Apophthegmata Patrum 574 - über Abbas Orsisios

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Clemens (Freitag, 11 Oktober 2019 18:29)

    Hier taucht wieder der Begriff des Nachlassens auf - wenn auch in Form von "nachlässig" und "Nachlässigkeit", was ja einen etwas anderen Bereich beschreibt. Interessant besonders, dass Nachsichtigkeit ("die nachsichtige Seele") negativ belegt ist. Vielleicht im Sinne von Vorsicht(Vorsorge?)=gut, Nachsicht=schlecht? Nachsicht als "hinterher - und somit zu spät - bemerken".

  • #2

    Simon (Freitag, 11 Oktober 2019 19:26)

    Sich selbst gegenüber sollte man vielleicht nicht oder weniger nachsichtig sein sondern eher verständig, im Sinne von aufmerksam, gelehrig und aufgeschlossen.
    Wer sich selbst gegenüber auf fehlgeleitete Weise nachsichtig ist, läuft in Gefahr, seine Ausrichtung zu verlieren.
    In dieser Interpretation verstehe ich Nachsicht als Wegbereiter für Lauheit und Gleichgültigkeit.

    Anderen gegenüber scheint es mir richtig, sowohl gelehrig, aufgeschlossen UND nachsichtig zu sein.

    Interessant finde ich die Interpretation von Clemens. „Vorsicht(Vorsorge?)=gut, Nachsicht=schlecht.“
    Außer wir verstehen das Wort NACHsichtigkeit im Sinne von Innenschau und abendlicher Retrospektive.

  • #3

    R.G. (Samstag, 12 Oktober 2019 06:02)

    Wie deutet ihr das Gleichnis mit der Maus und den Lampen aus Ton oder Erz?

  • #4

    Ruth Finder (Samstag, 12 Oktober 2019 11:57)

    Interessantes Wörtchen ist das - "die Sicht" - mit all seinen Präpositionen. ^^

    Mir ist folgendes eingefallen:

    Man behält Übersicht, wenn man die Einsicht hat, Nachsicht mit Vorsicht zu gewähren.

    Bei jedem von uns läßt die Spannung/ das Ausgerichtetsein ("Öl, Leuchtkraft, Wärme") aspektbezogen wahlweise und allgemein zeitweise nach. Dabei können Zweifel, Bedenken, aber auch Trägheit, allmähliches Desinteresse oder Selbstgefälligkeit an einem "nagen" ("Maus"), die uns in die Talfahrt schicken ( "die Lampe herabwerfen").

    Die Menschen, die unentschlossen, uneinsichtig und nicht willens bzw. zu eigenwillig sind/bleiben, wiederanzufangen und weiterzumachen, erweisen sich als "tönerne Lampen": Sie "liegen" buchstäblich in Scherben da. Gutmöglich werden sie auch weiter zertreten - Karma.

    Die Entschlossenen oder zumindest Furchtvollen (was nicht auf Dauer als treibende/einzige Kraft bleiben soll), die es versuchen/wagen/schaffen, immer wieder neu anzufangen und dabeizubleiben, sind gefestigter/ sind "aus Erz". Mit einer Beule hier oder dort werden sie unterstüzt, sich wieder aufzurichten.

    Gott wird aber in seinem Erbarmen irgendwann auch "die Lampe aus Ton" wieder zusammensetzen.

  • #5

    Clemens (Samstag, 12 Oktober 2019 15:56)

    Ja, Simon, das abendliche NACHsehen, ob und wann und wie man Scheiße war, ist als spirituelle Praxis positiv.

    Wir beschäftigen uns allerdings im zypriotischen Ansatz nur mit den Dingen, die danebengegangen sind. "Was habe ich NICHT getan, was ich hätte tun sollen, was habe ich getan, was ich NICHT hätte tun sollen" etc. Das Ungute ist also geschehen, die karmischen Konsequenzen sind auf dem Weg, und wir wollen uns nicht gegen diese Einsicht sträuben, sondern versuchen in ZUKUNFT anders zu handeln.

    Die abendliche Innenschau ist also eine Praxis, die NACHschaut, um in Zukunft VORsichtiger zu sein. ^^

    Frage wäre, ob man die Innenschau nicht auch auf positive Aspekte ausdehnen kann. Aber wahrscheinlich würden die Egos sich sofort aufzublähen versuchen. Man könnte aber auch das wach beobachten, den Prozess kennenlernen und schrittweise besser im Griff behalten lernen.

    Generell darf man sich an Dinge, die gut gelaufen sind, aber wahrscheinlich schon nochmal erinnern, oder? :o)

    Das Gleichnis mit den Mäusen sehe ich im Text selber erklärt, allerdings gibt es Erklärungsbedarf bezüglich der Erklärung. Ruth Finder ist das ja schon angegangen. Ich sehe sowohl in denen, die a) ihre Lampen nach und nach erlöschen lassen oder sich b) immer um ausreichend Öl bemühen, als auch in den a) tönernen oder b) erzenen Lampen jeweils Menschen, die a) entweder dem Karmapfad, oder b) dem spirituellen Pfad bewusster Aufmerksamkeit folgen - wenn auch auf verschiedenen Niveaus (Allerdings können diese Niveaus in verschiedenen Aspekten innerhalb EINER Person vorhanden sein). Der Erzlamperich hat ja zuvor zumindest sein Öl zur Neige gehen lassen...

    Die Frage wäre, wäre der Erzlamperich ohne Öl besser oder Weiter als der Tonlamperich, der sich gut um sein Öl kümmert? Wahrscheinlich wäre Letzteres als Möglichkeit auszuschließen. Das Kümmern ums Öl verwandelt sukzessiv die Tonlampe in eine Erzlampe.