Nachlassen II

Am 24. August stand im Blog als Erstzitat von Isaac von Ninive:

 

"Die Muße schadet nur den Jüngern, das Nachlassen aber sowohl Jünglingen wie Greisen."
Wir hatten das ja im Kreis diskutiert. Ich möchte es aber nochmals hier zur schriftlichen Diskussion stellen. Es ergeben sich dabei doch immer interessante Perspektiven wie zum Beispiel K.s Gedanken über Gründe des Nachlassens, wobei sie auf zu hoch gesteckte Ziele verwies. Das hatte ich im Zusammenhang gar nicht auf dem Schirm. Man schaut eben in seine eigene Richtung und Richtungsvergleiche bereichern dann die Erkenntnis.

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Kommentare: 10
  • #1

    R.G. (Dienstag, 17 September 2019 14:59)

    Ein anderer Grund des Nachlassens könnte sein, dass man davon ausgeht, man hätte das Ziel erreicht.

  • #2

    R.G. (Dienstag, 17 September 2019)

    Auch kennen wir alle das starke Bedürfnis in einem uns angenehmen Zustand/ angenehmen Rahmenbedingungen verweilen zu wollen. Es ist wie in dem Beispiel eines Reisenden, der sich auf seiner Reise in verschiedenen Hütten ausruht, aber niemals seine Reise abbricht, um für immer in einer schönen Hütte zu bleiben.

  • #3

    R.G. (Dienstag, 17 September 2019 15:24)

    Kim Pasche, der jährlich mehrere Monate in der Wildnis Kanadas unterwegs ist, sagt in der Doku "Abenteuer Yukon":
    "Meine Beziehung zur Hütte hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Ich merke, dass eine Hütte ein Gefängnis ist im Wald. Denn sie bietet Sicherheit und man hat die Tendenz, diese nicht aufgeben zu wollen. Ich komme hierher, mehrere Monate in der Natur zu verbringen mit der Idee, einzutauchen. Manchmal erwische ich mich auch beim Trödeln, weil ich mich unbewusst auf diese bequeme Sicherheit verlassen möchte."

  • #4

    Simon (Dienstag, 17 September 2019 16:05)

    Eine weiterer möglicher Grund des Nachlassens entsteht, wenn wir uns einen Bezugsrahmen schaffen, in dem wir niedrigschwelliger reflektiert werden.
    So wird aus einem Nachlassen manchmal ein scheinbar ausgerichtetes Tun.
    Oder aus einem freundlichen zu bedenken geben, ein herzhaft einvernehmliches Schulterklopfen.

  • #5

    Ruth Finder (Dienstag, 17 September 2019 19:52)

    Ich denke bzw. beobachte befürchtend und mit großen Bedenken bei mir selbst, ob der tiefere Grund des Nachlassens - also der EIGENTLICHE Grund - darin liegt, dass ich/man nicht WIRKLICH will, sprich mangelnde Erkenntnis und Einsicht hat.

  • #6

    K (Dienstag, 17 September 2019 21:06)

    Ergänzend zu #5 von Ruth Finder: Aus tiefer Erkenntnis und Einsicht erwächst eine starke Motivation bzw. ein starker Wille, der dem Nachlassen - in welcher Form/ aus welchem Grund auch immer - entgegenwirken kann.

  • #7

    Jonas (Mittwoch, 18 September 2019 21:17)

    Nachlassen kann meiner eigenen Erfahrung nach dadurch entstehen, dass man eine sehr wichtige Etappe des eigenen Weges abschließen konnte und das daraus resultierende Glücks- und Zufriedenheitsgefühl so überwältigend und befriedigend ist, dass man weitere Fortschritte unbewusst gar nicht mehr anstrebt; Nachlassen in den Bemühungen stellt sich ein.

    Das Fiese bei echten Etappenzielen ist, dass dieser Zustand nicht kurzfristiger Natur ist, sondern scheinbar dauerhaft anhält, man sich also permanent wohl fühlt, von einem schönen Erlebnis ins nächste taumelt. Leider vergisst man dabei, dass das erreichte Ziel nur eine Etappe auf einem sehr langem Weg ist.

    Das Nachlassen stellt sich nach Erreichen eines Etappenzieles schleichend und immer stärker fortschreitend ein, von Ausreden und Schönfärberei der AP begleitet. Auch wenn man es in seiner wohligen Einrichtung nicht merkt, man beginnt automatisch zu sinken und irgendwann stellt man mit Schrecken fest, dass sich die Wegbegleiter, die weiterhin konsequent an sich arbeiten, entwicklungsmäßig schon weit entfernt haben.
    Wohl dem, der konsequent an sich arbeitet und nicht nachlässt!

  • #8

    Simon (Mittwoch, 18 September 2019 23:35)

    Ganz schön cool Jonas.

  • #9

    Clemens (Donnerstag, 19 September 2019 19:01)

    Meint Isaac eigentlich wirklich den Jüngern, oder eher den Jüngeren, wie der Kontext nahelegt? Und wenn er Jüngern MEINTE, was meinte er dann?

  • #10

    Simon (Donnerstag, 19 September 2019 23:33)

    Für den Jünger (Schüler, Volontär, Aspirant) bedeutet „Muße“ bereits ein Nachlassen.
    Für Jünglinge und Greise lediglich Erholung oder Freizeit.
    Aber eigentlich nur, wenn man die Definition von Muße entsprechend eng auslegt!
    „Als Muße bezeichnet man die Zeit, die eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann“. (Wik.)
    Also eine Zeit, die (meistens) im Sinne der AP genutzt wird.

    In der Antike wurde Muße in einem großzügigerem Spektrum ausgelegt, womit ich mich auch eher anfreunden kann.

    Wenn wir „Nachlassen“ als eine Form von Trägheit sehen, schadet sie generell, also Jünglingen und Greisen.

    Für einen Meister ist vermutlich (fast) alles eine einzige Muße. ^^
    Es gibt keinen Unterschied zwischen eigener und fremdbestimmter Zeit. Scheint mir ein naheliegender und wesentlicher Aspekt von Freiheit zu sein.