Agrapha

https://de.wikipedia.org/wiki/Agrapha

 

In dem manchmal von mir hier im Blog angesprochenen Werk "Das Neue Testament und frühchristliche Schriften" von Klaus Berger und Christiane Nord findet sich eine vielzahl Agrapha. Übrigens neben einer Vielzahl eigenständiger Übersetzungen auch z. B. vom Thomas- und Philippusevangelium. Auch das EvVer ist anders übersetzt darin enthalten. Und noch viele andere Schriften. Natürlich ist - dem Namen entsprechend - das komplette NT ist in eigener Übersetzung enthalten. Ein feines Buch aus dem Insel Verlag.

 

Ich bringe hier mal ein sog. arabisches Agraphon. Die arabischen Agrapha stammen alle aus moslemischen Quellen und sind im genannten Werk erstmals komplett ins Deutsche übersetzt worden.

 

Agraphon 210

 

Jesus sagte: "Dreifaches Unheil liegt im Reichtum. Das eine ist, dass man ihn aus ungerechter Quelle erwirbt."

Die Jünger wandten ein: "Aber wenn das nicht der Fall ist?"

Jesus antwortete: "Dann gibt man ihn für Dinge aus, die nicht erlaubt sind."

Wieder wandten die Jünger ein: "Aber wenn man das nicht tut?"

Jesus erwiderte: "Dann macht man sich zu viele Sorgen um den Reichtum und kann nicht an Gott denken."

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Samstag, 29 Juni 2019 10:50)

    Der Widerspruchsgeist der Jünger fällt auf. Klare Ansage von Jesus war doch, dass DREIfaches Unheil im Reichtum liegt. Und dann wollen sie ein Unheil nach dem anderen weghandeln... ^^

    Aber klar, andererseits gibt es die Aussage, dass man (beinahe) alles auf die richtige oder auf die falsche (und graduell alles dazwischen) Weise tun kann. Man könnte also auch auf die richtige Weise reich (geworden) sein. Aber: Was wäre denn eine richtige Weise? Fällt schwer, einen Fall zu konstruieren, wenn man genauer schaut und auch die drei Säulen im Auge hat.

    "Eigentum ist Diebstahl" nutzte Prudhon als Schlagwort in irgendeinem hier nicht so wichtigen Zusammenhang... (wer sich über P. schlau machen will, kann sich hier einen Eindruck verschaffen: https://sciencev2.orf.at/stories/1752431/index.html)

    Das ist vielleicht etwas ZU plakativ, aber auch nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.

    Und welche Dinge wären nicht erlaubt? Auch nicht ganz leicht zu entscheiden.

    Und Punkt drei? "Was du hast, das hat dich" könnte man kurz draus machen. Und auch das wird jeder bestätigen können. Man muss sich schon kümmern, wenn man "hat". Aber auch da gilt wohl das Ding mit der Weise. Und wieder: letztlich nicht ganz einfach zu entscheiden.

  • #2

    Ruth Finder (Samstag, 29 Juni 2019 19:14)

    Rabbi Mosche Löb von Sasow sprach: "Wie leicht ist es für einen armen Mann, sich auf Gott zu verlassen - worauf sonst könnte er sich verlassen? Und wie schwer ist es für einen reichen Mann, sich auf Gott zu verlassen - alle seine Güter rufen ihm zu: 'verlaß dich auf mich!'"