Centurie 62

"Und wenn er einen Lehrer findet, der sein Wissen nicht nur aus der göttlichen Schrift hat, sondern der selbst das göttliche Licht erlitten hat, dann sagt er: Gott sei Dank. Wenn nicht, dann ist es besser, ihn nicht anzunehmen, sondern in Demut zu Gott Zuflucht zu nehmen, indem man sich mit ehrlichem Herzen für unwürdig erachtet, eine solche Würdigung und Schau zu erlangen..."

 

Mit der göttlichen Schrift meinen unsere beiden Mönche gewiss die Bibel - eine Hundertprozentigkeit, die ich nicht teile. Zumindest nicht in dem Sinne, dass in der Bibel jedes Wort stimmt, sie im Gegensatz zu anderen Schriften heilig ist, und sie durchgehend von Gott inspiriert ist.

 

Von einem möglichen Lehrer sprechen sie in der Centurie definitiv NICHT in solch einer Hundertprozentigkeit. Sie sprechen nur von einem, der schon mal ein Erleuchtungserlebnis hatte, einen Durchbruch nach jenseits der AP-Grenzen. Auch die Wendung "erlitten hat" ist in dem Zusammenhang interessant. Ein gänzlich rein Gedachter hätte meiner Ansicht nach im göttlichen Licht nichts zu leiden!

 

Die Randüberschrift der Centurie lautet hingegen: "Vom erleuchteten irrtumslosen Lehrer". Ich vermute, dass diese Randüberschriften von einer anderen Person in den Text eingefügt sind, um ihn besser lesbar zu machen und das zurechtfinden im Text zu erleichtern. So sehen wir es ja auch in den modernen Bibeln.

 

Konkret ist der Randüberschriftler hier aber offensichtlich einem peinlichen und allzu üblichen Missverständnis aufgesessen. Klar, haben möchte das jeder, aber kriegen tut es keiner. Ich denke, der Überschriftler weist sich hier (also zumindest in diesem Punkt) als Narr aus.

 

Einzige Rechtfertigung wäre, wenn er mit seiner Überschrift den Rückbezug auf Gott im Falle des Nicht-Findens eines passenden Lehrers meint. Gott wäre ja dann ein "irrtumsloser Lehrer". Das Wort "erleuchtet" schiene mir dann aber wieder eher unpassend und spräche gegen diese Annahme.

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