Apophtegmatisches Schlusswort

Mit dem letzten Apophthegma ist die Altväterüberlieferung erstmal abgegrast. Zu sagen wäre noch Folgendes:

 

Es gibt eine Vielzahl von Sprüchen. Etliche davon sind grundsätzlich nicht falsch. Sie erschienen mir nur vom Nachdenkwert nicht besonders herausragend. Klar kann man sich auch fruchtbare Gedanken darüber machen, wenn man einen Altvater sagen hört, man solle immer schön demütig und bescheiden sein, wenn man ein guter Mönch werden wolle. Was ist demütig? Was bescheiden? Da hätten wir uns aber schnell in Hunderten von Sprüchen mehr oder weniger gleicher Art verzettelt. Ich will damit aber nicht sagen, dass manche Altväter nicht wahre Helden der Demut und der Bescheidenheit waren, von denen wir uns eine ordentliche Scheibe abschneiden könnten.

 

Dann gibt es auch noch eine erschreckende Vielzahl von frauenfeindlichen Sprüchen in denen die werten Damen der damaligen Zeit gar nicht gut wegkommen. Im Grunde sind sie (angeblich) nichts weiter als andauernde Versuchungen und vom Teufel instrumentalisierte Störfaktoren im Mönchsleben. Wie die Frauen die damaligen Herren der Schöpfung empfanden, ist leider nicht in ähnlichem Ausmaß (nämlich gar nicht) überliefert. Ich wage zu behaupten, dass bei den Altvätern ein hohes Maß an Projektion vorlag, wenn sie so gegen Frauen wetterten. Die Burschen hatten sich schlicht nicht im Griff. Immer wieder liest man von alten Knackern, die bei der erstbesten Gelegenheit bei irgendwelchen zufällig ihre Wege kreuzenden Töchtern, Mägden und sonstwas "eingingen" und mit ihnen "zu Fall kamen". Und - hatten die Mädels nichts besseres zu tun?

 

In der Textsammlung gibt es auch einige Apophthegmata von bekannten Wüstenmüttern (Ammas). Die gehörten für mich leider alle in die erstgenannte Kategorie. Über Männer als vom Teufel gesandte Störfaktoren berichteten sie allerdings nie...

 

Ich hörte kürzlich eine Überlegung einer Frau zum Thema Frauenfeindlichkeit der Wüstenväter. Sie war vielleicht etwas schematisch, aber das sind solche Überlegungen ja letztlich immer. Sie sagte, es habe zwei Typen von Wüstenvätern gegeben. Die einen hätten aus der fellachischen Bevölkerung gestammt. Denen hätte das ernährungsmäßig entsagungsvolle Leben nicht viel ausgemacht. Das hätten sie auch vorher schon geführt und als Mönche hätten sie dann zumindest nicht mehr so schwer schuften müssen. Dafür hätten sie aber scheinbar große Schwierigkeiten mit der sexuellen Enthaltsamkeit gehabt. Da klagen dann immer wieder auch Greise in den Achtzigern über dämonische Fleischeslustversuchungen.

 

Der andere Vätertyp war der gebildete städtische Christ - teilweise auch Menschen, die in den kirchlichen Hierarchien weit aufgestiegen waren, bevor sie sich in die Wüsten zurückzogen. Die hatten mit den Frauen nicht solche Probleme. Dafür war die Ernährungslage für sie extrem hart. Es gibt da Beispiele von berühmten Kirchenmännern und Schriftstellern, die in der Wüste zwar noch ein paar produktive Jahre hatten, aber dann schon in den Fünfzigern völlig ausgezehrt verschieden sind. Große Denker - aber zwei Datteln die Woche war einfach nicht genug für sie.

 

Memento: Die Kritikfähigkeit sollte niemals an der Ehrfurchtsgarderobe abgegeben werden. Sooo heilig ist kein Heiliger, dass er nicht auch blinde Flecken haben kann.

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Kommentare: 1
  • #1

    Linda (Samstag, 25 Januar 2020 17:51)

    Diese „Störfaktoren“ sind doch ihre Mütter! Das soll mal einer verstehen....