Shantideva reichhaltiges Verschenken

Hier gibt er mit vollen Händen an "die, die es verdient haben". Das lässt sich natürlich auch auf alle Anderen übertragen. Als Anregung und Diskussionsgrundlage für weiterführende Überlegungen (oder Wiederholungen derselben) tut es das gewiss. Daneben warten wir auf Simons detaillierte Zusammenfassung der Ergebnisse des heutigen Kreises. ^^ Möge er sie uns schenken!

 

1) Um die kostbare Geisteshaltung zu ergreifen,
Gebe ich euch, den So-Gegangenen Buddhas,
Dem unbefleckten seltenen Juwel des heiligen Dharma,
Und den Nachkommen der Buddhas, mit Ozeanen guter Qualitäten:

2) Alle erdenklichen Arten von Blumen und Früchten,
Alle Sorten von Heilkräuter und Arzneien, die es gibt,
All die vielfältigen Edelsteine und Kostbarkeiten dieser Welt
Und alles reine und erfrischende Wasser,

3) Gebirge aus kostbaren Mineralien und ebenso
Wälder und abgelegene Orte, die einen beglücken
Mit voller Blütenpracht geschmückte Bäume
Und Bäume, deren Zweige schwer von vorzüglichen Früchten sind;

4) Und aus den himmlischen Gefilden Wohlgerüche und Duftessenzen
Wunscherfüllende Bäume, wie auch Juwelenbüsche
Eine Auswahl wild wachsender Getreidesorten und Feldfrüchte,
Und alle Schmuckgegenstände, die es wert sind, als Gaben dargebracht zu werden;

5) Seen und Teiche, geschmückt mit Lotussen
Und Schwänen mit einem bezaubernden Ruf;
All das, was niemandem gehört,
Innerhalb der grenzenlosen Sphären des Raumes,

6) All das erzeuge ich in meinem Geist und bringe es euch,
Den Weisen, den Herausragenden Wesen,
Und euren spirituellen Nachkommen dar.
Bitte denkt freundlich über mich und nehmt meine Geschenke an.

7) Da es mir an positiver karmischer Kraft mangelt,
Stehe ich völlig mittellos vor euch,
Und habe keine anderen Geschenke anzubieten.
Daher, ihr Beschützer, die ihr stets auf das Wohl anderer Wesen bedacht seid,
Nehmt diese (Gaben) Kraft eurer Fürsorge zu meinem eigenen Wohle an.

8) All meine Körper, den jetzigen und alle zukünftigen,
bringe ich den Siegreichen und ihren spirituellen Nachkommen bis in alle Ewigkeit hin dar.
Ihr unübertrefflichen Wesen, ich bitte euch, mich vollkommen anzunehmen.
Mit größter Hochachtung stelle ich mich in euren Dienst.

9) Wenn ich gänzlich unter eurer Obhut stehe,
Und daher keine Angst vor dem zwanghaften Dasein habe,
Werde ich den begrenzten Wesen nützen.
Ich werde meine vorherige negative karmische Kraft vollkommen überwinden
Und in Zukunft nie mehr negative Handlungen begehen.

10) In angenehm süß duftenden Badehäusern,
Deren transparente Kristallfußböden brillantgleich schimmern
Und deren auserlesene Säulen mit glitzernden Edelsteinen übersät sind,
Zwischen denen von Perlenglanz erstrahlende Baldachine hängen,

11) Hierhin lade ich euch So-Gegangenen Buddhas
Und eure spirituellen Nachkommen ein, ein Bad zu nehmen;
Und übergieße eure Körper wieder und wieder
Aus mit Juwelen bedeckten Vasen,
Die mit duftenden Wässern und anderen angenehmen Dingen gefüllt sind,
Unter Begleitung schöner Gesänge und wunderbarer Musik

12) Ich trockne (nun) eure Körper mit unvergleichlichen Tüchern
Die sauber und von Wohlgerüchen durchdrungen sind,
Und dann bringe ich euch heiligen Wesen
Aufs angenehmste duftende Gewänder in vollendeten Farben dar.

13) Ich schmücke die Aryas Samantabhadra, Manjushri und Lokeshvara
Und all die andere Bodhisattvas,
Mit erlesenen, glatten und aufs feinste gewebten Gewändern
Und Hunderten ausgewählter Juwelen-Geschmeiden und diesem und jenem.

14) Mit den auserlesensten Parfümen, deren Duft Myriaden von Welten durchdringt,
Salbe ich die Körper der Könige der Weisen,
Die im Lichtglanz erstrahlen,
Wie gut gereinigtes, verfeinertes und poliertes Gold.

