Die Eigenschaften eines einsamen Vogels sind fünf:

Die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er sich nicht nach Gesellen sehnt, nicht einmal seiner eigenen Art;
die dritte, dass sein Schnabel gen Himmel zielt;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Diese Eigenschaften muss auch der kontemplative Mensch haben.


(San Juan de la Cruz, 1542-1591)

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Kommentare: 5
  • #1

    Simon (Dienstag, 13 August 2019 22:45)

    Der erste, der höchste Punkt ist der, der direkt vor einem liegt (Wegarbeit),
    der zweite, sich seiner Ganzheit (Vollständigkeit) bewusst sein/werden,
    der dritte, ausgerichtet sein (sich immer wieder neu ausrichten),
    der vierte, Anhaftung, Identifikation bemerken und lösen,
    der fünfte, Demut, Achtung vor sich selbst und anderen (Achtsamkeit scheint mir davon abhängig zu sein), Raum gebend.

  • #2

    R.G. (Mittwoch, 14 August 2019 06:28)

    "Die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;"
    Habe ich auch als Weg-Arbeit gedeutet. Allerdings als jeweils größt mögliches Bemühen.

  • #3

    Clemens (Mittwoch, 14 August 2019 09:23)

    Wir sagen zu del la Cruz übrigens Johannes vom Kreuz.

    Simon und R.G. könnte man auch in eins lesen: Vielleicht ist das größtMÖGLICHE Bemühen immer der Punkt, der direkt vor einem liegt?

  • #4

    R.G. (Mittwoch, 14 August 2019 09:34)

    Jepp.
    Und beständig wieder und wieder. Weg-Arbeit eben.

  • #5

    R.G. (Mittwoch, 14 August 2019 09:41)

    Das Wieder-und-wieder beinhaltet auch das Weiter-und-weiter, da ja der höchste Punkt auch "mitwächst". Das wäre sozusagen das Gegenteil von "jetzt hab ich's".