Auseinandersetzung

Vielleicht geht es weniger um Vollkommenheit als um Entwicklung. Und dann stellt sich die Frage: Wie können wir mit dem Unvollkommenen leben und uns in der Auseinandersetzung mit dem Ideal entwickeln?

Nach der Buddhalehre gibt es für unser Verhalten sechs Wurzeln: drei heilsame und drei unheilsame. Das ist einmal eine Pattsituation. Die heilsamen Wurzeln sind Liebe, Großzügigkeit und Weisheit, und die unheilsamen Wurzeln sind Hass, Gier und Verblendung. Die einzelnen Wurzeln sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. In der buddhistischen Praxis müssen wir durch Selbsterforschung die unheilsamen Wurzeln erkennen und transformieren und die heilsamen stärken. Das geschieht nicht durch die Kontrolle oder Sieg über das Negative. Die alles entscheidende Maxime ist die Integration all dessen, was wir geworden sind. Liebe integriert Hass, Großzügigkeit integriert Gier, und die Weisheit integriert Verblendung.

Und wo praktizieren wir in dieser Weise? Genau da, wo wir gerade um uns selbst oder um andere Menschen ringen, wo wir unseren Aufgaben nachgehen. Genau da, wo wir uns gegenwärtig in unserem Leben befinden: in dieser Lebensphase, in diesem Konflikt, in diesem Glück, in diesem Augenblick.

(Ruth Finder zitiert aus "Segeln im Sturm" von Sylvia Kolk)

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