Shantideva im Zeitraffer

Shantideva (lebte 7./8. Jahrhundert) ging in jungen Jahren an die buddhistische Großkloster-Universität Nalanda, das aus diversen Einzelklostern bestand und über die damals weltgrößte Bibliothek verfügte.

 

Dort wurde er zu Mönch geweiht, war aber bei seinen Mitmönchen nicht sehr beliebt, denn er schien ein etwas schluriger Mönch zu sein, der zu den wichtigen Anlässen nicht erschien und scheinbar nicht lernte und praktizierte. Unter seinen Mitmönchen ging die Rede, seine drei Verwirklichungen (normalerweise sowas wie Hauptgewichte der Praxis wie eben das Lernen oder die Meditationspraxis) seien Essen, Schlafen und Scheißen.

 

Das klingt humorvoll, aber seine Brüder gingen schließlich sogar so weit, dass sie ihn einluden, vor der ganzen Universität einen Vortrag zu halten, was theoretisch eine große Ehre war. Insgeheim aber wollten sie ihn demütigen und hofften auf sein Versagen. Zudem bauten sie seinen Vortragsthron besonders hoch, ließen aber die Leiter weg. Es sollte lustig werden...

 

Shantideva hatte jedoch keinerlei Schwierigkeiten, den Thron zu besteigen und fragte dann die Mönche, ob sie etwas Neues oder etwas Altes hören wollten. Sie wollten etwas Neues hören - und er trug ihnen frei sein "Bodhicharyavatara" vor. Währenddessen soll er sich in die Luft erhoben haben, bis er kaum noch zu sehen war, aber seine Stimme konnte man noch überall hören. Jaja, die Heiligenlegenden... Aber wer weiß.

 

Wahrscheinlich saßen dort 10000 Mönche mit offenen Mündern, als Shantideva seinen Vortrag beendete. So etwas hatte man dort noch nie gehört. Jedenfalls wurde sein Werk schlagartig berühmt, obwohl er es eigentlich nur als kleine Lernhilfe für sich selbst verfasst hatte.

 

Shantideva verließ nach seinem Vortrag Nalanda und kehrte nie mehr dorthin zurück. Er führte von da an lebenslang ein Leben als umherziehender Wanderasket.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0