Ethische Disziplin III

O Mönche, das Leben zu verlieren und zu sterben ist ausgezeichnet,
aber die eigene ethische Disziplin zu ruinieren und zu verlieren nicht.
Warum? Das Leben zu verlieren und zu sterben
verbraucht nur die Lebensspanne dieser Geburt.

Aber wenn du deine ethische Disziplin ruinierst und verlierst,
wirst du einen großen Niederfall erleben,
der dich für über hundertmal hundertmillionen Leben von deiner Linie trennt,
des Glücks beraubt und zu Unglück führt.

Deshalb spricht der Buddha großen Lobpreis auf die ethische Disziplin.
Jemand mit Disziplin trifft auf Buddhas Erscheinen.
Jemand mit Disziplin, trägt das bester aller Ornamente.
Jemand mit Disziplin ist mit Parfüm gesalbt.

Jemand mit Disziplin ist ein Ort aller Freude.
Disziplin ist kühlendes Wasser, das alles Leid hinweg wäscht.
Jemand mit Disziplin wird von aller Welt gepriesen.
Diejenigen, die der Disziplin folgen, werden höhere Ziele erreichen.

Jemand mit Disziplin wird keinen Schaden durch giftige Schlangen erfahren.
Selbst nicht durch den mächtigen schwarzen Naga - weshalb dann von anderen?
Ein Mönch mit Disziplin strahlt mit Licht.
Jemand mit Disziplin erlangt Ruhm und Glück.

So wie diejenigen ohne Augen
keine Formen sehen können,
genauso, kann jemand, der keine ethische Disziplin besitzt,
den Dharma nicht sehen.

So wie man ohne Beine
nicht in der Lage ist, einen Pfad entlang zu gehen,
genauso, wird man ohne ethische Disziplin
nicht die Befreiung erreichen können.

(Das Sutra des Besitzens reiner ethischer Disziplin)

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Kommentare: 1
  • #1

    Clemens (Montag, 14 Oktober 2019 14:07)

    Auch der Buddhismus als Religion konnte/kann es nicht lassen, die einfachen Gläubigen und das mönchische Fußvolk durch gewaltige Drohkulissen zu disziplinieren:

    "Aber wenn du deine ethische Disziplin ruinierst und verlierst, wirst du einen großen Niederfall erleben, der dich für über hundertmal hundertmillionen Leben von deiner Linie trennt."

    Wir, die von der in beide Richtungen wirkenden 95%-Regel wissen, können da etwas entspannter sein. Allerdings müssen wir dadurch auch aus uns selbst heraus einen größeren Impuls zum Erhalt der Disziplin als Gegenkraft zum "Nachlassen" bewirken.

    Andererseits: Vielleicht ist das mit den hundertmal hundertmillionen Leben in nicht förderlichen, leidbehafteten Umständen weniger eine Beschreibung der tatsächlichen Zeit, als der "gefühlten" Zeit. Ich erinnere an das Einsteinzitat, das Jonas seiner Betrachtung "Tempus fugit" (Kreisgedanken 2, Seite 78) voranstellte.

    Und... mich fasziniert irgendwie das Bild vom FALL: "Einen großen Niederfall erleben" - erinnert mich an A. P. 563, wo "jemand in das Zelt eines Pharaniten ging, dort dessen Tochter allein traf und mit ihr zu Fall kam." Wir sind schon alle große Faller! ^^