15) Und euch, Könige der Weisen, den höchsten Objekten, denen man geben kann,
Bringe ich liebliche Blumen, wie Mandarava, Lotosblumen und Seerosen dar,
Welche süß duften.
Ich bringe diese sowohl als einzelne Blüten,
Wie auch als bezaubernde, wunderschön geflochtene Blüten-Girlanden dar.

16) Ich umhülle euch mit Wolken von Rauch,
Die beim Abbrennen erlesenen Räucherwerks entstehen und den Raum durchziehen,
Und dessen liebliches Aroma einem den Verstand raubt.
Ich bewirte euch zudem mit einem himmlischen Festessen,
Mit einer großen Auswahl an Gerichten, Delikatessen und Nektaren zum Trinken.

17) Ich bringe euch aus kostbaren Metallen (hergestellte) Lampen dar,
Die in langen Reihen auf goldene Lotosblüten drapiert sind;
Auf dem gekehrten Weg versprenkele ich duftendes Wasser
Und verstreue wunderschöne Blütenblätter.

18) Ich bringe euch, deren Natur Mitgefühl ist,
Unermessliche Paläste dar,
In denen melodiöse Lobeslieder widerhallen,
Die geschmückt sind mit herabhängenden Ornamenten
Aus Perlen und Edelsteinen, schön und glitzernd,
Jenseits des Ergründbaren, schmücken sie die Unendlichkeit des Raumes.

19) Bis in alle Ewigkeit will ich euch Königen der Weisen
Hinreißende, juwelenbesetzte Schirme mit goldenen Griffen darbringen,
Deren Ränder mit exquisiten Ornamenten verziert sind;
Aufrecht stehend ist ihre Form prachtvoll anzuschauen.

20) Und möge es zudem mit Musik erfüllte Wolken geben
Die einer Symphonie aus Gaben von Musikinstrumenten entstammen,
Sowie bezaubernde himmlische Musiker, die alle ihre Plätze einnehmen;
Um die Leiden aller begrenzten Wesen zu stillen.

21) Und möge sich ein immerwährender Schauer
Aus Edelsteinen, Blumen und anderen Dingen
Über euch seltene überragende Juwelen des heiligen Dharma,
Und auch über eure Stupa-Denkmäler und Buddha-Darstellungen ergießen

22) In gleicher Weise wie Manjushri und andere
Dir, dem Glorreichen, Gaben dargebracht haben,
So bringe auch ich euch, meinen So-Gegangenen Beschützer
und euren spirituellen Nachkommen, Gaben dar.

23) Ich verehre euch Ozeane hervorragender Qualitäten,
Mit melodiösen Lobesgesängen und einem Meer an Zungen.
Mögen Wolken gefüllt mit Klängen melodiöser Lobpreisungen,
Die an euch gerichtet sind, sich mit Gewissheit um euch herum ansammeln.

24) Ich werfe ich mich vor euch, den Buddhas, welche die drei Zeiten beehrt haben,
Vor dem Dharma und vor euch, der ausgezeichneten Gemeinschaft, nieder,
Und verbeuge mich mit Körpern
So zahlreich wie die Atome im Universum,

25) Ich verbeuge mich vor euch, ihr Fundamente der Bodhicitta-Ausrichtung
Und vor euren Stupa-Denkmälern,
Ich verbeuge mich vor euch Äbten und Ordination gewährenden Meistern,
Und vor euch herausragenden Bewahren gezügelten Verhaltens.

26) Bis ich das Herz eines gereinigten Zustandes erlange,
Suche ich bei euch Buddhas eine sichere Ausrichtung.
Ebenso suche ich eine sichere Ausrichtung beim Dharma
Und bei euch, der Gemeinschaft der Bodhisattvas.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Simon (Montag, 23 Dezember 2019 22:12)

    Verschenke nur etwas, was dir selber teuer ist.
    Mach dir klar, das es unter Umständen Dinge sind, die für dich danach nicht mehr da sind oder wieder erarbeitet werden müssen.
    Verschenkst du es dann immer noch und wenn ja, an wen?
    Du trägst auch eine Verantwortung! Für das, was du gibst und manchmal auch für den Menschen, dem du gibst.
    Verschenkst du etwas oder hast du es nur über.
    Beziehst du dich auf dich oder den anderen beim verschenken.
    Möchtest du etwas damit erreichen? Wenn ja, was?
    Können wir auch dann noch schenken, wenn sowohl das Geschenk als auch der Beschenkte konkreter Natur ist.
    Können wir Zuneigung, Vitalität und gute Wünsche oder auch materielle Dinge an denjenigen verschenken, der uns selber leid zufügt oder zugefügt hat.

