Wolke

In der "Wolke des Nichtwissens" lesen wir:

 

"Sei überzeugt davon, dass der Mensch niemals eine völlige Gotteserkenntnis auf Erden erzielen kann: eine Gotteserfahrung jedoch ist durch die Gnade, sofern Gott sie gewährt, möglich."

 

Diese Formulierung erscheint mir nicht schlüssig. Ebenso könnte man bezweifeln, ob hier auf Erden völlige Gotteserfahrung erzielt werden kann/ möglich ist. Zwar kann man annehmen, dass sich "Erkenntnis" auf zielgerichtetes (daher im Text der Begriff "erzielen") intellektuell-emotionales Erkennen durch eine Bemühung des Individuums bezieht, während "Erfahrung" anzunehmenderweise den umgekehrten Weg beschreibt - das gnadenvolle/-abhängige Einströmen Gottes von sich aus ins Individuum.

 

Aber auch dabei könnten individuelle Grenzen durchaus eine Rolle spielen, nämlich in dem Sinne, wie auch eine Glühbirne, die auf eine Stromspannung von 110 Volt ausgelegt ist, bei einer Stromspannung von 220 Volt durchbrennt. Ebenso würde wohl auch Gott einen Menschen durchbrennen lassen, wenn er sich in zu hoher Potenz in ihm manifestieren würde.

 

Da Gott das aber niemals täte, ist anzunehmen, dass er sich immer "passend" in Menschen manifestiert - also eben nicht "völlig". Eben das wäre auch Teil seiner Gnade.

 

Übrigens spielt nicht nur die Voltzahl, sondern auch die Wattzahl eine Rolle, also die Leistung, der Energieumsatz des Individuums. Individuen mit unterschiedlicher Wattzahl würden bei gleicher Voltzahl unterschiedlich hell leuchten! ^^

 

Kurz gesagt: Gotteserkenntnis und Gotteserfahrung sind einfach zwei verschiedene Ebenen, die sich gegenseitig nicht zwingend bedingen, aber anzunehmenderweise begünstigen. Man sollte sich also mit beidem nicht das jeweils andere verbauen!

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