben oder böse sein. Es verbleibt in seiner vollständig unwandelbaren Natur.

    Der "Siegpreis" - die Zusatzqualifikation - ist unwandelbare Gottgleichheit, aber eben individuiert durch unseren Weg durch die Trennungswelten. Mehr geworden, als das anfängliche Erzengelwesen.

  • #2

    Susanne (Samstag, 04 April 2020 21:06)

    Hhhhhmmm, wenn ich den Text richtig verstehe, sagt er genau das aus, was Du schreibst. Das Einzige, wo ich etwas einschränke, ist der Satz: "Es verbleibt in seiner vollständig unwandelbaren Natur." Du schriebst es in Bezug auf das Tier. Ja, es hat keinen Willen, dennoch ist es nicht unwandelbar, denn auch diese unterliegen genau wie Pflanzen, Steine, Mineralien den Evolutionsvorgängen mit ihren Einweihungen. Der einzige Unterschied ist eben der von Dir beschriebene: Nicht bewusst, weil sie keinen eigenen Willen haben.

  • #3

    Clemens (Sonntag, 05 April 2020 08:15)

    Ja, der Begriff der "vollständigen Unwandelbarkeit" ist auch eines von den "starken" Worten. Hundertprozentigkeiten gibt es nicht.

    Die stofflichen und Vehikel für die Erzengelwesen, die den Zusatzqualifikationsgrad Mensch erlangen wollen, werden über jahrmillionen- oder gar jahrmilliardenlange Evolutionsprozesse via Mineral, Pflanze, Tier bereitgestellt. Nicht, indem Gott einen Klumpen Lehm nimmt, und ihm Leben einhaucht - das ist nur eine aus Unwissen (oder Eile?) entstehende Verkürzung.

    Die Bereitstellung funktioniert aber nur, wenn sich nicht auch spätestens im Tier alle Anlagen entwickelt haben. Die noetische Ebene zu erkennen, drängt sich bei einigen Tieren ziemlich auf: Haustiere wie Hund und Katze, gewisse Primaten, gewisse Vögel und auch Kraken liefern anscheinend durchaus Bewusstseinsleistungen.

    Wir können bei diesen "Tieren" entsprechend schon "Inkarnationen" von Höheren Selbsten" annehmen. Was ein ziemlich interessanter Gedanke ist, finde ich. Die Betrachtung "Person" in den Kreisgedanken (ab S. 26) widmet sich dem der animalischen Ebene (AE) zu- oder abgewandten HS, bzw. den im Dienste der AE stehenden höheren Bereiche der AP.

    Bei "niederen" Tieren (welche das sind können wir bestenfalls mit Ungenauigkeit entscheiden) wäre die noetische, bewusstseinstragende Ebene unausgeprägt und entsprechend keine Basis für Erzengelinkarnationen der oben beschriebenen Weise gegeben. Es ist nichts da, was sich quasi von sich selbst absehen könnte. Hier steht die psychische Ebene des Tier-Individuums quasi unwandelbar im Dienste der animalischen Ebene.

  • #4

    Susanne (Sonntag, 05 April 2020 09:04)

    Och menno. Jetzt hast Du mir etwas vorweggenommen, was mir noch dazu einfiel und mich beschäftigte. Ich stell es trotzdem mal rein, weil es den Begriff "Natur" an sich betrifft.^^
    Unabhängig davon:
    Ja, kann ich genauso mittragen und habe noch einmal im Buch nachgelesen, dass wir auch wirklich beieinander sind. Spinnen wir den Faden mal nebulös weiter. Aus heutiger Sicht ja. Wer weiß, ob in Äonen von Jahren nicht ein Bewusstseinsaspekt im Tier entsteht, der meines Erachtens nur mit gegebenem eigenen Willensausdruck funktionieren kann, ohne "durchzudrehen"^^.

    Nun die Gedanken zur Natur an sich:
    Ich treib mal ein kleines Gedankenspielchen bezüglich der vollständig unwandelbaren Natur und demgegenüber keine vollständig unwandelbare Natur.
    Bei der Formulierung aus dem Ursprungstext kommen wir natürlich in Bereiche des „absoluten“ Standpunktes, wenn von VOLLSTÄNDIG die Rede ist in Form von „Woher können wir das wissen?“. Aber wir sind ja reichlich gesegnet mit Phantasie und Kreativität. Nutzen wir das mal.
    Rein hypothetisch wäre absolut gesehen hier auf Erden NICHTS vollständig unwandelbarer Natur. Warum? Faktor Mensch mit dem Willen kann jegliche Natur eines Tieres, einer Pflanze, eines Steines AB-ARTIG nach seinem Gutdünken manipulieren. Wissen wir, ob es im göttlichen „Plan“, also in seiner vorherbestimmten Veränderung liegt, also noch seiner evolutionär göttl. Natur entspricht oder nicht? Wo wir es gut beobachten können, dass es sehr wahrscheinlich nicht in göttlicher Natur liegt, sind z.B. Genmanipulation – Hybride. Hier wird es uns durch Resistenzen oder auslösend krankmachende Erscheinungen (wenn Mensch es verzehrt) gezeigt. Aber selbst dann IST erst einmal ein veränderter Wesensnaturaspekt im Wesen entstanden, welches wahrscheinlich nicht der ursprünglichen Natur entspricht aus unserer Erdsicht, denn aus höherer Perspektive ist absolut gesehen nichts ohne Führung und Lenkung.
    Gehen wir mal weiter zum Tier.
    Ich möchte so greifbar wie möglich bleiben. Nehmen wir ein beliebiges Haustier. Nun beginnt der Besitzer, es zu erziehen/zähmen. Das kann auf gute und ungute Weise geschehen. Gut wäre nach meinem subjektiven Empfinden eine dem Charakter des Tieres entsprechende Ausrichtung ohne Eigeninteressen und hier müsste man auch schon zwischen z.B. zwei Katzen unterscheiden, wo keine der anderen gleicht, nicht nur im Aussehen sondern auch Verhalten. Wenn aufgrund nicht befriedigter Bedürfnisse eines Menschen diese auf das Tier projiziert und es dementsprechend erzogen wird, verhält es sich nach einiger Zeit nur noch eingeschränkt „artgerecht“. Es erfährt in seinem Wesen eine Änderung, die seiner ursprünglichen Natur nicht mehr entspricht, weiter gesponnen auch nicht mit reiner Instinktnatur allein erklärbar scheint, also eine gewisse Intelligenz voraussetzt. Es erfährt je nach Charaktertyp seine ganz individuelle Ausprägung.
    Oder vielleicht doch nicht? Ist diese Änderung als Entwicklung vielleicht doch natürlich?
    Das bringt uns jedoch dazu, sich eventuell einzugestehen, dass hier auf Erden alles wandelbarer Natur SEIN KANN angetrieben durch den Faktor Mensch. Jedoch nur im Rahmen der natürlichen Grenzen wandelbar ohne ungute Folgen. Wir können meines Erachtens nichts werden, was wir nicht schon sind. Lediglich die Stufe/Ebene wechseln.

    Dann drehen wir uns jetzt noch einmal herum und könnten sagen: Nichts ist in seiner Natur wandelbar, lediglich die Stufe/Ebene seiner Entwicklung bestimmt in diesem Rahmen seine Veränderung mit dem jeweiligen individuellen Ausdruck.