Meditation - Mittel zur geistigen Befreiung VI

Die geistige Eigenschaft, die wir Achtsamkeit nennen, gehört zu jener psychologischen Kategorie, die früher bereits unter der Bezeichnung ‘aktives Denken’ erwähnt wurde. An einer anderen Stelle dieses Aufsatzes wurde auch auf die andere wichtige Geisteshaltung, nämlich ‘passives Denken’ hingewiesen. Es ist eine Tatsache, dass bei bestimmten Gelegenheiten vergessene oder verdrängte Erlebnisse aus der Vergangenheit aufsteigen. Dabei kann es sich um ‘Wirkungen von Taten’ handeln oder um rein ‘funktionelles Bewusstsein’, karmisch unabhängiges Bewusstsein, welche im passiven Bewusstsein ruhen.

Bei solchen Gelegenheiten mögen wir uns vielleicht an etwas ‘erinnern’, wie etwa an ‘frühere Geburten’. Diese Form der Erinnerung ist eine der höheren Kräfte und ein Bestandteil des dreifachen Wissens (tivijja - Erinnerung an frühere Daseinsformen, das ‘Himmlische Auge’ und die Triebversiegung). Der menschliche Geist kann, wenn er durch Meditation entwickelt oder in Achtsamkeit und Weisheit geschult ist, die Fähigkeit erlangen, solche geistigen Möglichkeiten, die das Erkennen vergangener und bis dahin schlummernder Ereignisse, zu erwecken.

Die enge Beziehung zwischen dem Geist und den geistigen Fähigkeiten könnte man auch körperlicherseits mit der Beziehung zwischen den ‘vier Grundstoffen’ (Festes, Flüssiges, Gasförmiges und Hitziges) und der ‘abhängigen Körperlichkeit’ (die auf den vier Grundstoffen basierenden 24 körperlichen Phänomene, wie Sinnesorgane, Sinnesobjekte, Geschlechtlichkeit, Vitalität usw.) vergleichen.

Wenn der gesammelte Geist auf körperliche Vorgänge gerichtet ist, steht das erlebnismässige Erfassen dieser Abläufe im Einklang mit den Lehren des Abschnittes über die Körperbetrachtung’ (kayanupassana - eine der vier Grundlagen der Achtsamkeit), wie sie in der ‘Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit’ überliefert sind. Dabei sind nicht nur Ein- und Ausatmung als Funktionen des Körpers zu betrachten, sondern es müssen alle Tätigkeiten als Bestandteile körperlicher Funktionen angesehen werden.

Manchmal mag man denken, dass die oben angeführten Unterweisungen undurchführbar seien. Doch mittels Geduld, Achtsamkeit und Eifer wird man bald vom Gegenteil überzeugt sein. Wenn man zu üben beginnt, merkt man allmählich, wie sich Achtsamkeit und Bewusstseinsklarheit zu entwickeln beginnen. Und wenn diese beiden Eigenschaften mehr und mehr zur Erweckung gelangen, wird man weniger Misserfolg, weniger Vergesslichkeit usw. erfahren, was als Beweis für den Fortschritt anzusehen ist.

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