Den Geist kultivieren

Der Geist, der sich weder unter den äußeren Dingen zerstreut noch durch die Sinne auf der Welt umherschweift, kehrt zu sich selbst zurück und steigt durch sich selbst zu Gott empor.

 

(Basilius der Große, † 379)

 

Das ist sicher die Königsdisziplin... oder auch der Endbereich eines weiten Spektrums. Davor gibt es eine Menge zu tun. In den "Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers" (woraus ich das obige Zitat entnommen habe) heißt es beispielsweise an einer Stelle sinngemäß: Erstmal nichts Negatives denken - dann gar nichts mehr denken.

 

Es ist messbar und bewiesen, dass wir durch die Inhalte unserer Gedanken/Emotionen physisch beeinflusst werden. Nicht nur, indem beispielsweise Stresshormone beim Ansehen von gewalttätigen Filmen, Nachrichten etc. in unseren Körpern zirkulieren, als wären wir selbst tatsächlich in solchen Gefahren, sondern sogar durch hirnphysiologische Änderungen. Wie werden das quasi!

 

Am Rande dazu kurz: Ich enthalte mich nun schon eine Weile Tageszeitungen und tagesaktuellen Nachrichten. Es ist einerseits manchmal seltsam, andererseits fehlt mir nichts von diesem täglich ausgegossenen Misthaufen. Das ist als Übung sicher nur der Anfang. Auch bei Büchern, Dokumentationen, Zeitschriftenartikeln, Filmen kann ich noch streichen, streichen, streichen. Alles Dinge, die ich nicht (zwingend) an mich heranlassen muss. Die ich nicht werden muss.

 

Selbstverständlich gilt das mir dem Werden auch andersherum. Da setzt zum Beispiel eine buddhistische Praxis an, die ich lange gar nicht als solche gesehen habe. Wir kennen diese sehr blumigen Texte nach dem Muster "Mögen tausend Blumen blühen, wo deine duftenden Füße den Boden berühren."

 

Das betreibt Shantideva in seinem "Eintritt ins Leben zur Erleuchtung" am Anfang recht exzessiv. Ich habe das früher als etwas süßliche, überschwängliche Widmung verstanden. Es ist aber eine spirituelle Übung!

 

Wenn ich mir vielerlei erstrebenswerte Dinge vorstelle - das können natürlich Gesundheit und Glück sein, aber auch profane und spirituell nicht besonders bedeutungsvolle Dinge wie wundervolle Paläste, ausgesuchteste Nahrungsmittel, Musik, duftende Salben, Blumen, Sinnesgenüsse jeder Art, wertvolle Gegenstände, sogar Dinge, die ich vielleicht selbst noch unterschwellig begehre - und diese an Buddhas, an alle Menschen, sogar an meine Feinde verschenke, dann kultiviere ich durch diese Übung eine Vielzahl von wünschenswerten Eigenschaften in meinem Charakter. Sogar auf zerebraler Ebene bewirkt das Veränderungen, also im grobstofflichen AP-Bereich.

 

Großzügigkeit, loslassen können, Neidfreiheit, Mitfreude... aber auch unsere Visualisationsfähigkeit wird geschult. Wunderbar!

 

Der russische Pilger geht den Weg des permanenten Gebetes, des Herz-Jesu-Gebetes. Da wird das dauerhafte Kurzgebet dann schließlich zum Nicht-Denken. Der Geist kehrt - wie Basilius sagt - zu sich selbst zurück. Er erkennt seine göttliche HS-Wesensnatur und steigt auf. Zu Gott, zu sich selbst. Und über die AP drückt er Gott in den Trennungswelten aus. Noch wunderbarer!

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