Apophthegmata Patrum 662

Büschen was zu deuten:

 

Ein Bruder fragte den Altvater Poimen: "Kann der Mensch alle seine Gedanken zurückhalten und keinen davon dem Feinde überlassen?"

 

Der Alte sprach: "Er ist einer, der zehn nimmt und einen einzigen gibt."

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Kommentare: 4
  • #1

    Apophthegmata Patrum 663 (Samstag, 02 November 2019 18:25)

    Derselbe Bruder fragte über den gleichen Gedanken auch den Altvater Sisoes, und dieser sagte ihm: "Wirklich, der ist es, der dem Feinde keinen preisgibt."

  • #2

    R.G. (Sonntag, 03 November 2019 11:35)

    Mir fällt dazu das Vitalisieren negativer Gedanken/Elementale ein.
    Wobei 662 für mich nach Weg-Arbeit klingt (10 mal zurückgehalten, einmal vitalisiert) und 663 nach vollkommener Verwirklichung (keinerlei Vitalisieren negativer Elementale/ Beherrschung bzw. Loslassen der eigenen Gedanken).

  • #3

    Ruth Finder (Sonntag, 03 November 2019 11:38)

    Ich deute es so:

    Die Frage lautet: "Kann der Mensch so hohe geistige Disziplin (bei Gefühlen, Gedanken, Worten, Taten) erlangen, dass das HS die Kontrollle über die AP übernimmt?"

    Die Antwort lautet: "Ja, es ist möglich. So ein Mensch ist einer, der die Herausforderungen des Weges annimmt und im Stillen an sich arbeitet. Dabei bewegt ihn ein einziger Gedanke, welchen er vom ganzen Herzen vor sich und vor Gott zugibt, - der Glaube an seine göttliche Natur und seine höhere Bestimmung."

    Mit noch anderen Worten:

    Man könnte genauso gut antworten: "Er ist einer, der in der Welt ist, aber nicht von der Welt."

  • #4

    Jonas (Montag, 04 November 2019 08:05)

    "Er ist einer, der zehn nimmt und einen einzigen gibt."

    Der Autor von 662/663 spricht meines Erachtens von einem verwirklichten Menschen, in dem Ruhe herrscht, der also als HS auf seine AP (den "Feind") konzentriert ist und somit seine Gedanken von einer höheren Warte aus beobachtet. Die Ruhe in ihm bedeutet nicht, dass er keine Gedanken hat, er lässt sie einfach kommen und gehen, ist nicht mit ihnen identifiziert.

    Der andere Teil seines Bewusstseins ist nach außen gekehrt (einer, der zehn (Gedanken) (auf-) nimmt). Aus der HS-Ebene heraus ist es diesem Menschen möglich, nicht als AP wirr durcheinander zu denken, sondern reine, klare Gedanken zu formulieren (er gibt einen einzigen).

    Das Verhältnis eins zu zehn deutet an, dass er in der Lage ist, ohne Störung durch seine AP viele Gedanken anderer aufnehmen zu können, ohne sie reflexartig/zwanghaft bewerten zu müssen. Also genau das, was unsere AP eigentlich immer macht, sie ist beständig dabei, ihren "Senf dazuzugeben" (und wir identifizieren uns damit).

    Dieser verwirklichte Mensch muss aus diesen Überlegungen heraus auch ein guter Zuhörer sein.