Apophthegmata Patrum 1026

Ein Altvater spach: "Das bedeutet die Schriftstelle: Wegen zweier oder dreier Vergehen von Tyrus will ich mich nicht von ihm wenden, wegen vier aber will ich ihm nicht gnädig sein (Amos 1 und 2): Böses denken, einwilligen in den Gedanken und ihn aussprechen. Das Vierte aber ist: es im Werk vollbringen. In diesem also wendet sich der Zorn Gottes nicht ab."

 

Gewöhnlich ist es wohl so, dass dem Gedanken und dem Wort die Tat auf dem Fuße folgt. Das muss aber nicht zwingend so sein, und der Altvater hier sagt praktisch, dass nur die tatsächliche Handlung karmarelevant ist.

 

(Wir können und müssen das vielleicht zumindest in Klammern einschränken: Auch Worte können ja Wirkungen haben, wenn ich beispielsweise jemanden direkt beschimpfe. Das hat messbaren physiologischen Einfluss. Auch Wirkungen über Elementale in noch feineren Bereichen wären zu nennen. Aber gut:)

 

Nach dem ungenannten Altvater sind also nur Taten karmarelevant. Er sagt dazu: Davon wendet der Zorn Gottes sich nicht ab! Nicht: Dem wendet der Zorn Gottes sich zu. Oder gar: Das ruft den Zorn Gottes hervor. Darin liegt ein feiner Unterschied, über den man nachdenken kann.

 

Ferner fügt der Altvater zwischen Gedanken und Wort das Einwilligen ein. Ich meine, in einem anderen Apophtegma hatten wir das in ähnlicher Form. Gegen Gedanken sind wir nicht geschützt. Und an Gedanken sind wir auch nicht schuld. Sie tauchen auf! Seien es nun Gruppenelementalwirkungen oder versprengte Inhalte eigener, vorausgehender Entwicklungen. Unsere Verantwortung beginnt erst - wenn auch vorerst vielleicht ohne den Zorn Gottes hervorzurufen - mit der inneren Einwilligung in das Haben des Gedankens!

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    R.G. (Mittwoch, 04 Dezember 2019 21:05)

    Ich habe überlegt, ob man es SO lesen könnte:
    "In DIESEM also wendet sich der Zorn Gottes NICHT ab."
    Würde dann bedeuten, dass die drei Schritte davor zwar AUCH den Zorn Gottes hervorrufen, dieser aber abgewendet wird. In einer 95%-Welt auch nachvollziehbar. Würden unsere Gedanken, unser Einwilligen und unser Wort EBENSO karmarelevant wie unsere Taten, dann...nicht auszudenken. Auf einem höher entwickelten Spielfeld sieht das vielleicht andes aus. Da können wir uns warm anziehen. Also sollten wir immer schön trainieren.

  • #2

    Simon (Donnerstag, 05 Dezember 2019 00:58)

    "In diesem also wendet sich der Zorn Gottes nicht ab."

    Ab einem bestimmten Level von negativen Handlungen (Vergehen), lässt sich eine mit Leid und Schmerz verbundene Konsequenz im Sinne der karmischen Gesetzmäßigkeit, nicht mehr abwenden.

    Und graduell nabeln (trennen) wir uns durch negatives Handeln mehr ab, als durch negatives Denken und Reden.
    Man könnte auch sagen, die negative Tat hat eine massivere Verdichtung der AP zur Folge.

    So etwas wie der Zorn Gottes, ist da meiner Meinung nach überflüssig oder besser noch, er existiert gar nicht.
    Eine schlichte Konsequenz unseres eigenen Handelns, auf Basis von absoluter Freiheit.
    Wir sollten das Wort „Zorn“ also eher auf uns beziehen, als auf Gott.

  • #3

    R.G. (Donnerstag, 05 Dezember 2019 06:01)

    Das sehe ich auch so, Simon.
    Ich lese "den Zorn Gottes" synonym mit "karmischer Konsequenz" oder, wie Clemens sagt, "Karmarelevanz".

  • #4

    R.G. (Donnerstag, 05 Dezember 2019 06:11)

    Ich bezog meinen Kommentar auf Simons letzten Absatz.

  • #5

    R.G. (Donnerstag, 05 Dezember 2019 06:31)

    Bezüglich der Frage, warum die ersten drei Schritte nicht zwingend karmarelevant sind, folgende Überlegung:
    Wie bei Kindern, denen die Folgen/die Ausmaße ihrer Gedanken und ihres Tuns nicht bewusst sind und sie deshalb auch nicht voll verantwortlich dafür sind, würde auch bei uns jegliche darauf folgende karmische Konsequenz zu einer Überforderung/Verwirrung führen. Eine Konsequenz sollte erkennbar im Zusammenhang mit dem Geschehenen stehen, damit daraus etwas gelernt werden kann. Da uns unsere Gedanken, unsere Einwilligung und unser Wort überwiegend nicht bewusst sind, wendet ER aus Gnade seinen Zorn ab. Aber wir wissen ja, dass Nicht-wissen-WOLLEN uns keinesfalls aus der Verantwortung enthebt.

  • #6

    Jonas (Donnerstag, 05 Dezember 2019 07:50)

    Ja R.G., ergänzend könnte man noch anführen, dass mit dem höher werdenden Grad der persönlichen Entwicklung meines Erachtens auch die Stärke und Unmittelbarkeit der karmischen Wirkungen des Tuns zunimmt.

    Entwickeltere Menschen werden vom Karmagesetz härter rangenommen, die 95% werden individuell beispielsweise auf 94% abgesenkt. Sie werden mit den Konsequenzen auch zeitnaher konfrontiert, um eben direkter daraus lernen zu können, da sie es aufgrund ihres Trainings (Selbstreflexion, Innenschau) schon besser erkennen können.

    Die karmischen Wirkungen kommen meiner Überzeugung nach aber immer nur in dem Ausmaß, was wir zu tragen imstande sind, zur Entfaltung. Hier können wir auf die liebevolle und gütige Führung vertrauen.