Zu Apophthegma 1199 von Ruth Finder I

Die nahliegendste Botschaft der Sprüche ist tatsächlich die, dass wir alle Fehler machen, aber man sollte nicht verurteilen und man sollte erst bei sich schauen, bei sich beginnen.

Das ist auch einer der zentralen Glieder der Chassidischen Lehre.

Aber man soll solche Sprüche nicht als Rechtfertigung dafür benutzen, dass es mit Fehlereingestehen schon getan sei, dass man gerade wegen seinen Schwächen/Fehler/Sünden schwerlich voran komme, dass man deswegen immerzu Trost suchen müsse. In einem Wort: man beschäftige sich immer und immer wieder mit seiner Misere.

Denn das andere notwendige - wenn nicht das wichtigere - Glied, das die Lehre zu einem Ganzen macht, ist folgendermaßen formuliert:

Ja, bei sich beginnen, aber nicht bei sich enden; von sich ausgehen, aber nicht auf sich abzielen; sich erfassen, aber sich nicht mit sich befassen. (Martin Buber)

Es sagt ganz allgemein: "Du sollst dich nicht immerzu mit dem quälen, was du falsch gemacht hast, sondern die Seelenkraft, die du auf solche Selbstvorwürfe verwendest, sollst du der Tätigkeit an der Welt zuwenden, für die du bestimmst bist. Nicht mit dir sollst du dich befassen, sondern mit der Welt." (Martin Buber)

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