Meditation - Mittel zur geistigen Befreiung III

Die ‘Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit’ (Satipatthana Sutta), die den buddhistischen Meditationsweg zum Inhalt hat, gibt vier Meditationsbereiche an. Sie werden als die ‘Vier Grundlagen der Achtsamkeit’ bezeichnet.

Es sind dies Körper, Gefühle, Geisteszustände und Geistesobjekte. Derjenige, der Meditation zu üben gedenkt, soll einen Ort wählen, der nach Möglichkeit frei von Störungen ist und sich dort mit gekreuzten Beinen (oder in einer anderen Haltung) und aufrechtem Körper niederlassen. Sodann möge er sich um Abstand voll der Vorstellung eines ‘Ich’ oder ‘Mein’ oder einer ‘Persönlichkeit’ bemühen, indem er seinen Körper als eine Anhäufung von Materie betrachtet und seinen Geist als das Zusammenwirken von Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedankentätigkeit und Bewusstsein.

Das Einatmen und das Ausatmen ist als Gegenstand der Betrachtung in der Meditation besonders geeignet, wobei der Vorgang des sich Ausdehnens und Zusammenziehens unter anderem im Bereich der Bauchdecke oder die durch die Atmung bedingte Druckempfindung an der Nasenöffnung verfolgt werden kann. Das geschieht in der Form, dass das Objekt ohne gedankliches Dazutun (abschweifen) allein der neutralen Betrachtung unterzogen wird. Der burmesische Mönch Mahasi Sayadaw sagt in diesem Zusammenhang: "Achtsam sein auf die beiden Bewegungen des Unterleibes, nämlich das Heben (Ausdehnen) und das Fallen (Zusammenziehen)." Dieser Vorgang wird Achtsamkeit in Bezug auf den Körper genannt, weil Ein- und Ausatmung ganz wesentlich mit dem Körper verbunden sind.

Ein- und Ausatmung geschieht bei allen Menschen, aber kaum jemand verfolgt diesen Vorgang mit besonderer Aufmerksamkeit. Ein Meditierender muss jedoch sorgsam darauf achten und wird dadurch allmählich imstande sein, den eigenen Geist von Spekulationen, Einbildungen und anderen störenden Gedanken frei zu halten. Der Länge oder Kürze des Ein- und Ausatmens soll im übrigen keine besondere Bedeutung beigemessen werden. Es kommt lediglich darauf an, dass der Meditierende sich in die Prozesshaftigkeit des Atemvorganges einlebt und sich der Tatsache bewusst ist, dass einige Atemzüge kurz und andere lang sind.

Wenn unser Körper von einer Krankheit befallen wird, und mag sie noch so alltäglich sein wie beispielsweise eine Erkältung, tun wir alles zu seiner Heilung. Auch unser Geist kann leicht von Krankheiten befallen werden, wobei unser Denken durch den Einfluss negativer Gedanken in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Meditierende muss auf solche Dinge achten und durch Aufmerksamkeit und Bewusstseinsklarheit solchen schädlichen Einflüssen entgegenwirken. Gedanken stehen sowohl mit der Vergangenheit als auch mit der Zukunft in Verbindung und wandern bei dem Ungeübten hier- und dorthin, durchströmen seinen Geist und umhüllen ihn. Der Geist befindet sich also zunächst weitgehend in einem schwankenden, unruhigen Zustand, welcher unvermeidlich solange anhält, wie es an geistiger Entwicklung bzw. an geistiger Sammlung mangelt. Negative Gedanken lassen sich allerdings auch bei einiger Übung nicht immer vermeiden. Es ist aber auch nicht die Aufgabe des Übenden, sie zu verdrängen. Vielmehr soll er sich ihrer bewusst werden, sie in die Gegenwart seiner Betrachtung ziehen und sie dabei aufmerksam und neutral beobachten.

Während der Intensivübung (im Sitzen) ist der ein- und ausströmende Atem beziehungsweise der sich ausdehnende und zusammenziehende Körper (z.B. der Bauch) das Hauptbetrachtungsobjekt, während alle jene Vorgänge, die durch die Stärke ihres Auftretens die Aufmerksamkeit von diesem Objekt weglenken, als Nebenobjekte bezeichnet und als solche ebenfalls der neutralen Beobachtung unterzogen werden. Diese Objekte, wie Geräusche, Gerüche, Gefühle und Gedanken, kann sich der Anfänger durch eine gedankliche Notiz verstärkt bewusst machen. Dringt zum Beispiel während der Übung ein mehr oder weniger lautes Geräusch in den Vordergrund des Bewusstseins, so wird das Hauptobjekt vorübergehend verlassen und das akustische Signal der Beobachtung unterworfen. Die Hinwendung zu dem neuen Meditationsobjekt wird durch die kurze gedankliche Notiz ‘hören - hören - hören’ bewusst gemacht. Man verfolgt dann mit Achtsamkeit das neue Objekt in seinem Entstehen und Vergehen, wobei man sich bemühen sollte, die akustischen Signale dort zu beobachten, wo sie entstehen, nämlich am Sinnestor (hier das Ohr, das Trommelfell). Sobald das Interesse am Nebenobjekt schwindet, wendet man sich wieder seinem Hauptobjekt, dem Atem, zu. Entsprechend sagt man sich bei Gedanken ‘denken - denken - denken’, bei Gefühlen ‘fühlen - fühlen - fühlen’, bei Gerüchen, riechen - riechen - riechen’ usw.

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Kommentare: 1
  • #1

    R.G. (Dienstag, 09 Juli 2019 09:08)

    Platt gesagt: Unsere Wahrnehmung kann also immer nur so "gut" sein, wie wir in der Lage sind, unseren Geist zu beruhigen. Ohne glatte Oberfläche gibt der Spiegel nur verzerrt wieder.
    Da weiß man, wo man steht.^^