Aufrichtig und demütig vor sich selbst

TvB: "Lindenberg nennt zwei Zauberworte für den Dienst: "Aufrichtig" und "demütig vor sich selbst". Viel Raum für Verstehen und Missverstehen, oder"

 

Naheliegende andere Begriffe: "Ehrlich" und "frei von Selbstüberschätzung". Ehrlich wäre dabei ja schon "frei von Selbstüberschätzung" - wie aber auch frei von Selbstunterschätzung! Es gibt also eine Schnittmenge der Begriffe. Ehrlich wäre aber auch ehrlich auf das Äußere bezogen. Auf die Außenwirkung, die das Selbst hat, auf die Wirkung des Äußeren auf einen selbst, und auf das Äußere überhaupt - ohne sich mit Wechselwirkungen zu befassen. Das wäre letztlich auch wieder "demütig vor sich selbst".

 

Mich erinnert dieses weckselwirkende Wortpaar an eine Aussage vom Sonntagskreis, derzufolge es auf Freiheit und richtiges Tun ankommt. Das eine funktioniert letztlich nicht ohne das andere. Trotzdem ist es einzeln kultivierbar. Das Gegenteil auslassende Wege (zumindest scheinbar) sind in ihrer missverständlichen Form beispielsweise Zen, mit seinem unbedingten Streben nach einem Durchbruch zur Freiheit (von sich und allem anderen) und eine buchstabengenaue Deutung der Bibel als Vorschriftenkatalog ohne auch nur die Idee von Freiheit.

 

Auch höchste Erleuchtung bedarf rechter Umsetzung, da sie sonst immer wieder nur auf den Karmapfad zurückführt. Und buchstabengenaue Einhaltung von Vorschriften führt sowieso zu nichts, außer zum Karmapfad. Sie ist der Karmapfad!

 

Eine rechte Schulung muss beide Aspekte vermitteln: Anleitung zum Freiwerden und Anleitung, bestmögliches Tun in den nichtlinearen, multifaktoriellen Trennungswelten erkennbar werden zu lassen.

 

Funktioniert gut bei aufrichtigen und vor sich selbst demütigen Menschen - um nochmal den Dreh zu kriegen. ^^

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Finder (Donnerstag, 01 August 2019 04:10)

    Ich verstehe "aufrichtig" als "wahrhaft" und halte es da mit Rabbi Baruch, der einmal zu seinem Enkel, dem jungen Israel, sagte: "Glaub mir: eine einzige wahre Bewegung, und sei es der kleinen Zehe, ist genug."

    Einem aufrichtig/wahrhaft ausgeführten - also ohne Hin und Her, ohne Hintergedanken, ohne Wenn und Aber, aber aus der Erkenntnis und der Tiefe des Herzens - Gedanken, Wort oder Tun wohnt der Zauber der Ruhe und der Freiheit inne.

    Wie schwierig das ist, beschreibt folgende Geschichte:

    Als Rabbi Mendel von Witebsk ins Heilige Land kam, schrieb er seinen Freunden in der russischen Heimat: "Ich pflegte mir beständig zu wünschen, dass mir Gott helfen möge, wenigstens EIN Gebet in wahrer Andacht sprechen zu können. Hier aber, da mich die Luft des Heiligen Landes anwehte, erfuhr ich, dass der Mensch froh und glücklich sein müsste, wenn er ein einziges Wort richtig aussprechen könnte."

    "Demütig vor sich selbst" lässt keinen Hochmut aufkommen, welcher einem suggeriert, dass man schon alles weiß/ richtig macht. Man vermutet/ahnt (im besten Falle kennt) seine Schwächen und Fähigkeiten. Aber nicht seine Grenzen! Und gerade das sollte anspornen, den Weg weiter zu gehen und in dessen Tiefen(Höhen) einzusteigen.