Basilius der Große

meinte:

 

"Der Geist, der nicht an die äußeren Dinge hingegeben und nicht durch die Sinne ausgegossen ist, kehrt gewissermaßen zu sich selber zurück. Durch sich selbst steigt er tatsächlich zum Erkennen Gottes empor und; durch diese Schönheit erleuchtet, erlangt er das Vergessen seiner Natur."

 

Durchdenken wir das mal und versuchen, es für uns in andere Worte zu fassen bzw. die einzelnen Stufen zu erklären. Der letzte Punkt hat es in sich.

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Kommentare: 4
  • #1

    Linda (Donnerstag, 26 September 2019 12:34)

    Ich verstehe das erst einmal so, dass die AP keinen Einfluss mehr auf den Geist ausüben kann, was wiederum bedeutet, im Zustand des HS anzukommen. Und das ist dann göttliche Freude pur!

  • #2

    R.G. (Donnerstag, 26 September 2019 20:08)

    Mein Versuch:
    1. Über die animalische Ebene erheben
    2. Unterscheiden zwischen AP und HS, Zugang zum HS ausbauen
    3. Ausgerichtet kontinuierlich Weg-Arbeit leisten (aufsteigen)
    4. Aufgabe des Eigenwillens

  • #3

    Jonas (Freitag, 27 September 2019 08:52)

    R.G. hat es meines Erachtens nach gut auf den Punkt gebracht, hier noch etwas ausführlicher mit zusätzlichen Querverweisen:

    Wie in Kreisgedanken I in der Betrachtung zur Person angeführt wird können wir unseren Bewusstseinsfokus entweder auf die AP oder auf unser höheres Selbst lenken (R.G. Punkt 1/2).

    Wir sind also einerseits über unsere AP mit unseren Sinnen, vor allem mit dem Sehen und Hören, in dem uns umgebenden Umfeld gefangen ("ausgegossene Sinne"), oder wir richten unseren Fokus auf unser höheres Selbst, indem wir uns von unserer AP, also von unseren visuellen Eindrücken, Gefühlen, Gedanken etc., und ihren Impulsen distanzieren und eine übergeordnete Position als HS einnehmen.

    Damit geht Hand in Hand (- und ich glaube, dass der Text uns gerade darauf explizit hinweisen möchte -), dass wir uns bewusstseinsmäßig auf unser (Körper)INNERES konzentrieren, auf unser Empfinden, und von dieser Warte aus alles um uns herum wahrnehmen. Dadurch ist unser Geist "nicht durch die Sinne ausgegossen" und wir bleiben in uns selbst (in unserem HS).

    Wir finden den Ansatz des sich nach Innen wenden auch bei Meister Eckhart, beispielsweise in seiner Predigt "Vom Schweigen", wo er dazu aufruft, sich von den äußeren Eindrücken zu lösen und sich dem eigenen Inneren zuzuwenden. Er empfiehlt, dass "der Mensch allen Sinnen entweichen und all seine Kräfte nach innen kehren" soll. Seiner Meinung nach ist dies der Weg zum "Erkennen Gottes".

    Wenn es uns gelingt, durch kontinuierliche Wegarbeit (R.G. Punkt 3) unseren Bewusstseinsfokus für längere Zeit, im Idealfall permanent, auf unser HS auszurichten, können wir Gottes Willen in die Welt einfließen lassen (R.G. Punkt 4). Unsere eigenen AP-Strukturen treten dadurch in den Hintergrund bzw. lösen sich immer mehr auf ("erlangt er das Vergessen seiner Natur").

  • #4

    Ruth Finder (Freitag, 27 September 2019 10:32)

    Ich habe beim Lesen des Spruches gleich an eine Schraubenfeder (wie bei einem Kugelschreiber) als Bild für die beschriebene geistige Entwicklung gedacht. Jede einzelne (Über-)Windung so einer "spirituellen Feder" verläuft in den Etappen, die R.G. aufgestellt hatt. Allerdings würde ich (in diesem Falle) eine Anfangsetappe "0" einfügen:

    0. Der Geist, der sich an die äußeren Dinge hingegeben und durch die Sinne ausgegossen hat (Identifikation mit der AP)
    1. Über die animalische Ebene erheben
    2. Unterscheiden zwischen AP und HS, Zugang zum HS ausbauen
    3. Ausgerichtet kontinuierlich Weg-Arbeit leisten (aufsteigen)
    4. Aufgabe des Eigenwillens

    Dieses "Bild" kann man sowohl für die kleinsten Vorgänge/Zusammenhänge auf dem Weg, als auch für die ganz Großen - und für alle dazwischen ^^ - nehmen.

    Und auch für DAS große Ziel, aber dann ist das eine Kegelfeder! Und je nachdem wie man die "Kegelfeder der Entwicklung" betrachtet - mit der Spitze nach unten oder nach oben, kann man die Weg-Arbeit, den Weg, so oder so betrachten.

    Hat jemand Lust dazu?