Apophthegmata Patrum 970

"Von einem anderen Altvater erzählten die Brüder, es habe ihn einmal die Lust nach einer Gurke angekommen. Als man ihm dann eine gebracht hatte, hängte er sie vor seinen Augen auf, berührte sie aber nicht, um nicht von seiner Begierde besiegt zu werden. Ja, er tat dazu noch Buße, zur Strafe dafür, dass er sie begehrt hatte."

 

Wenn wir den Spruch auf "Die Gurke" aus den Kreisgedanken beziehen, dann wird daraus eine Geschichte von der Sehnsucht danach, dass "alles wieder so einfach wie früher wird", die einen unter Umständen manchmal überkommt. Die AP klagt darüber, dass durch die spirituelle Sichtweise alles so schwierig und kompliziert wird. Scheiß drauf, Kikeriki schreien, Gurke in den Hintern, rot anmalen - und es noch nicht einmal wissen (wollen) - was für ein glücklicher Zustand.

 

Jedoch, wir versagen uns das, hängen uns die Gurke vor die Augen, berühren sie nicht, tun Buße, denn wir wissen, dass der Zustand gar nicht glücklich war, denn... WIR waren nicht glücklich. Ein fehlgeleiteter Nostalgie-Trick. Recht besehen können wir also gar nicht zurück WOLLEN. Trotzdem geschieht solch eine Anwandlung manchmal. Wir sind einfach nicht konstant und aus einem Guss. Wir sind einem beständigen inneren Wandel unterworfen. Wie heißt es im Buddhismus?

 

"Alle Gedanken, seien sie nun erhebend oder niederziehend, sind vergänglich und ohne Bestand. Sie haben Anfang und Ende, wie sie auch nur flüchtig bei uns verweilen."

 

Bezüglich des Niederziehenden ist das eine Gnade, bezüglich des Erhebenden erscheint es manchmal als Fluch. Unsere Praxis ist aber, das Erhebende in der Vergänglichkeit zu kultivieren, das Niederziehende zu meiden. Dadurch erlangen wir im Wandel das Bleibende.

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Kommentare: 4
  • #1

    Clemens (Montag, 16 September 2019 10:38)

    Wem ist es aufgefallen: "Als man ihm dann eine gebracht hatte, hängte er sie vor seinen Augen auf, berührte sie aber nicht..." Bitte? Wie mag er das gemacht haben? Sie aufhängen, ohne sie zu berühren. Welche elaborierte spirituelle Fähigkeit verbirgt sich hier? Dauerhaftes telekinetisches Levitieren? Oder hängte er die Gurke, gebracht in einer durchsichtigen Plastiktüte vom Obst- und Gemüsestand, nur an einen Wandnagel?

  • #2

    Clemens (Montag, 16 September 2019 11:16)

    Wichtiger aber als solche Gedankenspielchen (da extrem vergänglich ^^) ist, das Bleibende im Wandel noch etwas genauer zu benennen. Es ist unsere HALTUNG. Wir arbeiten also an der Kultivierung unserer Haltung. Wir könnten auch sagen, wir formen unseren Charakter. Das also, was wir in fernere Leben mitnehmen können. Und natürlich naheliegender das, mit dem wir DIESES Leben leben.

  • #3

    Ruth Finder (Montag, 16 September 2019 12:33)

    Hab' den Beitrag gelesen und gedacht, dass die Erklärung schon weit hergeholt ist, also mit "Die Gurke" und so. Jetzt, nach einigem Überlegen, denke ich, dass sie quasi die einzige weitgehend hilfreiche wäre.

    Und fast wie immer eine passende chassidische Geschichte dazu:

    Rabbi Jakob Josef von Pollenoje hatte einen Gegner, der beständig darauf sann, wie er ihm ein Leid antun könnte. Als ihm der Gegner wieder einmal großes Unrecht zugefügt hatte, verlangten seine Schüler, dass er über dem Bösewicht den Bann aussprechen solle: er müsse, behaupteten sie, wenn er schon auf eigene Ehre verzichten wolle, sich der Ehre Gottes und der Thora annehmen.
    Schon wollte der Zaddik den Bann verkünden als er sich plötzlich besann und zu sich selber sprach."Sag mal, Jakob Josef, nimmst du dich nur der Ehre Gottes und der Thora an? Vielleicht ist es für die Verletzung, die dir angetan wurde?"
    Der Bann wurde nicht ausgesprochen.
    Er hatte die Kraft, sich seines "Ich" ganz zu entäußern.

  • #4

    Simon (Dienstag, 17 September 2019 19:14)

    Wir müssen die Dinge nicht unbedingt berühren um sie zu überwinden.
    Sehen wir das Begehren der Dinge als Elementale und bringen diese in den Focus, erlaubt uns diese Betrachtung die eigenen Begehrlichkeiten zu spüren und gleichzeitig das Objekt, was diese Begehrlichkeiten auslöst, besser erkennen zu können.
    Der Vorteil scheint klar zu sein, wir vermeiden (erstmal ^^) durch direkten Kontakt die Verbindung von Körper und Objekt.