    Hingeben ohne etwas aufzugeben, scheint mir ein wesentlicher Aspekt des Schenkens zu sein.
    Oder anders, Loslassen und Aufgeben sind zwei verschiedene Dinge.
    Vielleicht könnte man sogar sagen, ein wesentlicher Lohn des Schenkens IST das Loslassen. Wenn nicht das, dann zumindest die Auseinandersetzung oder das Üben im Loslassen.

    Frei werden ohne Loslassen geht nicht. Frei SEIN und loslassen MÜSSEN, auch nicht.

    Zumindest am Anfang, später ist es vielleicht sogar wie bei einem Füllhorn ^^, es wird einfach nicht leer, egal wie viel man hergibt.
    Die erforderliche Geisteshaltung dahinter ist aber wohl, dass wir nur etwas durchreichen.
    Wir verschenken, was wir sind und nicht was wir haben oder glauben zu besitzen.

  • #2

    Ruth Finder (Dienstag, 24 Dezember 2019 10:50)

    - "Beziehst du dich auf dich oder den anderen beim Verschenken."

    Bei einem Besuch in einer kleinen Stadt hörte Rabbi Bunam von einem frommen und gelehrten Mann, der in großem Elend lebte. Da lud er sich bei dem Mann als Sabbatgast ein, ließ ihm Geräte und Speisevorrat in das leere Haus tragen und wusste ihm auch noch würdige Kleider aufzunötigen. Nach dem Sabbat überreichte Rabbi Bunam seinem Gastgeber einen ansehnlichen Geldbetrag als Abschiedsgeschenk. Jener weigerte sich aber, das Geld anzunehmen: er habe schon übergenug empfangen. "Das andere", sagte der Zaddik, "habe ich nicht Euch, sondern mir gegeben, um die Wunde des Mitleidens, die mir Eurer Elend schlug, zu heilen. Nun erst kann ich das Gebot des Wohltuns erfüllen. Wer den Anblick des Bedrängnis nicht ertragen kann, muss sie solange lindern, bis der Verdruss seines Herzens überwunden ist, dann erst vermag er in Wahrheit seinem Mitmenschen zu geben."

    - "Können wir Zuneigung, Vitalität und gute Wünsche oder auch materielle Dinge an denjenigen verschenken, der uns selber leid zufügt oder zugefügt hat."

    Zu Rabbi Mendel von Kozk kam einst einer der Juden seiner Stadt, der als ein Gegner des chassidischen Weges bekannt war, und klagte ihm, er habe eine Tochter zu vermählen und könne die Mitgift nicht aufzubringen. Er bat den Rabbi um einen Rat.
    "Wieviel brauchst du?" fragte der Zaddik.
    Es waren etliche hundert Gulden. Rabbi Mendel zog eine Lade seines Tisches auf, leerte sie und gab das Geld dem Mann. Bald darauf erfuhr der Bruder des Zaddiks, was sich begeben hatte. Er kam und hielt ihm vor: der andere Jude sei doch sein Gegner und verleumde ihn bei jeder Gelegenheit, jetzt aber gäbe er dem Widersacher solch einen Betrag her!
    "Es war schon vor dir jemand bei mir", antwortete der Rabbi, "der hat dasselbe vorgebracht wie du, nur hat er viel besser reden können."
    "Wer war das?" fragte der Bruder.
    "Das ist", antwortete Rabbi Mendel, "der Satan gewesen."

    - "Möchtest du etwas damit erreichen? Wenn ja, was?"

    Durch das Dorf, in dem Rabbi Mosche von Kobryn, als er noch ein Kind war, mit seinen Eltern wohnte, zogen einst täglich Scharen Bedürftiger, die einer Hungersnot in Litauen entkommen wollten. Seine Mutter mahlte Korn auf einer Handmühle und buk an jedem Morgen Brot, um es unter den hungernden Menschen auszuteilen. An einem Tag kamen viel mehr Leute als sonst in den Dorf. Das Brot reichte nicht für alle, aber der Ofen war geheizt und Teig lag in den Schüsseln. Eilig nahm Mosches Mutter davon, knetete die Laibe zurecht und schob sie in den Ofen. Die Hungrigen jedoch brummten, weil sie warten mussten, und etliche Freche unter ihnen verstiegen sich zu Scheltworten und Flüchen. Darüber brach die arme Frau in Tränen aus.

    "Weine nicht, Mutter", sagte der Knabe, "tue nur deine Arbeit und lass sie fluchen und erfülle Gottes Aufgabe! Vielleicht, wenn sie dich lobten und segneten, wäre sie wenig erfüllt."