Meister Brombeere schreibt an Bruder Hyazinth

Du schriebst mir von einem "nagenden Gefühl, das Leben immer noch nicht so erfüllt zu leben, wie das, wofür Du angetreten bist". Dazu Folgendes - Du weißt es selbst schon, aber ich möchte es nochmal benennen. Du nennst es "überhöhte Ansprüchlichkeit". Hohe Ziele und gleichzeitiges Dem-Nicht-Genügen. Das ist ja ein klassisches - hier wohl mehr spirituelles als psychologisches - Dilemma. Wir sagen dazu: Ohne tiefes, inneres Erfahren und Anerkennen des (ganz einmalig individuellen - also in aller Deutlichkeit auch nur von Dir selbst erfahrbaren und benennbaren) Punktes auf dem Weg, an dem Du Dich befindest, kann es auch letztlich kein Beschreiten des Weges geben.

Was wir hingegen oft für das Beschreiten des Weges halten, sind nur Vorstellungen. Ich meine jetzt nicht, dass wir uns ohne Weiteres von jetzt auf gleich von Vorstellungen befreien können, aber anzuerkennen, dass wir Vorstellungen haben - genauso wie wir Ausweichmanover einschummeln und Übersprungshandlungen begehen - gehört schon zum Annehmen des Ausgangspunktes.

 

Ob wir diese Dinge schneller oder langsamer erfahren und erkennen, spielt keine Rolle. Es ist immer die einzige Realität, von der wir ausgehen (den Weg beschreiten) können. Vergleiche, Sehnsüchte, "überhöhte Ansprüche" existieren. Sind aber, wenn wir sie auf die rechte Weise nehmen, zugleich abwegig und eben Ausgangspunkt. Das ist schwer zu fassen. Aber ohne das gibt es - außer über den leidvollen Karmapfad - keinen Fort-Schritt.

"Bewußtsein darf sich immer noch mehr entwickeln." - Stimmt, wenn es nicht ver-wickelter ist, als wir glauben wollen.

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Kommentare: 1
  • #1

    R.G. (Donnerstag, 26 März 2020 07:36)

    Auch hier wieder: ohne Innenschau geht nichts.
    Aber auch nicht ohne Selbst-Mitgefühl...