Agraphon 189

Jesus ging mit seinen Aposteln an einem toten Hund vorbei, der schon stank. Die Apostel sagten: "Wie schrecklich stinkt dieser Hund!" Jesus erwiderte: "Was für schöne weiße Zähne er hat!"

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Kommentare: 2
  • #1

    R.G. (Freitag, 05 Juli 2019 06:38)

    "Seid in der Welt und nicht von der Welt."
    Die Welt/Materie abzulehnen oder das Sich-Verlieren in der Welt sind nur unterschiedliche Ausprägungen der gleichen "falschen" Haltung. Als Weg-Arbeiter bemühen wir uns darum, göttliche Qualität innerhalb der Welt mehr und mehr zum Ausdruck bringen zu können.

  • #2

    Ruth Finder (Freitag, 05 Juli 2019 19:26)

    Dazu fallen mir die "wildesten" ^^ Deutungen ein.

    - Angefangen von der ganz profanen Das-Glas-ist-halbvoll-und-nicht-halbleer-Betrachtungsweise.

    - Und weiter zu dem Gedanken, dass alles und jeder seine guten, positiven Seiten (Fähigkeiten, Anlagen, Möglichkeiten) hat. Dazu zwei das aus meiner Sicht ziemlich gut veranschaulichende Geschichten:

    Es war Brauch des Rabbi Meir von Przemyschlany, mit dem Morgengebet nicht zu beginnen, bis er sich den Glauben verschafft hatte, dass jeder Mitbetende besser sei als er selbst.
    So groß war seine Demut.
    Jeden Tag sah er sich im Bethaus um, fasste die Leute scharf ins Auge und stets glückte es ihm: jeder war "besser" als er.
    Aber an einem Tag war es anderes. Es kam irgendein Dickbauch aus Ungarn. Der hatte von den jüdischen Bräuchen keine Ahnung. Er gab dem Rabbi fünf Silbermünzen und schlicht und unwissend wie er war, brachte er nur einen Wunsch vor, dass seine Schweinezucht gedeihen möge.
    Als man zum Gebet versammelte, konnte Rabbi Meir mit dem Gebet nicht anfangen: im Betsaal war ein Mann, von dem er wusste, dass er selbst besser als der Andere sei!
    Es währte lange. Er betete nicht. Ein Unbehagen erfasste die Gemeinde. Rabbi Meir legte das Haupt in die Hände und weinte. Plötzlich erhob er sich und sprach freudig: "Und nun frage ich Dich, heiliger Schöpfer der Welt: wenn Meir Schweine züchtete, würde es ihm noch einfallen, zu einem Rabbi zu fahren? Dieser Bauer kam aber aus weit entfernter Gegend, um sich mit mir im Gebet vor Dir, oh Gott, zu vereinen."
    Er war beglückt und leitete in dieser Stimmung das Gebet ein.


    An den Tisch von Rabbi Levi Jizchak von Berditschew kam öfters ein einfacher, ungelehrter Mann, der von der Schülerschar mit abweisenden Blicken betrachtet wurde, weil er gar nicht zu fassen vermöge, was aus des Rabbis Munde kommt. Und was will der Pechsieder unter den Salbenreibern? Da aber dieser Mann in seiner guten Einfalt die Haltung der Schüler nicht bemerkte oder auch sich nicht durch sie anfechten ließ, sprachen sie endlich der Ehefrau des Zaddiks zu, sie möchte den Tölpel hinwegweisen. Sie wollte dies nicht ohne die Erlaubnis ihres Mannes tun. So legte sie ihm Bedenken und Bitte der Schüler vor.
    Der Rabbi antwortete: "Wenn einst in der kommenden Welt die sieben Hirten beim heiligen Gelage sitzen, Adam, Set, Metuselah zur Rechten, Abraham, Jakob, Mose zur Linken, David in der Mitte, und ein armer Unwissender, Levi Jizchak von Berditschew, hinzutritt, dann glaube ich daran, dass sie dem Tölpel gar noch freundlich zunicken."

    - Und zuletzt die Idee - die Hoffnung gar, dass das Wenige, was wir am Glanz in dem jeweiligen Leben abbekommen haben, unversehrt uns erhalten bleibt.