Meditation - Mittel zur geistigen Befreiung IV

Neben den Sitzübungen können zur Abwechslung auch Gehübungen gemacht werden, wobei man sich bemüht, den Wechsel vom Sitzen zum Gehen und die folgende Schrittbewegung so aufmerksam wie möglich zu beobachten oder zu erleben. Für die Gehübung ist ein ebener Pfad besonders gut geeignet. Beim Gehen sollte der Übende sich dessen bewußt sein, dass er geht und sich dabei in jede einzelne Bewegung einzuspüren suchen. Das gedankliche Notieren kann auch hier eine Hilfe für den Anfänger sein, um sich der Einzelheiten des Gehvorganges stärker bewusst zu werden. Man sagt sich dabei in Gedanken und im Gehrhythmus ‘auf - vor - ab’, ‘auf - vor - ab’ usw. Ist man am Ende des Übungsweges angelangt, sollte die Kehrtwendung wieder achtsam und bewusst vollzogen werden. Der Wechsel vom Gehen zum Sitzen geschieht schließlich in der gleichen Weise.

Im Anguttara Nikaya sagt der Buddha folgendes zur Gehübung:

"Es gibt, ihr Mönche, fünf Vorteile bei der Gehübung. Welche fünf?
 Es härtet einen ab für zukünftige Wanderungen;
 es ist gut für das eigene Streben;
 es ist gesund;
 es fördert die Verdauung, nachdem man gegessen und getrunken hat;
 die durch die Gehübung gewonnene Sammlung hält lange an.
 Dies, ihr Mönche, sind die fünf Vorteile der Gehübung."

Das Sitzen und Gehen sind wichtige Bestandteile der gesamten Meditationspraxis. Die Übungspraxis sollte jedoch nicht allein auf diese Übungen beschränkt sein, sondern auch das tägliche Leben mit seinen vielfältigen Geschehnissen einschließen, wobei man alle sich bietenden Chancen geschickt für den Übungsfortschritt nutzen und sich in Achtsamkeit üben möge, ohne sich jedoch dabei in Widersprüche mit seiner Umwelt zu verwickeln. Die zwei Abschnitte des Satipatthana Sutta über Haltung und Wissensklarheit sind in all diesen Zusammenhängen von Bedeutung.

Während solcher Tätigkeiten wie Laufen, Autofahren, Sporttraining, Lesen oder Schreiben oder während täglicher Routineverrichtungen kann die Aufmerksamkeit natürlich kaum für einen längeren Zeitraum intensiv auf bestimmte Objekte gerichtet werden. Man mag vielmehr die Achtsamkeit auf die jeweilige und gerade ablaufende Handlung lenken bzw. sich darüber im klaren sein, was man im Moment tut, wobei man soviel Einzelheiten wie möglich beobachten sollte.

Das Ziel dieser Übung besteht darin, dass man so aufmerksam und objektiv wie möglich alle Begebenheiten, die sich gegenwärtig abspielen und an welchen man innerlich beteiligt ist, beobachtet, ihnen jedoch nicht mit irgendwelchen Einbildungen folgt. Wenn man beispielsweise ein Auto fährt, dann lasse man die Gedanken nicht von dem momentanen Vorgang des Fahrens wegwandern. Seien Sie sich Ihres Tuns bewusst! Seien Sie sich darüber im klaren, ob Sie gezielt irgendwo hinsehen oder nur einfach umherschauen, ob Sie Ihren Körper beugen oder strecken, ob Sie berühren, festhalten oder loslassen, ob Sie sich ausziehen oder anziehen, ob Sie essen oder ein Bedürfnis verrichten. Wann immer der Geist über die besondere gegenwärtige Begebenheit hinausgeht, sollte dies erkannt und die Aufmerksamkeit wieder in die Gegenwart des betreffenden Geschehens gerichtet werden. Wenn man es sich zum Motto macht, darauf acht zu geben, dass keine körperlichen oder geistigen Aktionen oder Reaktionen ohne das eigene Wissen und ohne die eigene Zustimmung entstehen und vergehen, dann wird jeder Augenblick im Leben mit Meditation verknüpft sein.

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