Apophthegmata Patrum 677

Eine harte Nuss:

 

"Abbas Poimen sprach: 'Das Koinobion braucht drei Übungen: einmal die Demut, dann den Gehorsam und endlich ein bewegliches Ding, das den Stachel trägt, um des Werkes des Koinobions willen'"

 

(Koinobion=Kloster)

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Kommentare: 3
  • #1

    Ruth FInder (Mittwoch, 06 November 2019 17:53)

    "(...) ein bewegliches Ding, das den Stachel trägt (...)" - sieht nach einer Schlange aus (Giftzahn=Stachel - Pred 10,11 "Sticht die Schlange vor der Beschwörung, so hat der Beschwörer keinen Vorteil.").

    Die Schlange gilt, unter anderem, als Symbol für Klugheit (Jesus empfehlt seinen Jüngern: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!“ - Matthäus 10,16)

    Diese "Klugheit" setzt hier Vater Poimen mit Unterscheidungsvermögen, SCHARFEM Verstand, Erkenntnisfähigkeit und letzendlich mit Weisheit gleich.

    Er nennt das nur nicht so direkt, weil er weit in der ersten Übung fortgeschritten ist. ^^

  • #2

    R.G. (Mittwoch, 06 November 2019 18:23)

    Mir fiel Folgendes dazu ein:
    Damit die Gemeinschaft wachsen kann (Werke des Koinobions), braucht es das Bemühen darum, 1. seine Mitmenschen nicht zu be- und verurteilen (Demut),
    2. seine Ausrichtung immer weiter zu stärken und sich z.B. an den 7 Versprechen zu orientieren, auch wenn es der AP nicht schmeckt (Gehorsam),
    3. flexibel und geschmeidig damit umzugehen, wenn es "menschelt" (den Stachel zu tragen).

  • #3

    Clemens (Mittwoch, 06 November 2019 20:11)

    Die dritte Übung ist "ein bewegliches Ding". Die ersten beiden Übungen sind also unbeweglich, feststehend. Demut und Gehorsam sind TUGENDEN, die eingeübt werden müssen. Sie sind die feststehenden, vorgegebenen Schleifsteine. Aus des Mönches Reibung an ihnen (im Widerstand der AP gegen sie) entsteht die dritte Übung.

    Die dritte Übung ist die Sünde - es können beweglich andauernd oder wiederholt diese oder jene Sünde oder verschiedene nacheinander oder mehrere Sünden zugleich sein.

    Der Stachel der Sünde ist die Schuld und das daraus resultierende Leid. Gleichzeitig ermöglichen Schuld, Leid und Schmerz erst die Erkenntnis (durch eigenes Erleben oder durch Beobachtung) und damit zuletzt die Befreiung, welche das eigentliche Werk des Koinobions ist, denn im schrittweisen Aufgeben des Widerstandes verwandeln sich die Schleifsteine von Schleifsteinen für die AP in Schleifsteine für die Sünde - die AP wird nicht WEGgeschliffen (was diese anfangs fürchtet), sondern ZURECHTgeschliffen.