Meditation - Mittel zur geistigen Befreiung VII

Der Geist kann mit einer ausgedehnten Wasserfläche verglichen werden, auf welcher der Wind, der über sie hinweggeht, feine Wellen entstehen lässt, die mit zunehmender Intensität des Windes größer und größer werden und damit die anfängliche Ruhe und Unbewegtheit der Wasseroberfläche aufwühlen. Lässt der Wind dann nach, beruhigt sich auch wieder die Wasseroberfläche. Sie liegt dann wie bewegungslos da und beginnt wie ein Spiegel zu glänzen, wobei sie Bäume, Berge, Wolken und anderes reflektiert. In der gleichen Weise erheben sich unablässig Gedankenwellen und verhüllen den Geist, der dadurch unfähig ist, die Wirklichkeit zu erkennen. Dieser Geisteszustand wird als "Gedankenfassen" und als "diskursives Denken" bezeichnet. Das Gedankenfassen kann mit dem Anschlagen einer Glocke verglichen werden, wobei das Charakteristische des geistigen Vorgangs in der Fixierung des Bewusstseins auf das Objekt besteht, Das diskursive Denken kann man demgegenüber mit dem Widerhall vergleichen; es ist als das Umherstreifen, das Hin-und Herlaufen der Gedanken zu betrachten, eine Aktivität, welche die Fähigkeit des Erkennens verringert.

Gedankenfassen kann man auch mit dem Wehen des Windes und diskursives Denken mit dem Entstehen der Wellen vergleichen. Bei diesen geistigen Aktivitäten müssen wir die Achtsamkeit als die Fähigkeit der rechten Besinnung einsetzen und uns der verschiedenen Gedanken bewusst werden und versuchen, die geistige Ruhe aufrecht zu erhalten. Unser Geist wird dann in die Lage versetzt, die wahre Natur der Erscheinungen zu verstehen. Der Zustand, in dem der Geist sich in einem solchen Moment befindet, wird "Sammlung" genannt. Es heißt, das der gesammelte Geist die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt. Beständig sollten wir uns darum bemühen, diesen Geisteszustand herzustellen, denn hierdurch wird immer deutlicher, dass weltliche Wünsche bloße Illusionen sind. Ein Regenbogen ist ein schönes Beispiel für den illusionären Charakter der Daseinserscheinungen. Vielfarbig schillernd tritt er in Erscheinung, verändert sich dabei unaufhörlich und verschwindet wieder.

Was aber unbeständig ist, das ist auch leer, weshalb es als unbefriedigend oder leidvoll angesehen werden muss. Was immer aber unbefriedigend ist, von dem können wir nicht sagen "das bin ich" oder "das gehört mir". Wenn wir diese Wahrheit erkennen, erreichen wir damit die wahre geistige Freiheit.

"Entwickelt Sammlung, Ihr Mönche,
denn der gesammelte Geist erlebt die Gebilde der Wirklichkeit gemäß."
(Samyutta-Nikaya Khandha-Vagga 1.5)

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