Jesus-Agraphon 105

Da waren drei Sklaven. Der erste verprasste das Vermögen mit Dirnen und Flötenspielerinnen, der andere vervielfältigte es, der dritte vergrub die Geldsumme. Den ersten lobte der Herr, den zweiten tadelte er, den dritten aber warf er ins Gefängnis.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Clemens (Dienstag, 23 Juli 2019 15:55)

    Eine seltsame Variante des Gleichnisses von den anvertrauten Talenten (Matthäus 25,14–30 und Lukas 19,12–27). Ein Deutungsversuch:

    Drei Erzengel begaben sich in die Trennungswelten, um mit der Zusatzqualifikation Mensch Individuation zu erfahren.

    Der erste stürzte sich ins Geschehen und beschritt ganz aus dem (neu gewonnenen) Bauch heraus den Karmapfad in zwischenmenschlichen Tändeleien. Er stellte sein Vermögen ganz in den Dienst des "Lebens". Er erntete Lob.

    Der zweite wurde auch aktiv, stellte aber andersherum sein Leben in den Dienst des Vermögens, um das Vermögen zu mehren, nicht die Erfahrung. Er gab dem Können (altertümlich: vermögen=können) Vorzug vor dem Tun. Er wurde getadelt - zurechtgewiesen.

    Der dritte verharrte passiv. Er wurde ins Gefängnis geworfen. Will sagen: Er warf sich selbst ins Gefängnis, denn nach dem Eintritt in die Trennungswelten passiv zu verharren, bedeutet natürlich bohrende Langeweile (Erfahrungslosigkeit) - und das auch noch ohne Ausweg, also andauernd. Zumindest so lange, wie die Passivität anhält.

    Erinnert an den Spruch, der sinngemäß sagt, dass Gott die Heißen und die Kalten recht seien, aber die Lauen ein Gräuel.

  • #2

    Simon (Dienstag, 23 Juli 2019 21:56)

    Zeit:
    Für den passiven Menschen bedeutet die Zeit, wohl meist altern, für den aktiven Menschen bedeutet die Zeit Entwicklung.

    Der aktive irrt, der passive stirbt. ^^

  • #3

    Jonas (Donnerstag, 25 Juli 2019 15:42)

    "...,den dritten aber warf er ins Gefängnis"
    - in christlich-gnostischen Texten ist mit "Gefängnis" oft die Welten der Trennung bzw. der materielle Körper im Kreislauf des wiedergeboren-Werdens gemeint. Das passt hier auch ganz gut, denn der "Laue", der sich einrichtet und nicht weiterentwickelt, muss einfach solange wieder inkarnieren, bis er seine Lektionen gelernt hat.