Alles ist für etwas gut

Auf einer seiner Reisen kam Rabbi Akiwa in ein fremdes Land. Eines Tages erreichte er ein kleines Dorf.

Als es Nacht wurde, suchte er Schutz und klopfte an die Türen der Häuser. Er bat die Leute, ihn für eine Nacht zu beherbergen. Er bot sogar an, für seinen Aufenthalt zu bezahlen; aber alle weigerten sich, ihn einzulassen.

Doch Rabbi Akiwa verlor nicht den Glauben an seinen Schöpfer, sondern sagte sich: »Alles, was der Ewige tut, erweist sich als das Beste.«

Nun blieb ihm aber keine andere Wahl, als sich irgendwo ein Plätzchen zu suchen, um dort zu übernachten.

So gelangte er in einen Wald am Rande des Dorfes. »Ach, es wird sicherlich alles zum Besten sein«, sagte er und bereitete sich, so gut es eben ging, vor, die Nacht dort zu verbringen.

Drei Dinge hatte er auf seiner Reise dabei: einen Hahn, der ihn am Morgen wecken sollte; einen Esel, um auf ihm zu reiten; und eine Kerze, die er am Abend, vor dem Torastudium, anzündete.

Im Wald fand er eine Lichtung. Dort breitete er seine Decke aus, zündete die Kerze an und begann zu lernen. Doch plötzlich fuhr ein starker Wind auf und blies die Kerze aus. Da sagte Rabbi Akiwa: »Alles, was der Ewige tut, tut er zum Besten«, und legte sich im Dunkeln schlafen.

Plötzlich hörte er ein verzweifeltes Krähen.

Eine Katze hatte sich von hinten herangeschlichen und fraß den Hahn auf. Rabbi Akiwa seufzte, sagte erneut: »Alles, was der Ewige tut, tut er zum Besten« und legte sich wieder hin - bis er von einem furchtbaren Gebrüll geweckt wurde. Ein großer Löwe hatte sich auf den Esel gestürzt, und Akiwas Wegbegleiter wurde zu seiner Beute. Doch der Rabbi sagte auch diesmal: »Alles, was der Ewige tut, tut er zum Besten.«

Akiwa und seine ganze Umgebung waren in tiefste Dunkelheit gehüllt. Sehen konnte man nichts, aber zu hören waren plötzlich Aufschreie, Hilferufe und das furchtbare Stöhnen von verwundeten Opfern.

Was war geschehen? In der Nacht hatten Banditen das Dorf angegriffen, einige Bewohner getötet und andere gefangen genommen, um sie als Sklaven zu verkaufen.

Rabbi Akiwa murmelte: »Nicht umsonst sagte ich: ›Alles, was der Ewige tut, tut er zum Besten.‹ Hätte ich im Dorf eine Unterkunft bekommen, so wäre ich mit den Bewohnern gefangen genommen oder getötet worden. Hätte der Esel später geschrien, der Hahn erst nachher gekräht oder die Kerze immer noch gebrannt, so hätten die Banditen meinen Standort ausgemacht, mich aufgestöbert und gefangen genommen und möglicherweise sogar getötet.«

Rabbi Akiwa fühlte sich angesichts der schrecklichen Ereignisse sehr betrübt - aber auch erleichtert, dass man ihm im Dorf den Schutz verweigert hatte. Und obwohl er seinen Esel, seinen Hahn und sein Licht verloren hatte, stärkte es seine Überzeugung, dass man sich nicht beschweren sollte, egal, was passiert, denn »alles ist für etwas gut«.

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