Apophthegmata Patrum 274

Ein Bruder fragte einmal: "Vater, willst du, dass ich an einigen wenigen Tagen kein Brot esse?"

 

Der Alte erwiderte ihm. "Du tust gut daran, ich habe es auch so gemacht!"

 

Da sagte der Bruder zu ihm: "Ich will also meine Kichererbsen nehmen und in die Mühle bringen, um Mehl daraus mahlen zu lassen."

 

Da antwortete ihm der Greis: "Wenn du wieder in die Mühle gehen willst, dann backe dir doch auch Brot. Aber welche Notwendigkeit besteht zu einem solchen Ausweg?"

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    R.G. (Mittwoch, 11 Dezember 2019 20:10)

    Das ist wie:
    Autos durch E-Autos zu ersetzen, ohne grundsätzlich das Autofahren an sich zu hinterfragen;
    herkömmliche Möbel, Kleidung, Lebensmittel, Kosmetika usw. durch biologische Erzeugnisse zu ersetzen, ohne grundsätzlich die Art des Konsums zu hinterfragen.
    Wenn wir nur die Objekte unserer Begierde austauschen, so bleibt doch die Begierde. Statt wirklicher Wandlung bleibt die alte Struktur erhalten. Wenn man sie erhalten will, kann man sich das Getausche auch sparen. Aber wie der unbekannte Vater schon fragte: "Welche Notwendigkeit sollte bestehen, um DAS erhalten zu wollen?"

  • #2

    Clemens (Donnerstag, 12 Dezember 2019 14:50)

    Ich musste da gleich an die allseits bekannte Geschichte mit meiner Oma denken. Als ich in jungen Jahren bei den Großies zu Besuch war, war die gute Oma erstmals damit konfrontiert, dass ich (wahrscheinlich überhaupt jemand) sagte, dass ich kein Fleisch mehr essen würde. Sie konterte mit der AP-kompatiblen Feststellung: "Aber WURST kannst du dann doch essen!"

    Ebenso umschifft der Bruder im Apophthegma die Klippen des Brotverzichts mit einer ordentlichen Dosis Kichererbsenmehl (Brei?). Damit kann die AP leben. Das ist für sie ein AUSWEG! Aber welche Notwendigkeit besteht zu einem solchen Ausweg, wenn der Brotverzicht doch eigentlich eine Disziplin- und Gesundheitsübung sein soll?

    Ich kenne die Omi-Argumentation von meiner AP auch von diversen Gelegenheiten: Nein, ein Stück Kuchen esse ich bei der Arbeit nicht! AP: "Okay!" (Sie denkt in andere Richtungen, an dies und das, eene meene miny moe.) Dann: "Hey, coole Idee: Hier gibt es doch leckere Kekse. Davon würden ein paar gehen!"

    Ja, genau! Total unauffällig, AP! ^^