In Ordnung

Auf dem Land hat es seit langer Zeit nicht geregnet. Alles war ausgedörrt. Schließlich beschlossen die Leute, den Regenmacher zu holen. Eine Abordnung machte sich auf den Weg in die weit entfernte Stadt, wo der Regenmacher lebte, und die Abgesandten baten ihn dringend darum, so schnell wie möglich zu kommen und Regen für ihre ausgedörrten Felder zu machen.


Der Regenmacher, ein weiser, alter Mann, sagte zu, allerdings unter der Bedingung, dass man ihm eine kleine Hütte irgendwo draußen auf dem Lande gäbe. Dort wollte er sich für drei Tage zurückziehen. Essen und Trinken brauche er nicht. Nach drei Tagen wolle er sehen, was er machen könne.


Seine Bedingungen wurden erfüllt. Am Abend des dritten Tages goss es in Strömen und eine begeisterte Menschenmenge pilgerte zur Hütte des Regenmachers. "Was hast du bloß gemacht?" wollten die Leute wissen. "Sag es uns."


"Es war ganz einfach", antwortete der Regenmacher. "Drei Tage lang habe ich nur mich selber in Ordnung gebracht. Denn ich weiss: wenn in mir alles in Ordnung ist, dann ist auch die ganze Welt in Ordnung, und die Dürre muss dem Regen weichen."

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Kommentare: 1
  • #1

    Jonas (Freitag, 29 November 2019 11:20)

    Schöne Geschichte, die uns das Äußere als Spiegel unseres Inneren vor Augen führt. Oder in den Worten von Hermes Trismegistos ausgedrückt: "...Wie innen - so außen. Wie außen - so innen..." (Das Prinzip der Entsprechungen/Analogien)

    "...habe ich nur mich selber in Ordnung gebracht." - Wir würden es als Weg-Arbeit bezeichnen.